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Für diese Runde brauchts einen Rossmagen

Hier schnell probieren, da kurz testen und dort einen kleinen Bissen essen: An der BEA können an jeder Ecke Häppchen degustiert werden. Aber ist es möglich, sich gänzlich ohne Geld durch die BEA zu futtern? Ein Selbstversuch.

Hier darf man zugreifen: Am Kambly-Stand gibts Güezi zum Probieren – das Paradies für Schleckmäuler jeden Alters.
Hier darf man zugreifen: Am Kambly-Stand gibts Güezi zum Probieren – das Paradies für Schleckmäuler jeden Alters.
Urs Baumann
Salami soweit das Auge reicht: An der BEA gibts Wursträdli en masse.
Salami soweit das Auge reicht: An der BEA gibts Wursträdli en masse.
Urs Baumann
Pralinen hier, Pralinen dort: Der Schoggikonsum schnellt in die Höhe.
Pralinen hier, Pralinen dort: Der Schoggikonsum schnellt in die Höhe.
Urs Baumann
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Wieder ist ein Waffelgüezi fertig, wieder verschwindet es im Rachen des kleinen Jungen. Seit geraumer Zeit geht das schon so. Der kleine Vielfrass lächelt selig. Er hat an der BEA das Güeziparadies gefunden. Freiwillig wird er den Kambly-Stand nicht verlassen. Und seine Eltern sind nicht zu sehen. Der Mann beim Waffeleisen schaut schon leicht irritiert. Aber er ist machtlos. Schliesslich arbeitet er an einem Degustationsstand. Und nirgends steht geschrieben, dass man nur einmal degustieren darf.

Sich den Bauch vollschlagen und dafür nichts bezahlen. Kein Problem für den kleinen Jungen. Aber kann man das als erwachsener BEA-Besucher auch? Es ist Zeit für einen Selbstversuch, getreu dem Motto: «Degustieren statt Manieren».

Wie es der Name schon sagt: Degusteure, die nicht nur probieren, sondern richtig schlemmen wollen, brauchen eine gewisse Dreistigkeit. Am einfachsten zugreifen kann man an der BEA bei den grossen Firmen. Hier ein Ragusa, da ein Kambly-Güezi und dort eine Praline. An den grossen Messeständen werden die Leckereien grosszügig verteilt. Auch ältere und durch nachlassende Sehstärke handicapierte Degusteure kommen hier auf ihre Kosten. Einem Bussard gleich, der sich auf die Feldmaus stürzt, schnappen sich die Besucher die Süssigkeiten, welche ihnen auf Silbertabletts und mit Silberzangen gereicht werden.

Nach dem vielen Süssenverlangt der Magen nach Salz. Um an den Käse und an die Würste aus dem Oberland ranzukommen, müssen die Degusteure ziemlich raffiniert vorgehen. Das Problem sind nämlich die Verkäuferinnen und Verkäufer, die hinter den Tresen stehen. Bei den zehn dünnen Rädchen Wurst auf dem Tablett merken sie sofort, wenn man sich eine Extraportion schnappt. Am besten, man verwickelt sie in ein Gespräch, isst dazu Rädchen um Rädchen und täuscht plötzlich einen Notfall vor. Diese Strategie klappt aber nur einmal. Wer es nicht derart dramatisch mag, dem bleibt nur der Gang von Stand zu Stand. Nach zwei Stunden kann man wieder von vorne beginnen. Diese Taktik können Degusteure sowohl beim Käse als auch bei der Wurst anwenden.

So richtig satt wird man damit aber nicht. Es wird Zeit für sättigende Speisen wie Kartoffeln oder Brot. Erstgenannte gibt es an der BEA in Form eines selbst gebastelten Kartoffelstempels. Die ungekochte Knolle mit Farbe und Tinte dran ist aber definitiv nicht zum Verzehr geeignet. Essbar sind dagegen die Kartoffelchips einer englischen Marke. Leider sind die Geschmacksrichtungen der Chips derart ausgefallen, dass die Verkäufer ständig nach der Meinung des Kunden fragen: «Mögen Sie nun lieber die Variante mit Honig und Senf oder jene mit Tomaten?» In Ruhe schmausen ist bei so viel Aufmerksamkeit unmöglich.

Sowieso macht sich spätestens jetzt ein neues Verlangen bei den Degusteuren bemerkbar: Durst. In der Halle 1.2, auch bekannt als Degustationshalle, kann man ihn löschen. Hier ein Gläschen Weisswein, dort ein Ballönchen Rotwein – nach jedem Schluck macht das Degustieren mehr Spass. Dabei müssen ungeübte Degusteure gerade hier höllisch aufpassen. Manch einem Besucher wurden eine Woche nach der BEA fünf Kisten Wein nach Hause geliefert – notabene dann nicht mehr gratis.

Nach Schokolade, Wurst, Chipsund Käse steht fest: Nur wer sich einen Rossmagen zu- und seine Hemmungen ablegt, kommt als Degusteur umsonst durch die BEA. Gratis schlemmen will eben gelernt sein.

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