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Für Kletterhallen-Betreiber gehts weiter steil nach oben

Die Szene ist im Umbruch: Lange gab es im Grossraum Bern nur eine einzige Kletter- und Boulderhalle. Jetzt sind es bereits drei Anbieter – und einer baut tüchtig aus. Graben sie sich gegenseitig das Wasser ab? Erstaunlicherweise nicht.

Bern-Rossfeld: Wolfgang Antz in der Boulderhalle Bimano. Sie wird nächstes Jahr an einen grösseren Standort am Zentweg gezügelt.
Bern-Rossfeld: Wolfgang Antz in der Boulderhalle Bimano. Sie wird nächstes Jahr an einen grösseren Standort am Zentweg gezügelt.
Urs Baumann
Ostermundigen: Christian Tschudi (l.) und Sandro Niklaus im O'Bloc.
Ostermundigen: Christian Tschudi (l.) und Sandro Niklaus im O'Bloc.
Urs Baumann
Niederwangen: Hanspeter Sigrist im Magnet, der ersten Halle der Region.
Niederwangen: Hanspeter Sigrist im Magnet, der ersten Halle der Region.
Urs Baumann
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Am Vormittag ist es ruhig in der Boulderhalle Bimano im Berner Rossfeld. Kundschaft ist noch keine da. «Wir spüren die Osterferien», sagt Wolfgang Antz. Zusammen mit zwei Kollegen hat er die ehemalige Turnhalle der Pflegefachschule Tiefenau umgebaut. Hat Holzwände zu Bergen zusammengeschraubt, fünf Meter hoch, die meisten überhängend. Daran sind Hunderte farbige Griffe aus Kunststoff angeschraubt. Und am Boden sorgen dicke Matten dafür, dass sich kein Abstürzender verletzt.

Vor dreieinhalb Jahren haben Antz und Co. das Bimano eröffnet. «Anfänglich hatten wir Bedenken, ob das eine gute Idee ist», sagt der 49-jährige Bergführer. Doch bald war klar: Es war eine gute Idee. Insbesondere an Dienstag- und Donnerstagabenden stehen die Leute fast Schlange vor den Wänden. Bouldern – das Klettern ohne Seil in Absprunghöhe – sei beliebter denn je und werde dies auch bleiben, sagt Wolfgang Antz.

«Bouldern ist beliebter denn je – und wird dies auch bleiben.»

Wolfgang Antz, Boulderhalle Bimano

Deshalb hat sich die Bimano GmbH zur Vorwärtsstrategie entschlossen: Im ehemaligen Post-Logistik-Gebäude am Zentweg baut sie derzeit einen Indoorspielplatz, ein Restaurant und eine Boulderhalle ein. Diese wird viermal so gross sein wie die heutige Halle im Rossfeld. Die Eröffnung ist für 2018 geplant. Die alte Halle, die von Anfang an nur als Provisorium gedacht war, punktet derweil mit ihrem familiären Charme. Auf einem Podest zuoberst an der Boulderwand steht ein Töggelikasten. Regelmässig spielen auf dem Podest auch Bands.

Halle neben Halle

Das Bimano ist die einzige reine Boulderhalle in der Region Bern. Dafür gibt es zwei Hallen, in denen sowohl Bouldern wie auch Klettern mit Seil möglich ist: im Magnet in Niederwangen und im O’Bloc in Ostermundigen. Mit ihrer grauen Fassade erinnert die O’Bloc-Halle von aussen an einen riesigen Steinblock. Und wer das Innere betritt, kommt aus dem Staunen fast nicht mehr heraus. 19 Meter hoch sind die Kletterwände, «die höchsten der Schweiz», wie die Geschäftsführer Sandro Niklaus und Christian Tschudi anmerken.

Anfangs Nachmittag tummeln sich bereits rund zwei Dutzend Leute im O’Bloc. An den Boulderwänden hangeln sich vor allem Junge hoch, im Kletterbereich sind alle Altersgruppen vertreten. «Schauen Sie dort», sagt Christian Tschudi und blickt zu zwei Rentnern, die gerade ihre Kletterseile bereitmachen. «Dieses Generationenübergreifende ist das Coole am Klettern», sagt er.

«Als wir 1993 begannen, wurden wir sehr kritisch beobachtet. Von einer Bank Geld zu bekommen, war schwierig.»

Hanspeter Sigrist, Kletter- und Boulderhalle Magnet

Auch sonst sei das Publikum im O’Bloc sehr gemischt, fügt Sandro Niklaus an, es reiche vom Anfänger bis zum Profi wie Ueli Steck. Als die Halle im Herbst 2015 eröffnet wurde, sei der Ansturm gewaltig gewesen, sagt Niklaus. «Alle warteten sehnsüchtig auf das neue Angebot», sagt Niklaus.

Zahlen gibt er, wie auch seine Mitbewerber, keine heraus. Nur so viel: «Die Besucherzahlen entsprechen unserem Businessplan», sagt Sandro Niklaus. Er hat denn auch keine Angst vor der neuen Bimano-Halle am Zentweg, die kaum einen Kilometer vom O’Bloc entfernt steht. «Ich denke, wir werden aneinander vorbeikommen.»

Der Pionier

Auf der anderen Seite der Stadt Bern, in Niederwangen, steht das Magnet. In einer Industriehalle hat Hanspeter Sigrist zusammen mit seiner Frau Gaby Madlener und seinem Vater die erste Kletterhalle der Schweiz eröffnet. Das war 1993. «Damals wurden un­sere Pläne sehr kritisch hinterfragt», erzählt Sigrist. Von einer Bank einen Kredit zu bekommen, sei schwierig gewesen. Von den heute üblichen Subventionen der öffentlichen Hand konnte er sowieso nur träumen.

«Das Generatio­nen­übergreifende ist das Coole am Klettern.»

Christian Tschudi, Kletter- und Boulderhalle O’Bloc

Vor 25 Jahren kletterte man ausschliesslich draussen. «Die Trainingsbedingungen waren rudimentär», sagt Hanspeter Sigrist. Der 58-Jährige gilt in der Sportkletterszene als Pionier und arbeitet heute als Chef Leistungssport beim Verband Swiss Climbing SAC. Nach der Eröffnung des Magnets setzte der Indoorboom ein. Dennoch blieb das Magnet 20 Jahre lang die einzige Kletter- und Boulderhalle im Grossraum Bern. Die Kundenzahl stieg rasant, sodass die Halle zweimal ­erweitert wurde. Jedes Mal wurde die Kletterfläche verdoppelt.

Boom geht weiter

Nun sind mit Bimano und O’Bloc zwei Konkurrenten aufgetaucht. Das habe sich nicht negativ ausgewirkt, sagt Sigrist. «Früher waren wir an den Abenden absolut am Limit.» Die Halle wurde regelrecht überrannt. «Jetzt ist eine Entlastung da. Das Klettern ist dadurch angenehmer geworden», erklärt der Magnet-Gründer.

Sein Verhältnis zu den Konkurrenten von O’Bloc ist eher distanziert; «ein Teil der Personen hat vorher in zentralen Funktionen bei uns gearbeitet und von unserem Know-how profitiert». Hadern mag er deswegen nicht. «Wir konzentrieren uns lieber auf unsere Stärken, auf die vielfältigen Routen an den verschiedenen Wandsystemen.»

Hanspeter Sigrist geht davon aus, dass der Berner Kletterhallenmarkt noch nicht gesättigt ist. Denn: «Immer mehr Leute mögen nicht stundenlang im Auto sitzen, bis sie in einem Outdoor-Klettergebiet sind.» Sie gehen nach Feierabend lieber in die nahe gelegene Halle. Hier treffen sie Gleichgesinnte – und das Wetter in der Halle ist erst noch berechenbarer.

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