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Gastro-Container sollen keine Ausnahme mehr sein

Ginge es nach dem Stadtrat, dürften Gastrobetriebe künftig auch einen Restaurantcontainer auf ihre Aussenfläche stellen. Damit erhält Gemeinderat Reto Nause (CVP) den politischen Druck, den er sich erhofft hat.

Ein Vorzeigebeispiel: Weisse Sonnenschirme, ansprechendes Mobiliar, Buchsbäume als Dekoration. Bald könnte hier auch ein Container stehen.
Ein Vorzeigebeispiel: Weisse Sonnenschirme, ansprechendes Mobiliar, Buchsbäume als Dekoration. Bald könnte hier auch ein Container stehen.
Susanne Keller

Die Stadt Bern hat klare Richtlinien dafür, was Gastrobetriebe in ihren Aussenraum stellen dürfen und was nicht: Holztische statt Plastikmöbel, einfarbige Sonnenschirme statt bunte Muster, keine Podeste und genau abgemessene Durchgänge. Auf der langen Verbotsliste der Leitlinien für Wirtschaftsgärten und Mobiliar im öffentlichen Raum stehen auch Buffets, Baranlagen und Restaurantcontainer. Letztere gibt es heute nur an zwei ausgewählten Orten in der Innenstadt, am Hirschengraben und in der Grabenpromenade vis-à-vis dem Kornhaus.

Eine Ausschankanlage auf der Terrasse biete aber für Gastro­betriebe einen grossen Vorteil, ist Alexander Feuz (SVP) überzeugt: «Wenn man nicht mehr für jedes Bier nach drinnen rennen muss, erleichtert das sowohl das Leben der Bedienung als auch jenes des Kunden.» Die SVP kämpfe schon länger für eine Lockerung der Vorschriften für Aussenbewirtungsflächen. 2014 reichte der ehemalige Stadtrat Roland Jakob dazu einen Vorstoss ein, der die Überarbeitung der städtischen Leitlinien verlangt – so, dass auch Baranlagen, Restaurantcontainer und Lichtanlagen auf den bereits bewilligten Aussenbewirtungsflächen gestattet sind.

Der Amtsschimmel wiehert

Diesen Herbst trug die Arbeit der SVP Früchte: Nachdem die Motion siebenmal verschoben worden war, kam sie endlich vor den Stadtrat – und wurde in allen Punkten angenommen. Besonders das knappe Ergebnis bezüglich der Gastrocontainer führte bei Alexander Feuz und seinen Parteikollegen zu Jubelrufen. Ursprünglich sei man nämlich davon ausgegangen, dass die rot-grüne Mehrheit dem Votum des Gemeinderats folgt und diesen Aspekt ablehnt.

Doch gerade die Haltung des Gemeinderats war es, die viele Stadträte umstimmte. Während man Barelemente unter Umständen zuliesse – bei Betrieben mit Überzeitbewilligung, als Alternative zu Tischen und Stühlen, mit vorgegebenen Maximalmassen (2 Meter lang, 1 Meter breit und 1,2 Meter hoch) –, lehnte man das Aufstellen von Containern strikt ab. Diese würden «zu einer unzumutbaren optischen Beeinträchtigung des schutzwürdigen Stadtbildes» führen.

«In der Antwort des Gemeinderats hört man den Amtsschimmel laut wiehern», meinte etwa Claude Grosjean (GFL). Und auch Luzius Theiler (GP) ärgerte sich über diese defensive Haltung gegenüber dem Nachtleben: «Es mutet fast so an, als müssten die Berner jeweils schon um 10 Uhr zu Hause sein.»

Liberalisierung mit Spielraum

Zumindest beim zuständigen Gemeinderat Reto Nause (CVP), dem Direktor für Sicherheit, Umwelt und Energie, stösst das Anliegen auf offene Ohren: «Wir arbeiten schon länger an einer Flexibilisierung der Leitlinien.» Man würde den Restaurantbetreibern beispielsweise gerne ermöglichen, ihr Mobiliar auch über Nacht stehen zu lassen. Zwar sei schon heute viel möglich – mehr, als im Endeffekt tatsächlich genutzt werde –, es seien aber auch schon liberalere Fassungen der Leitlinien erarbeitet worden. Gescheitert seien diese bisher an der rot-grünen Mehrheit, die im Gemeinderat herrsche, so Nause, der sich deshalb besonders über den Entscheid des Stadtrats freut: «Jetzt spürt man den breiten politischen Willen.»

Allzu frei dürften die Regelungen aber doch nicht sein, räumt Nause ein: «Viele Faktoren spielen eine Rolle, wenn es darum geht, was man im öffentlichen Raum aufstellen darf oder nicht. Nicht nur die Ästhetik, sondern auch der Verkehr, die Platzverhältnisse oder die betroffenen Anwohner.» Wie genau die Forderungen des Stadtrats umgesetzt werden, sei also noch offen. Schlussendlich handelt es sich nämlich nur um eine Richtlinienmotion – der Gemeinderat hat ­also einen relativ grossen Spielraum, wie er damit umgehen will.

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