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Ein Dorf baut sich einen Laden

Am Samstag eröffnet das neue Genossenschaftsprojekt in Frauenkappelen . Die Initianten sind froh,dass es nach nervenaufreibenden Monaten endlich losgeht.

Martin Oppliger, Anne Bernasconi und Mo Messerli (v.l.) gehörten beim Aufbau zu den treibenden Kräften. Foto: Franziska Rothenbühler
Martin Oppliger, Anne Bernasconi und Mo Messerli (v.l.) gehörten beim Aufbau zu den treibenden Kräften. Foto: Franziska Rothenbühler

Ein Ladekran hievt das letzte Containermodul des Ladenprovisoriums auf einen Lastwagen. Damit wird der Blick frei auf den neuen Dorfladen, der morgen in der Überbauung Q-Matte eröffnet wird. Die Storen an der Fensterfront sind unten. Damit werden die Waren vor dem direkten Sonnenlicht geschützt. Der fehlende Sonnenschutz ist ein Detail, das in der Eifer des Gefechts nicht beachtet worden ist. In den nächsten Tagen werden die Fenster nun noch mit einer schützenden Folie überzogen. Schliesslich will sich der Dorf­laden nicht verstecken.

Im Innern sind die Gestelle voll. Nur die Frischprodukte fehlen noch, sie werden erst am letzten Tag angeliefert. Anne Bernasconi ist froh, dass es endlich losgeht. Die Co-Präsidentin der Genossenschaft Dorfladen Frauenkappelen spürt eine «positive Anspannung». Die letzten Monate seien nicht einfach gewesen, blickt sie zurück. Hochs folgten auf Tiefs, und die Nerven seien bei den Beteiligten manchmal blankgelegen.

Darlehen der Gemeinde

Zwar stiess die neu gegründete Genossenschaft, die den Dorf­laden betreibt, auf ein grosses Interesse in der Bevölkerung und vereinigt mittlerweile rund 220 Mitglieder. Das Eigenkapital habe zwar dafür gereicht, alle Investitionen zu tätigen. Die Liquidität in der Startphase habe jedoch gefehlt, damit etwa Löhne hätten bezahlt oder Waren eingekauft werden können. Deshalb gewährte die Gemeinde Frauenkappelen ein zinsloses Darlehen über 75000 Franken, das in den nächsten fünf Jahren zurückgezahlt werden muss. «Ohne dieses Darlehen hätten wir nicht öffnen können», so Bernasconi.

Sie habe in den letzten Monaten viel gelernt und in mehreren Berufen einen Crashkurs absolviert, fährt Anne Bernasconi fort. So hat sie zusammen mit Mo Messerli den Kurs bei der Post absolviert, damit der Dorfladen die Postagentur weiterhin führen darf. Und demnächst kommt noch das «Wirtepatent light» für das Bistro im Dorfladen dazu.

Viele helfende Hände

Ein wichtiges Puzzleteil beim Aufbau seien die vielen Helfer aus dem Dorf gewesen, ergänzt Mo Messerli, die mit Bernasconi zusammen die Geschäftsführung übernimmt. «Ohne die tatkräftige Unterstützung der Freiwilligen wäre es nicht gegangen.» Auch lokale Handwerker haben zum Teil unentgeltlich für den Dorfladen gearbeitet oder Spezialpreise verrechnet. Und der Betreiber des Ladenprovisoriums, das Ende 2019 schloss, habe ihnen die übrig gebliebenen haltbaren Waren geschenkt. Auch in der Zukunft ist der Dorfladen auf Helfer angewiesen, die für eine symbolische Entschädigung mit anpacken.

Die gesamte Fläche misst rund 200 Quadratmeter. Der Innenausbau ist einfach gehalten. Anne Bernasconi spricht von einem «Markthallen-Groove». Gut die Hälfte ist für den eigentlichen Dorfladen reserviert. Hier legen die Betreiber grossen Wert auf Bioprodukte und Spezialitäten von regionalen Anbietern sowie auf Nachhaltigkeit. Es gibt ebenfalls ein Unverpackt-Angebot (Linsen, Getreide, Nüsse) oder Nachfüllpackungen. Dazu kommt ein Standardsortiment mit Lebensmitteln und Non-Food-Artikeln, damit jemand einen Wocheneinkauf zu fairen Preisen machen kann, wie es Anne Bernasconi formuliert. Die Preise seien im Durchschnitt ­vergleichbar mit jenen in der Migros. Die Waren stammen von über 50 Produzenten, was eine «logistische Herausforderung» sei.

Eine kleine Markthalle

Der andere Teil ist eine kleine Markthalle, wo regionale Anbieter Gestelle mieten und ihre Produkte verkaufen können. «Alle Regale sind vergeben», freut sich Anne Bernasconi. Dazu kommt ein kleines Bistro mit Lese- und Kinderecke. «Wir wollen ein Treffpunkt im Dorf sein. Das ist uns ein grosses Anliegen», ergänzt Bernasconi. Jeden Monat soll ein Event stattfinden. Im Februar ist eine Käsedegustation vorgesehen, im März noch ein grosses Eröffnungsfest.

In den ersten Wochen gilt es Erfahrungen zu sammeln. So etwa bei den Öffnungszeiten und beim Wareneinkauf. Ob der Dorfladen eine Zukunft hat, hängt davon ab, wie die Bevölkerung das Angebot nutzt. Und hier ist sie quasi in der Pflicht. Als sich abzeichnete, dass der Betreiber nicht vom Provisorium in die neue Überbauung zügeln will, bildete sich eine Gruppe aus dem Umfeld des Dorfvereins, um den Dorfladen zu erhalten. Eine Umfrage und ein Informationsabend stiessen auf ein grosses Interesse. Der Tenor war klar: Wenn Frauenkappelen nicht zum Schlafdorf werden will, braucht es einen Dorfladen.

Öffnungszeiten: Mo–Fr 7.30–12.30 Uhr und 16–19 Uhr. Sa 8–19 Uhr.

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