Fabrikool: Die Käufer der Schreinerei ziehen sich nicht zurück

Bern

Am Mittwoch wurde an dieser Stelle vermeldet, dass sich die Käufer der alten Schreinerei in der Berner Länggasse zurückgezogen hätten. Es handelt sich um eine Falschmeldung.

Das Architekturbüro, das in der alten Schreinerei ein Quartiertreffpunkt realisieren will, hat das Projekt nicht zurückgezogen.

Das Architekturbüro, das in der alten Schreinerei ein Quartiertreffpunkt realisieren will, hat das Projekt nicht zurückgezogen.

(Bild: Jürg Spori)

Christoph Hämmann

Ob es das Fabrikool-Kollektiv war oder irgendwelche Scherzkekse: Die Absender einer Medienmitteilung, die vermeintlich von den Käufern der alten Schreinerei an der Fabrikstrasse stammte, narrten am Mittwoch die Berner Medien.

In der Mitteilung hiess es, dass sich die Käufer – ein Berner ­­Architektenduo – aus dem Projekt zurückziehen würden. Im September 2018 war bekannt geworden, dass diese das rund 150-jährige, denkmal­­geschützte Haus in der Länggasse vom Kanton erworben hatten und darin einen Quartiertreffpunkt mit Markthalle, Restaurants und Studentenwohnungen einrichten wollten.

Wegen des Verkaufs der Liegenschaft trat das Fabrikool-Kollektiv, das diese ursprünglich besetzt hatte, vom Zwischennutzungsvertrag zurück und erklärte, das Haus sei nun wieder besetzt.

Weil der Kanton diesen Zustand nicht duldete und die Besetzer einen Auszugs­­termin verstreichen liessen, veranlasste der kantonale Baudirektor Christoph Neuhaus (SVP) vor rund einem Monat die Räumung der Liegenschaft.

Seither spitzte sich der Widerstand gegen die Pläne des Kantons und der Investoren zu: Letztere waren laut Neuhaus bedroht worden, ­­Demos zogen vor ihr Bürogebäude, es gab Stinkbombenattacken und Aufrufe, den Architekten «Botschaften zu hinterlassen». Letzte Woche wurden bei der kantonalen Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion Scheiben eingeworfen und Fassaden versprayt.

Unbekannte Täter

Es erstaunte Regierungsrat Neuhaus deshalb am Mittwoch nicht, dass die Hauskäufer von ihrem Projekt zurücktreten wollten. Er nehme dies mit Bedauern zur Kenntnis, sagte Neuhaus kurz vor Mittag zu dieser Zeitung, die den entsprechenden Artikel danach online publizierte.

Es war dann der gleiche Neuhaus, der Ende Nachmittag die Affäre als Fake News auflösen konnte. Das Ganze sei eine Inszenierung einer unbekannten Täterschaft, so Neuhaus.

Die beiden Käufer der Liegenschaft, die nach wie vor davon ausgehen, bis Ende Jahr über eine Baubewilligung zu ver­­fügen, bestätigten dies auf Anfrage: Sie waren nicht die Absender der Mitteilung, und sie fragten sich zu Recht, wie es die Nachricht unüberprüft in die ­­Medien geschafft hatte.

In der gefälschten Mitteilung stand am Ende, dass die beiden Architekten für weitere Stellungnahmen derzeit nicht zur Verfügung stünden. Dies ist eine gängige Formulierung von Absendern, die ihrer Mitteilung mündlich nichts hinzufügen und verhindern wollen, dass sie von allen möglichen Medien behelligt werden.

Die Lehre für die betroffenen Medien ist, dass der Absender einer Mitteilung auch in diesem Fall verifiziert werden muss. Wir bitten um Entschuldigung dafür, dies vorliegend nicht gemacht zu haben.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt