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Gegen Bezahlung: Kardiologe vermittelte Herzoperationen an Privatklinik

Der Leiter eines öffentlichen Spitals in Bern vermittelte Herzoperationen an eine Privatklinik – und kassierte dafür offenbar 1000 Franken pro Patient.

1000 Franken pro vermittelten Patienten soll der Kardiologe im Durchschnitt kassiert haben (Symbolbild).
1000 Franken pro vermittelten Patienten soll der Kardiologe im Durchschnitt kassiert haben (Symbolbild).
Keystone

Der Leiter eines öffentlichen Berner Spitals hat offenbar vor Jahren von der Hirslanden-Gruppe für die Zuweisung von Patienten regelwidrig Geld kassiert. Wie die «SonntagsZeitung» in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet, wurde das Leitungsgremium des Spital Netz Bern bereits 2008 über den Vorfall informiert, verzichtete aber auf eine Untersuchung.

Erst als Reaktion auf Recherchen der «SonntagsZeitung» habe das Spital Netz Bern schliesslich die Gesundheitsdirektion informiert. Die Behörden hätten in ähnlichen Fällen stets weggeschaut, schreibt die «SonntagsZeitung» weiter. Im Januar dieses Jahres machte Daniel Flach, Geschäftsleiter des City-Notfalls in Bern, Fälle von illegalen Zahlungen, sogenannten Kickbacks, publik.

Gesundheitsdirektion will Zahlungen prüfen

Die Berner Gesundheitsdirektion will jetzt die Zahlungen der Hirslanden von 2007 prüfen, die womöglich zu einem Präzedenzfall werden. Hauptfigur dieses Falles ist Professor B., ein erfolgreicher Kardiologe, der allerdings inzwischen in Pension ist. Der Arzt wurde offensichtlich für die Zuweisung von Patienten an eine Berner Privatklinik bezahlt. Pro vermittelten Patienten überwies ihm Hirslanden gemäss Recherchen der «SonntagsZeitung» im Durchschnitt 1000 Franken direkt aufs Privatkonto.

Die Höhe der Entschädigung sei dabei jeweil von der Art des Eingriffs abhängig gewesen: Setzten die Herzmediziner in der Privatklinik drei sogenannte Stents - also eine Gefässstütze zur Verhinderung eines Herzinfarkts - , so erhielt Professor B. 1005 Franken. Für einen anspruchsvolleren Herzklappeneingriff schickte das Privatspital jeweils 1072 Franken. Die Zusammenarbeit zwischen dem Professor und des Privatspitals dauerte mehr als 20 Jahre. Herzpatienten wurden jeweils im öffentlichen Spital abgeklärt, in der Privatklinik operiert und nach dem Eingriff während ein bis zwei Tagen im öffentlichen Spital gepflegt.

Gemäss Privatklinik handelt es sich um Rückvergütungen

Im Jahr 2008 informierte der Professor die Spital Netz Bern AG in einem Brief über die Zahlung von 50'250 Franken. Er habe eine «einmalige Zahlung entgegengenommen» und sie dann unter den Kaderärzten verteilt. Es wurden die neun Ärzte genannt, die ebenfalls von den Zahlungen profitiert haben. «Ich sehe ein, dass mein Vorgehen rechtliche Fragen aufwirft und spitalpolitischen Sprengstoff beinhaltet», schrieb der Kardiologe seinem Verwaltungsrat im Brief, der der «SonntagsZeitung» vorliegt.

Gemäss Privatklinik handelt es sich nur um Rückvergütungen für die postoperativen Leistungen und nicht um Vermittlungsgebühren. Nachdem der Arzt versprach, den für das Jahr 2007 kassierten Betrag zu retournieren, wurde das Dossier schubladisiert. Auf eine interne Untersuchung oder Anzeige wurde verzichtet - trotz Hinweisen, dass es nicht zu einer einmaligen Zahlung kam, sondern regelmässig Gelder flossen.

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