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Einmal Pfadi, immer Pfadi? BZ-Redaktoren blicken zurück

Tausende von Kindern und Jugendlichen reisen heute für drei Tage in die traditionellen Pfingstlager.

zvg

Sehr viele Kinder, Jugendliche und wohl auch ihre Eltern hoffen für die nächsten drei Tage auf möglichst wenig Regen. Heute gehts los ins traditionelle Pfingstlager (Pfila) von Jugendverbänden, Parteien und Pfadi. Das Pfila gilt für viele als Höhepunkt im Vereinsjahr. Am häufigsten werden die Pfingstlager mit der Pfadi verbunden. Laut dem Dachverband Pfadi Kanton Bern sind es in diesem Jahr zwischen 2500 und 3000 Kinder und Jugendliche, die an einem der Dutzend Lager teilnehmen.

Hier erinnern sich Redaktorinnen und Redaktoren dieser Zeitung an Episoden aus ihrer eigenen Pfadizeit. Einmal Pfadi, immer Pfadi? Das galt offenbar nicht für alle.

Der Gitarrengott machte alles besser

Viele Jahre fand ich meinen Namen doof. Lejon! Kein Mensch konnte das richtig aussprechen (nämlich so, wie es dasteht), und ich musste ständig erklären, dass es Löwe auf Schwedisch bedeutet. Bis Joker auf der Bildfläche erschien. Da war ich längst Leiterin, hatte gefühlte tausend Zelte aufgestellt und genauso viele verregnete Zeltlager erlebt. Das an Pfingsten war immer noch Highlight des Jahres, auch, weil wir Leiter die Kids alles aufbauen, Brennholz suchen und Tee kochen liessen. Wir hatten nämlich Besseres zu tun, vor allem nachts, wenn die Bienli und Wölfli in den Zelten waren: diskutieren, Peacezeichen auf unsere Schuhe malen und cool herumliegen.

Joker kam aus Zürich und verbrachte Pfingsten mit uns, weil mein Pfadifreund Flip ihn beim Strassenmusizieren kennen gelernt hatte. Die beiden spielten nächtelang Gitarre, und alle waren überzeugt, dass sie Karriere als Rockstars machen würden. Natürlich war ich in Joker verliebt. Weil er ein Gitarrengott war, weil er Wahnsinnsaugen hatte, aber vor allem, weil er meinen Namen richtig aussprach. Und weil das jeweils wie ein 100-zeiliges Liebesgedicht tönte. «Leeejon.» Was aus Joker geworden ist? Ich weiss es nicht. Ich kannte seinen richtigen Namen nie. Vielleicht ein Rockstar? Nina Kobelt/Lejon

Als sich das Zelt über den Geistlichen legte

Schon mal einen Hochwürden richtig fluchen gehört? Bei den katholischen Pfadfindern der Stadtberner Abteilung Windrösli war es zumindest in früheren Jahren üblich, dass auch der Präses mit ins Sommerlager kam. Im Sommer 1967 führte das Pfadilager nach Zeneggen im Kanton Wallis. Als Präses war auch der Vikar dabei. Er hatte für sich ein kleines Zelt.

Ich war Venner im Fähnli Schimmel; der Ürsu im Fähnli Gems. Und nichts liebte Ürsu so sehr, wie dem Vikar nachts das Zelt umzulegen. Beim ersten Mal fand es der Geistliche noch lustig, als sich das Zelt sanft über ihn legte.

Als er in der Nacht darauf erneut im Tuch gefangen war, war er gar nicht mehr amüsiert und fluchte alle Zeichen, die einem Geistlichen nicht zur Zierde gereichen. Selbstverständlich mussten wir dem Vikar der Pfarrei St.Marien das Einerzelt mitten in der dunklen Nacht wieder aufstellen. Nach dem Motto «Mitgehangen, mitgefangen» musste auch ich mithelfen, das Zelt des Geistlichen wieder in Ordnung zu bringen, obschon es der Ürsu war, der die Heringe gezogen hatte. Wobei der Ürsu noch heute standhaft behauptet, ich sei es gewesen, der als erster an den Heringen zog. Claude Chatelain/Zötu

Manchmal tat der Bauch weh vor Lachen

Das Kichern kam jeweils aus dem Schlafsack von Rüebli oder von Schlingel, immer kurz vor dem Einschlafen. Irgendetwas Lustiges war ihnen noch eingefallen, und innert kürzester Zeit hatten wir im Zelt alle Bauchweh vor Lachen. Jahre später, als wir selbst die Verantwortung für das Lager hatten, mussten die beiden mitten in der Nacht im Wald so lachen, dass jene Nachtübung nur schon deswegen unvergessen bleibt. Dieses Lachen vermisse ich manchmal. Natürlich fanden wir nicht immer alles lustig.

Wenn wir die Zelte im Regen aufstellten, wenn der Weg wieder einmal ganz anders verlief als er gemäss Wanderkarte eigentlich sollte oder wenn die andern sich über etwas amüsierten, was uns ärgerte, dann konnte es jeweils ernster werden. Über diese Dinge lachten wir dann erst im darauffolgenden Lager. Und genauso schön wie das Pfadileben selbst waren die Ruhe danach und das Zurückkehren in die eigenen vier Wände. Aber noch heute bringt ein Lagerfeuer all diese Erinnerungen auf einmal wieder hervor und rückt sie in ein leuchtendes Licht. Das Lachen kehrt zurück und das Gefühl ein, die Welt sei in Ordnung.???? Brigitte Walser/Pfiff

Im Lager fast zu Tode gelangweilt

Weil ich die Prüfung in die Sekundarschule bestanden hatte, durfte ich zur Belohnung zu den Pfadfinderinnen. Schon der erste Samstagnachmittag war ein Schock: Wir mussten das korrekte Grüssen lernen – mit und ohne Hut – mit einer Karte im Wald herumdüsen und uns auf eine Prüfung vorbereiten: ein Nähtäschli von Hand nähen unter anderem. Und dann: Jeden Tag eine gute Tat. Wer schafft das?

Das war 1966. Ich war elf und fuhr mit etwa 20 anderen aus der Region in ein Pfadilager nach Tenero. Alle anderen Mädchen hatten schon wochenlang vom Lagerleben geschwärmt. Ich langweilte mich fast zu Tode: Leichtathletik, Wandern, am Morgen Fahnenaufzug und das Beresinalied singen war nicht das, wovon ich geträumt hatte. Etwas Action gabs dann, weil ein Jahrhundertregen alle Zelte unter Wasser setzte. Wir wurden zu Hunderten – nur Mädchen – im Lager einer Papierfabrik untergebracht. Das war aufregend, obschon, schlafen konnte man nicht, es stank, war furchtbar lärmig, und der Frass war ungeniessbar. Ich wollte nur noch eins: nach Hause. Gottlob wurde das Lager vorzeitig abgebrochen. Ich wusste: nie mehr in die Pfadi, nie mehr in ein Lager und nie mehr das Beresinalied singen. Laura Fehlmann/Twist

Wir wollten keine kalten Ravioli

Er nervte uns. Uns, die Pfadi vor allem als Freiraum für allerlei Ideen verstanden. Wisent* aber nahm die Sache ernst – zu ernst aus unserer Sicht. Immer mit der neusten Ausrüstung, immer mit viel Ehrgeiz. So auch beim 24-Stunden-Spiel im Lager in der Innerschweiz in den Achtzigern. Es ging darum, Teilchen quer durch Wald und Wiese von A nach B, C oder D zu bringen, ohne von anderen erwischt zu werden. Unsere Schlafsäcke rollten wir auf Geheiss von Wisent an einem abgelegenen Waldrand aus und sollten sie mit Ästen bedecken. Damit wir nicht von anderen gesichtet werden, so Wisent. Dann sollte es Büchsenravioli geben. Kalt, wie Wisent anordnete. «Der Rauch eines Feuers würde unseren Standort verraten», flüsterte er.

Wir Jüngeren sahen darin eigentlich kein Problem. Vor allem, weil das Spiel gar nicht angefangen hatte. Gemeinsam setzten wir uns gegen Wisent durch. Das Feuer brannte. Einer musste mit hängendem Kopf aus der Büchse essen. Aber: Dass jemand im tiefen Gras auf die vorher von Wisent vor versammelter Runde stolz präsentierte Hightechaluschale getreten war und diese nun Alufolie und nicht mehr einem Aluteller glich, war Zufall. Wirklich. Pfadi-Ehrenwort. ????????Wolf Röcken/Legä*

*Richtiger Pfadiname der Redaktion bekannt.

Berner Zeitung/wrs

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