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Erni lebt lieber auf dem Schiff als auf dem Land

Einer der wenigen Schweizer Matrosen ist Riggisberger. Tobias Erni arbeitet auf einem Chemietransporter auf dem Rhein.

Tobias Erni ist in Riggisberg und auf dem Rhein zu Hause.
Tobias Erni ist in Riggisberg und auf dem Rhein zu Hause.
Markus Grunder

Schon als kleiner Junge gab es für Tobias Erni nichts Schöneres, als sich an Bord eines Schiffes vom aufgewühlten Wasser und dem Brummen der Schiffsmotoren verzaubern zu lassen. Nach Schulabschluss begann er deshalb eine Lehre als Matrose der Binnenschifffahrt – dem Grundstein für eine Weiterbildung zum Kapitän. Als einer der wenigen Schweizer kämpft er nun auf einem Chemietransporter zwischen Basel und Rotterdam gegen die Schwierigkeiten des Matrosenlebens.

Kein Arbeitsweg

Der 18-Jährige verbringt jeweils drei Wochen auf dem Schiff und drei Wochen in seinem Heimatdorf. Während seiner Zeit auf dem Fluss arbeitet er sieben Tage die Woche und übernachtet in einer kleinen Einzelkabine. Daran hat er sich rasch gewöhnt. Immerhin habe er den kürzesten Arbeitsweg, den man sich vorstellen könne. Zudem habe er alle drei Wochen Ferien – auch das könne nicht jeder von sich behaupten. Ihn stört auch nicht, dass sein Arbeitstag bereits um 6.30 Uhr beginnt und erst gegen 17.30 Uhr endet. Das Schrubben der Decks und das Reinigen der Toiletten gehören dabei ebenso zu seinen Pflichten wie das Kochen in der Kombüse oder die Arbeit im Maschinenraum. «Zu den Lehrlingspflichten gehört zudem, dem Kapitän frühmorgens einen Kaffee zu servieren.»

Der Feind des Matrosen

Ernis grösstes Problem ist das Heimweh. «Das ist der wohl grösste Feind des Matrosen», erklärt er. Vor allem seine Freundin vermisse er oft. Obwohl die beiden häufig telefonieren, sind tränenreiche Abschiede keine Seltenheit. Als Matrose sei es grundsätzlich schwierig, Freundschaften zu pflegen. Je mehr er mit seinen Gedanken auf dem Schiff sei, umso weniger werde er vom Heimweh geplagt. So nehme er jeden Tag für sich – das habe er früh von seinen Arbeitskollegen gelernt. Trotz der langen Abwesenheit oder eben gerade deswegen schlage sein Herz immer noch für seine Heimat Riggisberg.

Lieber auf dem Schiff

Matrosenlehrlinge besuchen drei Monate pro Jahr die Berufsschule in Duisburg. Dort werden sie auf einem Schiff einquartiert, das fest vor Anker liegt. Die Schule sei aber nicht so seine Sache, sagt Erni. Er freue sich deshalb immer wieder darauf, auf das Schiff zurückzukehren. «Ich liebe es, auf dem Fluss unterwegs zu sein.»

Zu seinen Arbeitskollegen gehören Deutsche, Holländer und Tschechen. Als Tobias Erni seine Lehre begonnen hat, war er einer von drei Schweizer Lehrlingen.

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