Gemeinde reisst sich um die Bären

Schwarzenburg

Der Gemeinderat prescht vor und stellt sich hinter die Pläne des Tierparks Bern. Zudem verrät er – entgegen einer Abmachung – den ersten möglichen Standort für die Bärengehege.

Der Schwarzenburger Gemeinderat will Bären in den Dorfwald holen.

Der Schwarzenburger Gemeinderat will Bären in den Dorfwald holen.

(Bild: Urs Baumann)

Christoph Albrecht

Schwarzenburg geht in die Offensive: In einer Mitteilung hat der Gemeinderat gestern erstmals offiziell seinen Willen kundgetan, dass auf dem Gemeindegebiet ein Bärenpark realisiert werden soll. Zudem hat er den bisher geheim gehaltenen Standort verraten: Die Erweiterung des Bärenparks Bern soll im Dorfwald Schwarzenburg Tatsache werden.

«Der Gemeinderat steht zu hundert Prozent hinter dem Vorhaben», sagt Gemeindepräsident Martin Haller (SVP) auf Anfrage. Bei der letzten Sitzung habe man die Sache besprochen – und möchte das Interesse aus Schwarzenburg nun offiziell bekräftigen. «Wir wollen damit sagen, dass das Projekt bei uns möglich wäre.»

Vereinbarung gebrochen

Der Gemeinderat ist überzeugt, dass «Schwarzenburg und der Dorfwald ideale Voraussetzungen zur Erweiterung des Bärenparks» bieten. Laut Haller ist die Gemeinde von der ÖV-Anbindung her im Vorteil gegenüber Riggisberg, das ebenfalls noch im Rennen ist um den zusätzlichen Bärenstandort. Er spricht von einem «Bonuseffekt», der das neue Angebot bieten würde. «Es gäbe ein weiteres Ausflugsziel in unserer Gemeinde.»

Eigentlich war die Vereinbarung zwischen den Gemeinden, dass sie ihre möglichen Standorte noch für sich behalten. Dies bis zum 27. respektive 29. November: Dann finden in Riggisberg und Schwarzenburg In­formationsabende für die Be­völkerung statt. Als Vorpreschen sehe er die offensive Kommunikation seiner Gemeinde aber nicht, sagt der Gemeindepräsident von Schwarzenburg. «Der Standort war ja nicht mehr wirklich ein Geheimnis», so Haller.

«Halten uns an den Plan»

Bei der Gemeinde Riggisberg zeigt man sich über dieses Vorgehen allerdings überrascht. Bis zur Nachfrage dieser Zeitung wusste der Riggisberger Gemeindepräsident Michael Bürki (SVP) noch nichts davon. «Wir halten uns aber an den Plan», sagt er. Den potenziellen Standort in seiner Gemeinde behalte man wie vorgesehen für sich.

Auch eine offizielle Stellung­nahme könne man schlicht noch nicht abgeben. Man habe das Thema bewusst erst nach der Infoveranstaltung traktandiert. «Wir wollten zuerst die Reaktionen der Leute abwarten.» Persönlich fände Bürki ein Bärengehege aber «eine super Sache und für die Region ein touristischer Magnet».

Projektleiter Ruedi Flückiger wusste nach eigenen Angaben vom «offiziellen Gemeinderatsbeschluss» in Schwarzenburg. Dass der konkrete Standort dort vorzeitig preisgegeben wurde, finde er aber «nicht gut». Trotzdem sagt er: «Allzu lange müssen wir auch nicht mehr ‹Ver­steckis› spielen.»

Ziel: Eröffnung 2022

Hintergrund der Diskussionen um einen Bärenpark im Gantrischgebiet sind die Pläne des Tierparks Bern. Dieser will mit seinen Bären expandieren. Drei Gehege sollen ausserhalb der Stadt Bern errichtet werden, um den älteren Bären mehr Platzzu bieten.

Das kantonale Amt für Gemeinden und Raumplanung wird in den nächsten drei Monaten nun die Dossiers der beiden Gemeinden prüfen und dann eine Empfehlung an die Projektgruppe abgeben. Sie werde daraufhin «nach verschiedenen Kriterien entscheiden», so Flückiger. Von der Bärenhaltung über die Erschliessung der Anlage bis hin zum Rückhalt in der Bevölkerung würden diverse Faktoren mitspielen. Läuft alles nach Plan, eröffnet die Bärenanlage im Jahr 2022.

Berner Zeitung

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