Einsicht in traurige Akten wird einfacher

Ein neuer Leitfaden zeigt auf, wie ehemalige Verdingkinder und deren Nachkommen Akteneinsicht in eine düstere Zeit jetzt einfacher erlangen können.

Schuften auf dem Kartoffelacker: Eine Aufnahme mit überwachten Verdingkindern um die 1930er-Jahre.

Schuften auf dem Kartoffelacker: Eine Aufnahme mit überwachten Verdingkindern um die 1930er-Jahre.

(Bild: zvg)

Unzählige Kinder haben noch im 20.Jahrhundert schweres Leid erfahren, als fremdplatzierte Heim- und Verdingkinder. Viele von diesen Menschen – oder ihre Nachkommen – wollen wissen, was damals genau passiert ist. Ein neuer Leitfaden hilft ihnen bei der Suche nach den alten Dossiers.

Yvonne Pfäffli, Archivarin im Stadtarchiv Bern, hat den Leitfaden im Auftrag der Guido-Fluri-Stiftung erarbeitet. Fluri, der Initiant der Wiedergutmachungsinitiative, sagt: «Die Opfer sind meist alt und gebrechlich, sie brauchen eine einfache Anleitung zur Aktensuche.» Die achtseitige Broschüre im A5-Format ist denn auch übersichtlich und klar verständlich gemacht.

Es zeigt in vier Schritten den Weg zu den Akten auf, informiert etwa darüber, dass auch Nachkommen von Betroffenen ein Recht auf Akteneinsicht haben. Erklärt wird, welche Stellen kontaktiert werden müssen, wie die Herausgabe der Originale oder Kopien davon gehandhabt wird – und dass man sich mit dem Bescheid «Wir haben keine Akten» nicht zufrieden geben soll. Beigelegt ist zudem ein vorgedrucktes «Gesuch um Akteneinsicht».

Geld für die Opfer

Das Kapitel Verdingkinder beschäftigt auch die Politik. Der Bundesrat will als Gegenvorschlag zur Wiedergutmachungsinitiative einen Solidaritätsfonds im Umfang von 300 Millionen Franken einrichten. Laut bundesrätlicher Berechnung würde jedes Opfer zwischen 20000 und 25000 Franken für erlittenes Unrecht erhalten. Das Geschäft ist derzeit in der Vernehmlassung, anfangs 2016 sollte es in die Kommission kommen, dann vors Parlament.

Der «Leitfaden Aktensuche» liegt per sofort im Stadtarchiv Bern auf. Nächste Woche werden sämtliche Staats- und Stadtarchive in der Deutschschweiz bedient.

Berner Zeitung

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