Eine Prise Portugal in Muri

Muri

Das Restaurant La Villette in Muri ist wieder geöffnet. Nach schwierigen Jahren soll das einstige Traditionslokal auf die Erfolgsspur zurückkehren – dank einem Mix aus Schweizer und mediterraner Küche.

Paulo da Silva ist der neue Gastgeber im Restaurant La Villette. Foto: Nicole Philipp

Paulo da Silva ist der neue Gastgeber im Restaurant La Villette. Foto: Nicole Philipp

Christoph Albrecht

An der Fassade hängt noch immer das Riesen-Gipfeli, drinnen stehen die gleichen Holztische. Optisch hat sich im rosafarbenen Haus an der Jägerstrasse in Muri kaum etwas verändert. Und doch ist im Restaurant La Villette vieles anders. Anfang März hat das Lokal unter neuer Führung wiedereröffnet. Ebendieser neue Wirt, der 36-jährige Paulo da Silva, hat sich viel vorgenommen. «Ich möchte das Haus wieder zum Glänzen bringen», sagt er selbstbewusst.

Die Ambitionen sind nicht selbstverständlich, die glanzvollen Zeiten des «Villettli» liegen eine Weile zurück. Einst als gute Adresse gefeiert, hat das Lokal in den vergangenen Jahren gleich mehrere Führungswechsel erlebt. Der letzte Pächter, ein Basler Gastronom, schmiss im Herbst nach nicht einmal einem halben Jahr hin.

Die Wirtin davor hielt es ebenfalls nicht allzu lange in Muri. Sie warf nach knapp anderthalb Jahren das Handtuch. Zwischen den beiden gescheiterten Versuchen war das Lokal drei Jahre lang verwaist.

Bäckerei ist zurück

Von den zuletzt wenig erfolgreichen Gastspielen weiss Paulo da Silva. Der Portugiese, dessen Familie in der Vergangenheit schon im Restaurant Bären in Münsingen wirtete, will sich davon jedoch nicht beirren lassen. «Unser Konzept ist anders», sagt er. Da Silva will wieder auf Altbewährtes setzen. Will heissen: Die einst so beliebte Backwaren-Ecke im Eingangsbereich, die sein Vorgänger in eine Bar umfunktioniert hatte, kehrt wieder zurück.

Zwar werden die Gipfeli, Früchtekuchen, Desserts und Truffes nicht mehr im Hause hergestellt, dafür stehen die Theke sowie das ganze Restaurant ab sofort wieder ab 7 Uhr morgens für die Büezer und Businessleute aus der Umgebung offen.

Im Restaurant haben es zudem alte Klassiker – etwa das Wiener Schnitzel oder das Rindsstroganoff – zurück auf die Speisekarte geschafft. Eine Kopie von früher soll es aber nicht geben. «Als Portugiese werde ich auch Spezialitäten aus meiner Heimat anbieten», sagt da Silva, der in Lissabons Armenviertel Mouraria aufgewachsen ist, mit 17 Jahren in die Schweiz zog und sich vom Tellerwäscher zum Versicherungsberater hocharbeitete.

So erwarten die Gäste nebst portugiesischem Bier und Hauswein Leckereien von der iberischen Halbinsel – etwa Francesinha, eine üppige Variante des Croque Monsieur, oder das salzige Stockfischgericht Bacalhau.

Fado und Fussball

Das Portugal-Ambiente soll bald noch akzentuiert werden. Mittelfristig möchte er im Lokal ein- bis zweimal pro Monat einen Fado-Abend durchführen. Dem Fan des Lissaboner Fussballvereins Benfica schwebt vor, hie und da auf Leinwand einen Match zu zeigen. Ein klassischer Portugiesen-Club soll es aber nicht werden. «Das Ziel ist ein schönes Stammlokal für die Leute aus Muri und Umgebung.»

Der Start ist laut da Silva «überraschend gut» gelaufen. Offenbar so gut, dass das neue Team bereits in den ersten Tagen leicht ins Schwitzen kam und die Gäste teilweise etwas Geduld haben mussten. «Wir haben schlicht nicht mit diesem Ansturm gerechnet», sagt der Neo-Restaurantbetreiber. Er wolle demnächst noch «das eine oder andere Detail anpassen».

Berner Zeitung

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