Gurtenfestival wird überwacht

Bern

Vor 5 Jahren starben an der Loveparade in Deutschland 21 Menschen nach einer Massenpanik. Könnte ein solches Drama auch am Gurtenfestival passieren? Um die Menschenströme zu beobachten, setzen die Veranstalter Videokameras ein.

Bis zu 20000 Leute sind jeden Tag auf dem Gurten. Zu einer Panik ist es in den letzten 31 Jahren noch nie gekommen, die Notausgänge kamen nie zum Einsatz. Das bleibt hoffentlich auch in diesem Jahr so.

Bis zu 20000 Leute sind jeden Tag auf dem Gurten. Zu einer Panik ist es in den letzten 31 Jahren noch nie gekommen, die Notausgänge kamen nie zum Einsatz. Das bleibt hoffentlich auch in diesem Jahr so.

(Bild: Susanne Keller)

Markus Ehinger@ehiBE

Nächste Woche jährt sich das Drama von Duisburg zum fünften Mal. Am 24.Juli 2010 starben an der Loveparade in Deutschland nach einer Massenpanik 21 Menschen, 541 wurden zum Teil schwer verletzt. Und vor 15 Jahren starben am Roskilde-Festival in Dänemark 9 Menschen. Grosse Events und Menschenmassen sind unberechenbar – aus Party wird plötzlich Panik. Könnte so etwas auch am Gurtenfestival, das am Donnerstag startet, passieren? Wie sind die Veranstalter auf eine Panik vorbereitet? Wie kann sie verhindert werden?

Mehdi Moussaid forscht am Max-Planck-Institut in Berlin zum Verhalten von Menschenmassen. Er sagte in einem Beitrag von Radio SRF3, dass sich Menschen in einer Masse wie eine Welle bewegen. Solange sich diese gleichmässig bewegen, besteht kein Problem. Wenn aber zwei Menschenwellen aufeinanderprallen und Leute zwischen diesen stürzen, können sie im schlimmsten Fall zu Tode getrampelt werden oder ersticken. Moussaid rät, sich auf keinen Fall gegen die Welle zu stemmen, sondern mit dem «Flow» zu gehen.

Notausgang per Code geöffnet

Während an der Loveparade vor 5 Jahren mehrere Hunderttausend und am Open Air in Roskilde 80'000 Menschen auf dem Gelände waren, sind es am Gurtenfestival pro Tag maximal 20'000. An einem Festival unter freiem Himmel ist die Gefahr einer Massenpanik kleiner, dies etwa wenn es brennt. In der Halle sei die Situation anders als bei einem Open-Air-Festival, sagt Gurtenfestival-Chef Carlo Bommes zu SRF3: «Hier fühlt man sich nicht so eingeengt, weil man kein Dach über dem Kopf hat.»

Sollte es trotzdem zu einer Panik kommen, stehen Notausgänge bereit, welche von Sicherheitsleuten bewacht werden, sodass nichts den Ausgang versperrt. Wenn die Sicherheitsleute bei einem Zwischenfall das Codewort erhalten, das im Sicherheits- und Evakuationskonzept vermerkt ist, wird der Ausgang geöffnet.

Gurten hat eine Art Arena

Am Gurtenfestival gibt es laut Veranstaltern zwei Hotspots mit Menschenmassen: beim Foodcorner und vor der Hauptbühne. Wenn die Leute von der Hauptbühne zur Zeltbühne laufen, kommt es beim Foodcorner immer wieder zu Stau. Bommes sagt, dass es mehrere Wege zwischen den beiden Bühnen gebe. Ausserdem sei das Programm extra so gemacht worden, dass parallel zu Konzerten auf der Zeltbühne auch die Waldbühne bespielt wird. «So verteilen sich die Massen gut», sagt Bommes. Und auch vor der Hauptbühne kam es noch nie zu heiklen Situationen. In den ersten 60 bis 70 Metern vor der Bühne sind die tanzenden Fans. Dahinter gehts ruhiger zu und her.

Das Gurtengelände ist laut Bommes wie eine Arena beschaffen. «Leute, die weit hinten stehen, sehen trotzdem gut auf die Bühne.» Bei flachem Gelände würden die Leute eher an den Bühnenrand drängen, was gefährlich werden könne.

Überwachung per Video

Was im letzten Jahr zu Testzwecken gemacht wurde, führen die Veranstalter heuer definitiv ein: Videoüberwachung. «Kameras sind am Eingang und bei den Bühnen installiert», sagt Bommes. Bommes betont, dass nicht wie in einem Fussballstadion einzelne Personen gefilmt werden, sondern lediglich die Menschenströme. Via Funk können die Sicherheitsleute so auf heikle Situationen reagieren und die Massen leiten. «Die Videoüberwachung ist rein informativ für uns. Die Aufnahmen werden anschliessend wieder gelöscht.»

Die grösste Gefahr ist laut Carlo Bommes ein Hagelsturm: «Dann öffnen wir alle Notausgänge, und wenn die Leute Schutz suchen, finden sie den auch hinter der Bar oder auf der Bühne.»

Berner Zeitung

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