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«Ein Hausbesetzer war zur Verhaftung ausgeschrieben»

Sicherheitsdirektor Reto Nause nimmt Stellung zu den Ausschreitungen von Mittwoch. Die Gewaltbereitschaft im Zusammenhang mit einer Hausbesetzung sei unübertroffen.

Um etwa 15 Uhr gaben die Sympathisanten vor dem Haus ihren Protest auf...
Um etwa 15 Uhr gaben die Sympathisanten vor dem Haus ihren Protest auf...
Martin Bürki
... und zogen als kleiner Demonstrationszug durch die Stadt. «Effi kommt wieder», stand unter anderem auf dem Transparent.
... und zogen als kleiner Demonstrationszug durch die Stadt. «Effi kommt wieder», stand unter anderem auf dem Transparent.
Martin Bürki
Martin Bürki
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Bern erlebte am Mittwoch einen Krawalltag. Am Morgen räumte die Polizei die von der Gruppe «Oh du Fröhliche» besetzte Liegenschaft an der Effingerstrasse 29. Die Hausbesetzerinnen und -besetzer leisteten heftigen Widerstand. Erst gegen 15 Uhr hatten die Einsatzkräfte das Gebäude in ihre Gewalt gebracht. 19 Hausbesetzer wurden festgenommen.

Noch gleichentags wurde auf Facebook zu einer spontanen «Demo gegen die Räumung der #Effy29, Verdrängung, Aufwertung & Kapitalismus» aufgerufen. Um die 300 Personen leisteten dem Aufruf folge und besammelten sich um 20 Uhr auf der Schützenmatte. Der Demonstrationszug bewegte sich Richtung Henkerbrünnli, Bierhübeli, Mittelstrasse bis zu Länggasse – und hinterliess eine Spur der Verwüstung.

Ein Hausbesetzer war zur Verhaftung ausgeschrieben

Der Stadtberner Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) äusserte sich in einem Interview mit «20 Minuten» zu den Vorfällen. Noch nie sei es im Zusammenhang mit einer Räumung zu solch heftiger Gegenwehr gekommen, auch die Gewaltbereitschaft sei unübertroffen.

Die 19 festgenommenen Personen stammten generell aus einem gewaltbereiten Umfeld, sagte er weiter. Eine davon sei zur Verhaftung ausgeschrieben gewesen und dies nicht wegen eines Bagatell-Delikts.

Den Vorwurf, die Polizei sei zu aggressiv vorgegangen, lässt Nause nicht gelten: Die Hausbesetzer hätten Feuerwerk auf die Einsatzkräfte abgefeuert und etwa schwere Türen auf die Polizisten geworfen.

Die Ausschreitungen wären zu verhindern gewesen, wenn die Besetzer den Dialog mit der Stadt gesucht hätten, lässt sich Nause weiter zitieren. Man hätte beispielsweise über eine Zwischennutzung verhandeln können. Bern sei immerhin schweizweit die einzige Stadt, die eine Koordinationsstelle für Zwischennutzungen anbiete.

Die meisten Besetzer wieder in Freiheit

Von den 19 festgenommenen Personen sind fast alle inzwischen wieder in Freiheit. Die meisten wurden noch in der Nacht wieder freigelassen, ein Hausbesetzer, der sich bei der Räumung an der Hand verletzt hatte, war nach ärztlicher Behandlung noch bis Donnerstagmorgen in Gewahrsam. «Nur jene Person, welche zur Verhaftung ausgeschrieben war, befindet sich nach wie vor im Gefängnis», sagt Polizeisprecher Christoph Gnägi auf Anfrage.

Besetzung in der Länggasse geht weiter

Noch nicht geräumt ist ein weiteres besetztes Haus im Berner Länggassquartier. Der Kanton als Eigentümer der denkmalgeschützten alten Schreinerei auf dem früheren vonRoll-Areal hatte den Besetzern eine Frist bis am Donnerstagmittag gesetzt. Diese verstrich, ohne dass die Besetzer abgezogen wären, wie ein Augenschein vor Ort zeigte.

Das Holzgebäude befindet sich laut Kanton in einem sehr schlechten Zustand und eigne sich deshalb nicht für eine Zwischennutzung. Die Besetzer von «Fabrikool» luden am Mittag zu «Spiel, Spass und Pizza» auf dem Vorplatz der alten Schreinerei ein, die an den Pausenplatz der Pädagogischen Hochschule angrenzt, auf dem sich in der Mittagspause zahlreiche Studierende aufhalten.

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