Einen Tag lang Glanz und Gloria

Wünsch dir was

Die 20-jährige Michelle Vonlanthen aus Flamatt konnte SRF-Moderatorin Nicole Berchtold einen Tag lang über die Schultern schauen und einen Blick hinter die Kulissen der Sendung «Glanz & Gloria» werfen.

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Raphael Hadorn

«Härzlech willkomme bi ‹Glanz & Gloria›, euem Schwizer Gsellschaftsmagazin.» Moderatorin Nicole Berchtold liest im Studio 11 des Schweizer Fernsehens den Text vom Prompter ab. Bevor die 41-Jährige live auf Sendung geht, probt sie den Ablauf im Schnelldurchgang. Unmittelbar neben der SRF-Frau steht Michelle Vonlanthen und verfolgt das Geschehen aus nächster Nähe. Die Eltern der 20-Jährigen aus Flamatt hatten sich beim «Forum» gemeldet und vom Wunsch ihrer Tochter erzählt, einmal Nicole Berchtold vor und während einer Ausstrahlung der Sendung «Glanz & Gloria» zu begleiten. Kleine Moderationen an Firmen- und Vereinsanlässen hat Michelle Vonlanthen, die derzeit ein Au-pair-Jahr im Waadtland absolviert, während ihrer Banklehre bereits gemacht. Nun also möchte sie auf der grossen Bühne reinschnuppern.

Rundgang durch das Haus

Noch fünf Stunden bis zur Livesendung: Nicole Berchtold nimmt Michelle Vonlanthen am Eingang der SRF-Fernsehstudios im Zürcher Leutschenbach in Empfang, führt sie in die «Glanz & Gloria»-Redaktion, wo die «Forum»-Leserin dem Team vorgestellt wird. «Sie machen das Produkt, wir Moderatoren verkaufen es», sagt Berchtold. Dann steht auch schon eine Sitzung auf dem Programm. Sendung und Social-Media-Aktivitäten vom Vortag werden besprochen. Und es gibt Kuchen. Die Praktikantin hat heute ihren letzten Arbeitstag. Frisch gestärkt darf die Leserin mit auf einen Rundgang durch das Haus, das mit seinen vielen Gängen einem Labyrinth gleicht. «Ich musste mich hier auch erst zurechtfinden», beruhigt Nicole Berchtold die Besucherin. Ab und an öffnet sie eine Tür, stellt Leute vor: «Hier werden die Beiträge geschnitten, hier werden sie vertont.»

Noch drei Stunden bist zur Livesendung: Nicole Berchtold ist auf dem Weg in die Maske. Hier trifft man auch mal Moderatoren aus anderen Ressorts an. Auch heute. Wenn auch nur kurz. Oliver Boner von der SRF-Sportabteilung ist gerade am Gehen. Nach zehn Minuten ist auch die «Glanz & Gloria»-Moderatorin fertig. «Weil ich am Morgen bereits eine Sendung aufgezeichnet habe, musste ich das Make-up nur auffrischen», sagt sie – und zeigt auf die Räume neben der Maske. «Dort befindet sich das interne Reisebüro. Unsere Anlaufstelle, wenn wir für eine Reportage oder ein Interview ins Ausland reisen.»

Feinschliff

Noch zwei Stunden bis zur Livesendung: Es geht zurück in die Redaktion. Die meisten Anmoderationen hat Nicole Berchtold bereits am Morgen geschrieben. In Mundart. So wie sie dann auch über den Prompter laufen werden. Auch die Beiträge sind mehrheitlich fertig geschnitten und vertont. Die SRF-Frau liest ihren Text laut vor – und stoppt die Zeit. Die Sendung muss auf die Sekunde genau getimt werden. «Anhand meines Textes rechnet der Computer automatisch eine Zeit aus, doch ich als Bernerin benötige in der Regel einige Sekunden länger», sagt Nicole Berchtold und lacht.

Noch 90 Minuten bis zur Livesendung: «Was, wenn kurzfristig noch News reinkommen?», will Michelle Vonlanthen wissen. Berchtold, seit fast 13 Jahren bei SRF tätig, erklärt, dass dann meistens aus dem Newsblock die langweiligste Meldung rausfällt. «Aber heute bleibt es wohl ruhig, die Sendung steht.» Kaum gesagt, meldet sich Produzent Philippe Klemenz per Telefon zu Wort. Ein politischer Entscheid wurde gefällt, der Dominique Rinderknecht und Tamy Glauser, das berühmteste Lesbenpaar der Schweiz, betrifft. Und weil die beiden am Vortag in der Sendung thematisiert wurden... Nicole Berchtold schreibt eine neue Anmoderation. Und Michelle Vonlanthen ist fasziniert, wie innert Kürze ein neuer Beitrag entsteht und alle Beteiligten ganz ruhig bleiben.

Garderobe, Probe, Sendung

Noch 45 Minuten bis zur Livesendung: Es wird höchste Zeit für die Garderobe. Für den Wechsel vom bequemen Büro- zum Glamour-Outfit. In einem Raum hat jeder der drei «Glanz & Gloria»-Moderatoren seine eigene Kleiderstange mit diversen Outfits. Nicole Berchtold entscheidet sich für einen schwarzen Einteiler mit Blumenmuster und dazu passende High Heels.

Noch wenige Minuten bis zur Livesendung: Die Kameraeinstellungen werden überprüft. Und Michelle Vonlanthen darf sich einmal dort hinstellen, wo sonst nur die SRF-Moderatorin steht. «Du würdest dich gut machen», erhält sie Lob von Nicole Berchtold. Und: «Das ist übrigens meine letzte Sendung, ab morgen übernimmst du.» Dann wird es wieder ernst. Im Schnelldurchlauf geht sie die Sendung durch. Via Knopf im Ohr erhält sie letzte Anweisungen von ihrem Produzenten.

18.40 Uhr: Das Intro der Sendung ertönt. Michelle Vonlanthen sitzt mittlerweile drei Stockwerke höher im Regieraum. «Kamera 1», «Kamera 3», «Noch eine Minute». Philippe Klemenz gibt Anweisungen, drückt Knöpfe. Michelle Vonlanthen staunt. «Sehr spannend, was so alles während einer Aufnahme im Hintergrund abläuft.» Ihren «Happy Day», um es in der SRF-Sprache zu formulieren, bilanziert sie als «mega cool». «Nicole war sehr sympathisch, sie hat mir viel erklärt und sich viel Zeit genommen. Und das auf Augenhöhe», sagt sie.

«Itz wün schi euch äs schöns Wuchenend, uf Wiederluege mitenand», sagt Nicole Berchtold vor der Kamera. Die Sendung ist zu Ende. Und somit auch ein Tag für Michelle Vonlanthen, den sie so schnell nicht vergessen wird.

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