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Ein Dorf verliert seine Schule

Spätestens in drei Jahren ist Schluss. Die Gemeinde Münsingen schliesst die Schule im Ortsteil Tägertschi. Es gibt zu wenig Schüler.

Zu wenig Schüler: Tägertschi hat in Zukunft keine eigene Schule mehr.
Zu wenig Schüler: Tägertschi hat in Zukunft keine eigene Schule mehr.
Beat Mathys

Eine Fussballmannschaft bringen sie gerade noch zusammen, die Schülerinnen und Schüler der Basisstufe Tägertschi: Elf Kinder besuchen den Kindergarten, die 1. oder die 2. Klasse. Für eine Schulklasse mit einer Grösse, die auch dem Kanton Bern genehm ist, reichts hingegen nicht mehr.

Deshalb hat der Münsinger Gemeinderat entschieden, die Schule in Tägertschi zu schliessen. «Es hat sich schon lange abgezeichnet», sagt ­Gemeinderätin Marianne Mägert (Freie Wähler). Die Eltern wurden an einer Veranstaltung informiert.

Vorgaben werden nicht mehr eingehalten

Seit Anfang Jahr gehört Tägertschi zu Münsingen. «Mit der Fusion hat die Schliessung nichts zu tun», betont Mägert. Bereits bei den Abklärungen wurde kommuniziert, dass die Schule erhalten bleibe, «solange die kantonalen Richtlinien eingehalten werden und die Kosten für die Gemeinde tragbar sind».

Tägertschi habe von der Fusion gar profitiert, sagt Cornelia Tschanz (FDP), die als frühere Gemeindepräsidentin den Ortsteil im Gemeinderat Münsingen vertritt: «Dank der Fusion hat der Kanton grosszügigerweise ein Auge zugedrückt.»

Bei einer Basisstufe prüft der Kanton bereits Mass­nahmen, wenn die Zahl von 18 Schülern unterschritten wird. Davon ist Tägertschi nun zu weit entfernt, wie sich bei einer Überprüfung Anfang Jahr zeigte. «Es fehlen auch Zuzüger mit kleinen Kindern», sagt Tschanz.

Termine stehen noch nicht definitiv fest

Neben einer Schliessung prüfte ein Projektausschuss drei weitere Varianten: eine Verschiebung der Grenzen, sodass Schüler aus Münsingen die Schule in Tägertschi besuchen, einen freiwilligen Schulwechsel, wobei sich die Münsinger Eltern verpflichtet hätten, ihre Kinder bis zur 6. Klasse nach Tägertschi zu schicken, und eine 1. bis 6. Klasse. Am Ende blieb nur eine Lösung. Die Basisstufe wird im Sommer 2019 geschlossen. Falls die Schülerzahl auf unter zehn fällt oder sich keine Lehrperson findet, schon ein Jahr früher. Bei der Mittelstufe ist die Situation entspannter. Sie bleibt Tägertschi bis Sommer 2020 erhalten, im schlechteren Fall auch hier ein Jahr früher. Ab der 7. Klasse besuchen die Schüler schon heute den Unterricht in Münsingen.

Die kleineren Kinder werden künftig mit einem Schulbus nach Münsingen transportiert. Zudem wird der ­Veloweg ausgebaut.

Der Gemeindesaal bleibt erhalten

Die Eltern hätten zwar betroffen auf die Ankündigung reagiert, sagt Tschanz, sie hätten aber Verständnis. Wichtig sei für das Dorf aber auch, dass der Gemeindesaal im Schulhaus erhalten bleibe. Er wird von den Vereinen genutzt, kann von Privaten für Anlässe gemietet werden. Früher fanden da Gemeindeversammlungen statt.

«Das Gebäude wird im Besitz der Gemeinde bleiben», sagt Mägert. Was mit den Schulräumen geschieht, sei aber noch offen.

rei

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