Ein Dorf im gelb-schwarzen Delirium

Schönbühl

Bäckerei, Kiosk, Schule, Gemeindeverwaltung: An jeder Ecke des Dorfes halfen Einwohner von Schönbühl mit, die 3000 gewonnenen Tickets fürs YB-Heimspiel vom Freitag zu verteilen. Mit Erfolg.

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Michael Bucher@MichuBucher

Beatrice Bachmann hatte in den letzten zehn Tagen viel Stress. Positiven Stress, wohlbemerkt. Seit sie beim Radio-Bern1-Gewinnspiel 3000 Gratistickets für das YB-Heimspiel am Freitagabend gewonnen hat, ist die 47-jährige Verkäuferin permanent auf Achse. Denn sie sorgt seither dafür, dass die vielen Tickets in ihrem Wohnort Schönbühl einen Abnehmer finden. Denn genau das ist die Absicht des Radio-Wettbewerbs. Die gewinnende Person soll ihr ganzes Dorf mit ans Spiel ins Stade de Suisse nehmen.

«Der Gewinn hat für einen riesigen Begeisterungssturm im Dorf gesorgt», sagt Beatrice Bachmann, die alle nur Trix nennen. Ein regelrechter Ausnahmezustand sei das gewesen. Denn die YB-Supporterin hat sich extrem reingekniet, um alle 3000 Tickets an ihre Mitbevölkerung zu verteilen. Familie, Freunde, Nachbarn, Fasnachtsverein, Turnverein, Gemeindeverwaltung, Schule, Fussballclub – überall ging die Schönbühlerin mit Tickets hausieren.

Alle Tickets verteilt

Und plötzlich war die Solidaritätswelle losgetreten. Immer mehr Leute liessen sich von Trix Bachmann einspannen, um die YB-Tickets an den Mann bzw. die Frau zu bringen. «Es ist einfach unglaublich, wie viele Leute ihre Hilfe anboten und mich unterstützten», sagt die Wettbewerbsgewinnerin, die im «Chlätterbär» in Bern arbeitet. Sie bestätigt am Freitagnachmittag: Dank der breit angelegten Verteilaktion konnten alle 3000 Tickets vergeben werden – bei einer Wohnbevölkerung von knapp über 6000.

Bei den Verteilaktionen in Schule, Sportclub oder auf der Gemeindeverwaltung wurde auch gleich auf ein zentrales Anliegen aufmerksam gemacht. Nämlich, dass die Matchbesucherinnen und -besucher aus Schönbühl doch bitte alle in gelb-schwarzer Clown-Verkleidung auflaufen sollen. Denn dank dieser Idee hatte Trix Bachmann den Wettbewerb überhaupt erst gewonnen. Radio Bern1 kürte nämlich die beste Idee, wie ein Dorf sich an dem YB-Match präsentieren will.

Alte Wäbi leer gekauft

Da wohl nicht alle Schönbühler eine gelbe oder schwarze Perücke zu Hause haben, hat Trix Bachmann auch hier alle Hebel in Bewegung gesetzt. Sie hat den Perückenbestand der alten Wäbi Worb leer gekauft und gleich noch 100 weitere in Basel nachbestellt – für 1500 Franken. Auch beim Perückenverteilen konnte Trix Bachmann auf breite Unterstützung zählen. Im «Ueli der Beck» gabs zu jedem gekauften Brot eine YB-Perücke – überreicht von Verkäuferinnen in YB-Montur. Und auch die Kioskfrau verteilte ihr Ticketkontingent im YB-Shirt und gelber Perücke.

Trix Bachmann ist ganz gerührt ob der Unterstützung aus der Bevölkerung. «Das ganze Dorf steht hinter mir» sagt die Mutter von drei Kindern. Bei der Gemeindeverwaltung hängt sogar ein Transparent auf dem steht: «Danke Trix u aune Hälfer – hopp YB». Sie ist sehr gespannt, ob wirklich auch alle kommen werden, die ein Gratisticket ergattert haben.

Die Schönbühler werden beim letzten YB-Saisonspiel gegen Vaduz im Sektor C sitzen und für Stimmung sorgen. Das dürften die YB-Akteure gut gebrauchen, denn die Affiche YB - Vaduz wird wohl nicht allzu viele Fans ins Stadion locken, zumal es für die Berner um nichts mehr geht. Völlig egal für Trix Bachmann und ihr Dorf. Sie sehen den Match als einen Höhepunkt einer zehntägigen Solidaritätsaktion mit Dorffestcharakter.

langenthalertagblatt.ch/Newsnetz

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