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Freizeitjob Lokführer

Manuel Liesch macht in seiner Freizeit einen aussergewöhnlichen Job: Der 14-jährige Schüler der NMS Bern ist Kleineisenbahnlokführer auf dem Gurten.

Volle Kraft voraus: Manuel Liesch dreht auf dem Gurten eine Runde mit «seiner» Elektrolok ABDeh 4/8 Komet. Claudine Schnider
Volle Kraft voraus: Manuel Liesch dreht auf dem Gurten eine Runde mit «seiner» Elektrolok ABDeh 4/8 Komet. Claudine Schnider

Sonntagmorgen auf dem Gurten-Spielplatz. Um 10Uhr holt Manuel die Elektrolok ABDeh 4/8 Komet hervor und macht sie bereit für den bevorstehenden Tag. Er fährt zur ersten Haltestelle, wo schon Kinder anstehen. Sie können es kaum erwarten, einzusteigen und eine Runde mit der Eisenbahn zu drehen. «Alle einsteigen, bitte!» Ein Pfiff, ein Ruck – und los geht die Fahrt. Die Kinder sausen vorbei an Hecken und Häusern, rattern über Bahnübergänge und donnern durch einen grusligen Tunnel. Vorne lenkt Manuel den Zug routiniert dem Bahnhof entgegen. Wieder hat er ein paar Knirpse glücklich gemacht.

Während der Fahrt mit dem Zug muss Manuel auf die Signale achten und gleichzeitig aufpassen, dass nichts auf den Schienen liegt, was den Zug zum Entgleisen bringen könnte. Manuel muss auch vorsichtig sein, dass ihm keine Person vor den Zug läuft.

Wenn er nicht mit der Lokomotive fährt, bedient Manuel die Kunden an der Kasse oder knipst die Billette der Kinder im Zug. Manchmal stellt er im Stellwerk auch die Weichen für seine Lokführerkollegen.

«Das Interesse für Züge kam schon früh», sagt der junge Lokführer über die Freude an seinem Freizeitjob. Er informierte sich im Internet und wurde prompt zu einem Probetag eingeladen. Da Manuel grosses Interesse und echte Freude zeigte, wurde er eingestellt. Nun arbeitet er schon seit zwei Jahren auf dem Gurten. Für seine Arbeitstage kann er sich je nach Lust und Laune anmelden. Während der warmen Saison arbeitet er häufiger, da die Eisenbahn auf dem Gurten im Sommer jeden Tag in Betrieb ist. Im Winter fährt er nur an Sonntagen. Ein ganzer Arbeitstag dauert acht Stunden, ein Halbtag viereinhalb Stunden.

Manuel verdient in der Stunde fünf Franken. Dazu bekommt er das Mittagessen und die Fahrt mit der Gurtenbahn spendiert. Er arbeitet gerne auf dem Gurten: «Es herrscht ein angenehmes Arbeitsklima, und ich komme gut mit all meinen Arbeitskollegen aus.» Am liebsten hat er das Dampffestwochenende, das einmal im Jahr stattfindet. Dann drehen wunderschöne alte Dampfloks zischend und fauchend ihre Runden. «Ein ganz besonderes Erlebnis!», schwärmt er.

Wenn das Wetter schön ist und die Temperaturen warm, kommen viele Leute mit ihren Kindern auf den Gurten. Alle wollen dann mit den Minizügen fahren. Oft sind deshalb drei Züge gleichzeitig unterwegs. Manuel hat an solchen Tagen auch schon schlechte Erfahrungen gemacht mit Eltern, die reklamiert haben, weil zu wenig Platz auf der Eisenbahn war. Aber solche Reklamationen können ihm die Freude an der Arbeit nicht vermiesen. Zu gerne lenkt er als Lokführer die Züge der Kleineisenbahn.

Salomon Hochhuth, Alain Lanfranconi, Pascal Pyfer

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