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Fest für einen «Etikettenschwindel»

Der neue Rosshäuserntunnel ist eingeweiht worden – ohne den zuständigen Regierungsrat und dafür mit einem Bundesvertreter, der sich ein paar mahnende Worte nicht verkneifen konnte.

Sie stellen auf Grün: Rudolf Stämpfli, Präsident Verwaltungsrat BLS AG, René Maire, Gemeindepräsident Mühleberg, Peter Füglistaler, Direktor Bundesamt für Verkehr, und Christian Aebi, Vorsteher Amt für öffentlichen Verkehr (von links).
Sie stellen auf Grün: Rudolf Stämpfli, Präsident Verwaltungsrat BLS AG, René Maire, Gemeindepräsident Mühleberg, Peter Füglistaler, Direktor Bundesamt für Verkehr, und Christian Aebi, Vorsteher Amt für öffentlichen Verkehr (von links).
Iris Andermatt

Er war der grosse Abwesende an diesem Fest. Dabei hätte er einen seiner ersten grossen öffentlichen Auftritte als neuer Bau-, Verkehrs- und Energiedirektor vor sich gehabt. Regierungsrat Christoph Neuhaus sollte am Wochenende mit allerhand Prominenz den neuen Rosshäuserntunnel der BLS einweihen. Doch der SVP-Politiker war, so bekam es das erstaunte Publikum auf dem Festplatz am Bahnhof Rosshäusern zu hören, in Deutschland hängen geblieben und schaffte es nicht mehr rechtzeitig zurück in die Heimat.

Dafür redeten andere, allen ­voran Peter Füglistaler als Direktor des Bundesamts für Verkehr. Er nutzte die Gunst der Feierstunde für mahnende Worte zum Streit im Fernverkehr. Künftig soll nämlich auf der Linie, die von Bern über Rosshäusern nach Kerzers und weiter nach Neuenburg führt, nicht mehr die BLS für die schnellen Züge verantwortlich sein. Auf Geheiss des Bundes geht die entsprechende Konzession an die SBB über, wobei: Er wünschte sich, fuhr Füglistaler fort, dass BLS und SBB ihre Differenzen bereinigen könnten. Und die BLS dann im Auftrag der SBB den heutigen Regioexpress doch noch weiterhin fahre.

Füglistaler blickte auch zurück in die Zeiten, in denen auf der Linie der TGV aus Frankreich verkehrte. Nicht zuletzt seinetwegen hatte der Bund den Tunnel einst mit 100 Millionen Franken unterstützt. Er wollte so den Anschluss ans europäische Hoch­geschwindigkeitsnetz unterstützen – es kam anders: Die Bauarbeiten waren noch nicht weit fortgeschritten, als die TGV-Betreiber beschlossen, den Zug per Ende 2013 von der Linie zu nehmen und dafür von Bern nach Paris über Basel zu schicken.

Bald im Regelbetrieb

So gesehen, folgerte Füglistaler, sei der Tunnel «unter falscher Etikette gebaut» worden. Ja, eigentlich sei das Bauwerk «ein Etikettenschwindel». Füglistaler liess es sich trotzdem nicht nehmen, gemeinsam mit den anderen Rednern einen roten Buzzer zu drücken und so in symbolischer Art das Signal zum Tunnel auf Grün zu stellen.

Dann war die Reihe an den Besuchern. Sie konnten das gut zwei Kilometer lange und 265 Millionen Franken teure Bauwerk im Extrazug von innen erleben. Oder im Extrabus zum Notausstieg fahren und von dort in die Tunnelröhre hinabsteigen. Heute in einer Woche gilt es ernst. Vom nächsten Montag an fahren die Züge fahrplanmässig über die neue Linie. Der alte Tunnel mit den anschliessenden Kurven durch das Flüelenbachtäli wird dann vom Netz genommen und über längere Zeit hinweg zurückgebaut.

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