Zum Hauptinhalt springen

Erich Hess verblüfft erneut Freund und Feind

Der Stadtberner Rechtsaussen Erich Hess feiert einen neuen Höhepunkt seiner erstaunlichen Polit-Karriere. Das Volk wählte den 34-jährigen SVP-Mann in den Nationalrat – zur Verblüffung von Freund und Feind.

Noch immer fährt er Lastwagen, mittlerweile aber als Teilzeitmitarbeiter. 2008 gründete er seine erste Firma, seit 2015 tritt er auch als Unternehmer auf.
Noch immer fährt er Lastwagen, mittlerweile aber als Teilzeitmitarbeiter. 2008 gründete er seine erste Firma, seit 2015 tritt er auch als Unternehmer auf.
Markus Hubacher
Süsser Triumph über elitären Dünkel. Lastwagenchauffeur Erich Hess in seiner neuen Rolle als SVP-Nationalrat in der ersten Sessionswoche im Bundeshaus.
Süsser Triumph über elitären Dünkel. Lastwagenchauffeur Erich Hess in seiner neuen Rolle als SVP-Nationalrat in der ersten Sessionswoche im Bundeshaus.
Keystone
Von 2008 bis 2014 war Erich Hess Präsident der Jungen SVP Schweiz.
Von 2008 bis 2014 war Erich Hess Präsident der Jungen SVP Schweiz.
Andreas Blatter
1 / 9

So richtig zugetraut hat ihm das wohl niemand. Doch der Stadberner SVP-Politiker Erich Hess schaffte den Sprung in den Nationalrat. Der Rechtsaussenpolitiker holte den neunten Sitz der bernischen SVP mit über 91'000 Stimmen und liess dabei renommierte Grossratskollegen wie Fraktionschef Peter Brand und Finanzpolitiker Jürg Iseli locker hinter sich.

Erich Hess kurz nach seiner Wiederwahl. Video: Claudia Salzmann

«Ich bin zwar relativ jung, aber schon seit 18 Jahren am Politisieren», sagte Hess am Montag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Der SVP und der Jungen SVP sei er schon mit 16 Jahren beigetreten.

Einen ersten Erfolg feierte er in der Stadt Bern mit dem Referendum gegen den Entsorgungshof Nord, «dem ersten bürgerlichen Abstimmungserfolg in Bern nach Jahren». Das verschaffte ihm eine gewisse Anerkennung rechts der Mitte. Doch als er sich als Dauerprovokateur gegen alles Fremde und Linke zu etablieren begann, gingen viele Bürgerliche auf Distanz.

Solo-Sieg mit Einbürgerungsinitiative

Hess zeigte sich unbeirrt. Den Kampf gegen die Reitschule führt er bis heute weiter, gerade hat er eine weitere Initiative auf Kantonsebene lanciert. An der Urne triumphierte er 2013 mit der Einbürgerungsinitiative der JSVP gegen das ganze kantonale Polit-Establishment.

Im Grossen Rat gibt er so ruppige Voten von sich, dass ihm öfter sogar die eigene Fraktion die Gefolgschaft verwehrt. Zum Thema Flüchtlinge sagte er im September im Rathaus: «Ein grosser Teil wird während Jahrzehnten Sozialhilfe beziehen und uns auf der Tasche liegen. Dagegen müssen wir uns wehren. Der grösste Teil der Asylsuchenden sind sowie nur Wirtschaftsflüchtlinge.»

Sex und Satire

Dafür gab es Schelte von fast allen Parteien. Das Volk aber zog einen anderen Schluss. Und die Stimmberechtigten sehen es Hess offensichtlich auch nach, wenn er in der nächtlichen Schmuddelshow eines Privatsenders zwischen zwei Sexpuppen auftaucht oder sich bereitwillig von einer ZDF-Satiresendung veräppeln lässt.

Manche finden das lustig, andere schämen sich fremd. Hess selber weiss, dass er polarisiert - es ist ihm egal. Sowieso sei er nicht so schlimm wie er dargestellt werde. «Meine Gegner, die mich nur aus den Medien kennen, hassen mich. Anders sieht es aus mit Leuten, die mich persönlich kennen - gleich welcher politischer Couleur.»

Als Nationalrat will er nun «die masslose Einwanderung stoppen» und «die Einbürgerungen auch auf nationaler Ebene verschärfen». Ausserdem brauche die Wirtschaft unbedingt bessere Rahmenbedingungen.

Der Dreifach-Parlamentarier

Ein Problem muss Hess zuvor noch lösen: Er sitzt zurzeit auch im Berner Stadtrat und im Grossen Rat. «In den nächsten zwei Wochen werde ich entscheiden, zu welchem Zeitpunkt ich aus welchem Parlament zurücktrete - wenn überhaupt.»

Denn eigentlich reizen ihn alle Mandate. Ausserdem schielt er bereits auf einen Sitz in der Berner Stadtregierung. In die Karten blicken lässt er sich nicht, die Wahlen finden erst Ende 2016 statt.

Für seinen Job als Lastwagenfahrer bleibt jedenfalls nicht mehr viel Zeit. Hess hofft, hin und wieder noch am Steuer sitzen zu können. Er habe aber einen sehr flexiblen Arbeitgeber und habe sich zudem mit eigenen kleinen Firmen so arrangiert, dass er Politik und Beruf unter einen Hut bringe.

(SDA)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch