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Keiner fängt den Bumerang schneller

Eigentlich wollte er Pilot werden, durch Zufall landete er beim Bumerang. Damit gehört er zur Weltspitze: Manuel Schütz hat gerade erst wieder einen ­Rekord aufgestellt.

Mit 140 km/h durch die Luft: Manuel Schütz hält gleich mehrere Bumerang-Weltrekorde. <i>Video: Florine Schönmann</i>

An diesem Morgen ist nicht viel los auf der Berner Allmend. Die Wolken verziehen sich langsam, und Spaziergänger fangen die ersten warmen Sonnenstrahlen auf. Mitten auf dem Feld steht Manuel Schütz. Nach ein paar Dehnübungen wirft er etwas in die Luft. Es steigt in den Himmel, dreht ab und fliegt zu ihm zurück. Auf den zweiten Blick wird klar, was es ist: ein Bumerang.

Die Sporttasche, die Manuel Schütz dabei hat, ist voll davon. Fein säuberlich sind die Wurfgeräte in kleine Fächer eingeordnet. «Im Bumerangwerfen gibt es sieben verschiedene Disziplinen, da kommt einiges an Material zusammen», erklärt der Hinterkappeler. Es sei fast wie beim Golfen. Dort brauche es auch für jeden Schlag den passenden Schläger.

20 Meter – und zurück

In Besançon, im französischen Jura, hat Manuel Schütz einen neuen Rekord in der Disziplin Fast Catch aufgestellt. Das Ziel: Der Bumerang muss möglichst schnell zum Werfer zurückkommen. Und dabei mindestens 20 Meter weit fliegen. In 14,6 Sekunden hat es Manuel Schütz geschafft und damit den alten Rekord um gut 0,5 Sekunden unterboten. Zehn Jahre lange hat er auf diesen Rekord hingearbeitet. «Ich hätte nicht gedacht, dass es zu schaffen ist.»

Manuel Schütz wirft einen seiner rund 2000 Bumerange. Damit verwirklicht er seinen Traum vom Fliegen anders, als er ursprünglich dachte. Bild: Raphael Moser
Manuel Schütz wirft einen seiner rund 2000 Bumerange. Damit verwirklicht er seinen Traum vom Fliegen anders, als er ursprünglich dachte. Bild: Raphael Moser

Manuel Schütz hat Bumerange in allen Farben und Formen dabei. Ausgerüstet mit einem Fanghandschuh, lässt er einen nach dem anderen durch die Luft fliegen. Gebaut hat er sie selbst. Über 2000 Bumerange liegen bereits bei ihm zu Hause bereit. «Ein Bumerang muss auf seinen Werfer abgestimmt sein.» Das Wurfgerät muss nicht nur der Hand angepasst werden, sondern auch dem Wurfstil. «Die Enden meines Bumerangs sind beispielsweise eher stumpf, weil ich mit viel Spin werfe», erklärt er.

Alle selbst gebaut

Früher fertigte Manuel Schütz seine Bumerange aus Sperrholz – vorzugsweise aus finnischem Birkensperrholz. Inzwischen ist er auf Polypropylen und 3-D-Dru­cker umgestiegen. Mit der Feile verleiht er dem Gerät den letzten Schliff. Dieser variiert je nach Disziplin, in der es eingesetzt wird – ob für den Fast Catch, den möglichst langen Flug oder die weiten Würfe.

Bei Letzteren liegt der Rekord bei 238 Metern. Aufgestellt hat ihn Manuel Schütz. Er ist sein Lieblingsrekord, wie er sagt. Um das Flugverhalten besser kontrollieren zu können, benutzt er übrigens zusätzliche Gewichte und Gummibänder. «Je weiter nach innen man ein Gewicht befestigt, desto träger wird der Bumerang.» So wechsle er in der Luft weniger schnell die Position.

Flugbahnen lesen

Erneut schleudert Manuel Schütz einen Bumerang in die Luft. Er macht eine Kurve und landet direkt vor den Füssen des Profis. Diese Disziplin nennt sich Accuracy, auf Deutsch: Genauigkeit.

Landet der Bumerang direkt beim Werfer, gibt es 10 Punkte. Jeder Meter weiter weg führt zu einem Punkt Abzug. Bei einem nächsten Versuch weiss Manuel Schütz sofort, dass der Bumerang nicht so landen wird wie geplant. «Flugbahnen lesen lernt man relativ schnell.»

Flugbahnen, Aerodynamik und überhaupt die Fliegerei waren Dinge gewesen, die Manuel Schütz bereits als Kind fasziniert hätten. «Pilot war immer mein Traumberuf», sagt der Mathematik- und Physiklehrer. Auf den Bumerang sei er eher durch Zufall gestossen. «Als Kind habe ich einen Mann gesehen, der ein Stück Holz in die Luft geworfen hat, das anschliessend zu ihm zurückflog.» Das habe ihn sofort in den Bann gezogen.

Die Technik brachte er sich selbst bei. Dazu habe er viele Bücher gelesen und so auch erfahren, dass Wettkämpfe ausgetragen würden, erzählt er. «Von den Werfern dort habe ich noch viel mehr lernen können.»

Welt- und Europameister

Heute gehört Manuel Schütz als mehrfacher Welt- und Europameister selbst zu den Besten in seiner Disziplin. In der Schweiz gibt es ungefähr zehn weitere Werfer, die zur Weltspitze gehören. «Wir sind zwar nicht viele, bewegen uns aber auf einem Topniveau.»

Wir sind zwar nicht viele, bewegen uns aber auf einem Topniveau.

Manuel Schütz

Olympisch ist die Sportart nicht. Auch einen internationalen Verband gibt es noch nicht. Dafür sind die Sportler in der Schweiz national organisiert. Dies sei ein erster Schritt. Es würde ihn freuen, wenn der Sport noch bekannter werden würde. Der Einstieg dafür sei leicht: «Jeder kann sich seinen Bumerang selbst bauen», erzählt Manuel Schütz. Sogar aus einer Müsli­packung.

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