Er ist DJ für Cowgirls und Cowboys

DJ Tom Tom alias Tom Etter spielt die Musik für Linedancer – auch diese Tage am Trucker- und Coun­try-Festival in Interlaken. Dieses Engagement gilt für den 49-Jährigen aus Belp als das Highlight seiner bisherigen DJ-Karriere.

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Cowboystiefel der feinen Art, Jeans, ein Stars-and-Stripes-Hemd – wenn Tom Etter sich als DJ auf den Weg macht, ist klar, was er auflegen wird: Countrymusik. Entsprechend ist sein Outfit. Was ausserdem nie fehlt, ist der geflochtene Hut mit Lederband.

Der 49-jährige DJ aus Belp weiss, was Mann im Wilden Westen, oder zumindest beim Linedance, trägt. «Linedance, der Tanz auf einer Linie, ohne direkten Partner», erklärt Etter kurz. Als DJ Tom Tom ist er in dieser Szene bekannt und wird oft für Geburtstagsanlässe und andere Feste gebucht. An diesem Wochenende ist der DJ am Trucker- und Country-Festival in Inter­laken engagiert.

Angefangen hat Etter einst als DJ für Rock- und Popmusik. Mit zwei Plattenspielern und einem Mischpult prägte er in seinen letzten beiden Schuljahren die Klassenpartys. «Country war damals nicht gefragt», erinnert er sich. Schon eher AC/DC, Prince «und natürlich ‹Poor Man’s Moody Blues› von Barclay James Harvest. Weil der Song so lange dauerte und man mit den Mädchen eng tanzen konnte.»

Country- und vor allem Trucker-Songs hörte der damalige Töfflibueb einzig mit aufgesetzten Kopfhörern auf seinem Zweigänger Condor Puch. «Das löste in mir ein Gefühl von Freiheit aus.»

Die technischen Errungenschaften für sein DJ-Dasein verdiente sich Etter als «Chäsibueb» bei einem Bauern. Einen Franken erhielt er pro Botengang, Arbeitsantritt war um sechs Uhr in der Früh. Es sei eine strenge, aber schöne Zeit gewesen, bemerkt der ausgebildete Techniker. «Die Rösti, welche die Bauersfrau zum Frühstück auftischte, fehlt mir bis heute.»

Start in der Garage

Etter unterbrach seine DJ-Karriere und erzählt: «Mit etwa zwanzig hatte ich genug von leeren Tanzflächen, betrunkenen Tänzern und aggressiver Stimmung», sagt der Belper. Erst durch seine Frau Helena habe er entdeckt, was Tanzen auch noch sein kann: Vor sieben Jahren lud sie spontan ihre Linedance-Kolleginnen in die Doppelgarage des Mietshauses ein.

Ein Beamer samt Leinwand wurde aufgestellt, und die Frauen wollten zu einem Youtube-Film Tanzschritte einstudieren. Hilfsbereit stellte sich Etter als DJ zur Verfügung. Seine Dienste fanden Anklang, und er war von da an mit dem Linedance-Virus infiziert. Einmal wöchentlich übt er Tanzschritte ein, ansonsten steht er hinter dem DJ-Pult.

Die beiden Plattenspieler hat er mittlerweile durch einen Laptop ersetzt, auf welchem die Songs gespeichert sind. Die Basis bilden 860 Lieder, bestimmt für Linedance-Veranstaltungen. Und wie viele Titel hat der DJ sonst noch abgespeichert? – Etter überlegt kurz: «Es sind vermutlich zwischen 50'000 und 60'000.»

Wenn Etter etwas nicht mag, sind es halbe Sachen. So hat er Kontakt mit Tanzschulen geschlossen. Sie liefern ihm wöchentlich die Namen jener Songs, zu welchen Schritte einstudiert werden.

Ist ein Musiktitel mehrmals aufgeführt, nimmt er diesen Song in sein Repertoire auf. Der DJ erklärt: «Linedance funktioniert über die Wünsche der Tanzenden. Will man in dieser Sparte als DJ bestehen, muss man die Leute kennen und wissen, was sie tanzen.»

Hommage an Polo Hofer

Zu Beginn eines Anlasses erhält Etter Wunschzettel, auf denen je drei Songs vermerkt sind. «Vier Stunden auflegen, das ergibt 80 Tänze», rechnet DJ Tom Tom vor. Aktuell steht aber kein typischer Countrysong ganz oben auf der Tanzliste, vielmehr schwingen die Linedancer ihre Hüfte im Takt zu «Alperose».

Dass ich am ­Trucker- und Country-Festival ­ in Interlaken mit am DJ-Pult stehen werde, ist eine Riesenehre für mich, einfach unbeschreiblich.Tom Etter

«Zu diesem Song wird als Hommage an Polo Hofer auch am Trucker- und Country-Festival in Interlaken getanzt.» Dass er an diesem ­Festival mit am DJ-Pult stehen wird «ist eine Riesenehre für mich, einfach unbeschreiblich», schwärmt er.

Manchmal werde ihm beinahe schwindlig ob des ­rasanten Aufstiegs, den er als ­Linedance-DJ erlebe, so Etter. Letztes Jahr hatte er ein Engagement an der Country-Night in Gstaad, «und jetzt am Fest, das in dieser Szene niemand verpassen will». Einfach grossartig.

Auch sonst hat sich für DJ Tom Tom einiges verändert. Ende 2017 erhielten die Belpmoos Liners – er ist der Präsident der Tanzgruppe – den Zuschlag für ein grosses Tanzlokal im Untergeschoss des Rubigen-Centers.

Hier, umgeben von Ledersesseln, Barhockern mit Sätteln und allen Flaggen der USA-Bundesstaaten, finden regelmässig Tanzabende statt. Doch ganz auf eine Karriere als DJ setzen mag Etter denn doch nicht, und er bemerkt: «Seit Jahren bin ich als Fachmann für Wärme- und Kältetechnik unterwegs. Das bleibt auch so.»

Infos zum Trucker- und Country-Festival in Interlaken: Truckerfestival.ch; Kontakt zu den Belpmoos Liners: belpmoos-liners.ch

Berner Zeitung

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