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Feuerweiher freuen Private

Was macht man mit einem Feuerweiher, den die Gemeinde nicht mehr will? Die Frage stellten sich etliche in Rapperswil. Und fanden als Antwort: Man hält Fische. Oder freut sich einfach über eine arrondierte Parzelle.

Ein Stück vom Hof entfernt: Der Weiher von Familie Jenni.
Ein Stück vom Hof entfernt: Der Weiher von Familie Jenni.
Raphael Moser
Gleich neben dem Hof: Der Weiher von Familie Pfäffli.
Gleich neben dem Hof: Der Weiher von Familie Pfäffli.
Raphael Moser
Unterirdisch: Der Weiher von Familie Jakob.
Unterirdisch: Der Weiher von Familie Jakob.
Raphael Moser
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Zum Beispiel Niklaus und Vanessa Jenni. Seit Anfang Jahr nennt das junge Bauernpaar aus Bangerten einen Feuerweiher sein Eigen. Verkauft hat ihn die Gemeinde Rapperswil, zu der das Dorf gehört. Ganz fremd ist ihnen der kleine Flecken mit dem viereckigen Becken, der ein Stück weg von ihrem Hof liegt, ja nicht. Die Familie habe den Weiher schon lange gepflegt, erzählt Vanessa Jenni – und ihn ebenfalls schon lange so genutzt wie heute. Für die Aufzucht von Köderfischen nämlich.

Fische gehören bei Jennis einfach dazu. Ihr Mann, fährt Vanessa Jenni fort, sei passionierter Angler und benötige dafür die Köderfische. Gleichzeitig hat er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Seit zwei Jahren mästet er in seinem Stall in drei Stahlbecken Karpfen und verkauft diese weiter an einen Verarbeiter.

Die Fische sind ein wachsendes Standbein neben der Schweinemast, dem Ackerbau, dem Hofbeizli und den Pensionspferden. Wobei Vanessa Jenni gleich klar macht: Die Köderfische im Feuerweiher hätten damit rein gar nichts zu tun. Sie dienten nur dem Hobby.

Mit dem Hof verzahnt

Oder Anja Pfäffli, auch sie in Bangerten zu Hause. Die junge Frau be­wirtschaftet ebenfalls einen Bauernhof, zum Ensemble gehört weiter die Wirtschaft zum Löwen mit ihrer Schwester an der Spitze – und neuerdings ein Feuerweiher. Ein kleiner zwar nur, dafür ist er nicht allein: Nebenan steht ein altes Feuerwehrmagazin im Miniformat. Die Gemeinde hat hier sogar noch einen alten Wagen abgestellt, «aber das stört mich nicht», sagt Pfäffli.

Gekauft hat die Bäuerin den Weiher vor allem deshalb, weil er zu einem guten Teil in ihre Hofparzelle ragt. Zudem fliesst das Wasser aus ihrem Brunnen seit eh und je zum Weiher hin ab – die Verbindung ist so von vornherein viel enger als bei Jennis.

«Der Weiher gehörte früher wohl zur Hofparzelle.»

Max Hugi

Und schliesslich Max Hugi, der zusammen mit seinen beiden Schwestern den Feuerweiher in Seewil gekauft hat. Der Teich ist noch enger mit dem alten Bauernhof verzahnt, den die drei von ihren Eltern übernommen haben. «Das Land gehörte früher wohl zur Hofparzelle», stellt Max Hugi fest.

Und begründet so auch gleich den Kauf – was mit dem Weiher längerfristig passieren wird, ist für ihn und seine Schwestern allerdings noch völlig offen.

In einer Zeit, in der die Feuerwehr flächendeckend auf Hydranten, Reservoirs und Tanks zurückgreifen kann, sind im weitläufigen Rapperswil die Weiher überflüssig geworden. Weil sie ständig gereinigt und unterhalten werden müssen, waren sie am Ende nur noch eine finanzielle Last (siehe Infobox).

Denn auch als letzte Notreserve taugen sie heute nicht mehr. Algen und andere Verunreinigungen würden den modernen, hoch technisierten Löschgeräten nur zusetzen – mit diesen Worten begründete Gemeinderätin Jolanda Streun letztes Jahr im Newsletter ihrer Vereinigung für Gemeindepolitik die Verkaufspläne.

Mittlerweile sind sieben der neun Weiher verkauft – zu Preisen, die sich je nach Lage und Grösse zwischen einem mittleren dreistelligen und einem tieferen vierstelligen Betrag bewegen konnten. Für die Behörden ist das Geschäft damit abgeschlossen. In Wierezwil und Moosaffoltern, wo die Teiche Naturschutzgebiet sind oder zumindest einen gewissen ökologischen Wert haben, bleibt die Gemeinde auch in Zukunft Besitzerin.

Unter der Betonplatte

Ihren Weiher erworben hat übrigens auch die Familie von Gemeindepräsidentin Christine Jakob (SVP). Er liegt in Rapperswil selber und ist auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen. Erst ein Blick auf den Boden, wo sich eine rechteckige Betonplatte deutlich vom Belag rundum abhebt, macht klar, wo das – unterirdische – Becken liegt. Der kleine Holzbau dahinter ist unschwer als ehemaliges Magazin zu erkennen. «Wir hatten das Häuschen schon länger von der Gemeinde im Baurecht übernommen», erinnert sich Christine Jakob. Mit dem Weiher sei nun die Parzelle dazugekommen.

Konkrete Pläne hat auch sie keine. Nur so viel: Sollte die Betonplatte mal eine Sanierung nötig haben, werde man das Becken wohl auffüllen.

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