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Ein angenehmer Kater

Seit einem Monat läuft die Zwischennutzung Kater Karlo an der Laupenstrasse in Bern. Die Betreiber haben ein neues Geschäftsmodell entdeckt.

Claudia Salzmann
Suppen statt Striptease – so sehen die Räume des ehemaligen Le Perroquet an der Laupenstrasse aus.
Suppen statt Striptease – so sehen die Räume des ehemaligen Le Perroquet an der Laupenstrasse aus.
Christian Pfander
Proteine gibt es, wer mag, in Form von Insekten.
Proteine gibt es, wer mag, in Form von Insekten.
Claudia Salzmann
Seit 2017 sind diese drei Insekten zum Essen freigegeben. So oder so ist die Suppe ein Magenfüller.
Seit 2017 sind diese drei Insekten zum Essen freigegeben. So oder so ist die Suppe ein Magenfüller.
Claudia Salzmann
Kaffee gibt es im Kater Karlo auch: Diese Dekoration an der Decke verrät es schon.
Kaffee gibt es im Kater Karlo auch: Diese Dekoration an der Decke verrät es schon.
Claudia Salzmann
Von zwei Kaffeemobilen serviert, Jusq'a und Emma und Paul.
Von zwei Kaffeemobilen serviert, Jusq'a und Emma und Paul.
Claudia Salzmann
Im Untergeschoss wird es am Abend lebendig, dann dreht auch die Discokugel ihre Runden.
Im Untergeschoss wird es am Abend lebendig, dann dreht auch die Discokugel ihre Runden.
Claudia Salzmann
Die Räume sind im Rohbau und wurden von Mosaik eingerichtet. Nach den drei Monaten wird das Inventar wieder verkauft.
Die Räume sind im Rohbau und wurden von Mosaik eingerichtet. Nach den drei Monaten wird das Inventar wieder verkauft.
Claudia Salzmann
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Für Morgenmuffel ist Tele Cesari zuständig. Der Barista schäumt schon früh Cappuccinos, über ihm baumeln Kaffeetassen von der Decke, neben ihm steht ein Preis von Best of Swiss Gastro, den er mit seinem Truck Emma und Paul abgeräumt hat. Eigentlich ist er mobil, doch derzeit hat er in der Zwischennutzung Kater Karlo an der Laupenstrasse 10 einen fixen Standort.

Gegen Mittag wird Cesari eine Pause einlegen, um dem Koch Fabian Zbinden unter die Arme zu greifen. Dieser verkauft unter dem Namen La Ribollita Eintopf. Die Warteschlange ist lang, die Suppe heiss und die Hilfe von Cesari nötig. «Wir füllen diese Hütte jeden Mittag», sagt Zbinden. Er habe, als er in den USA gekocht habe oder als er kürzlich mit SAT 1 in Vietnam unterwegs gewesen sei, einiges erlebt. «Aber so etwas wie hier noch nie», sagt der Koch. An diesem Tag hat er nach einer Stunde 100 Portionen Chili- und Gemüsesuppen verkauft. 200 sind sein Rekord. Im Normalfall stellt Zbinden seinen Piaggio Ape in den Quartieren ab, wo er auf die Gunst von Privaten angewiesen ist. Viele seiner Kunden würden sich freuen, dass er ausnahmsweise zentral ist.

Zwischen dem Kaffeemobil von Cesari und dem Food-Truck von Zbinden steht Dany Affolter, auch er verkauft Kaffee unter dem Namen Jusqu’a. «Viele meinen, dass ich und Tele uns konkurrenzieren. Das stimmt nicht, wir lernen viel voneinander», sagt der 29-Jährige. Im Dezember übernimmt das Trio wieder die Gelateria-di-Berna-Filiale im Breitenrain. «Zuerst sind wir noch an beiden Orten. Wie genau wir das stemmen werden, wissen wir nicht. Aber es wird gehen», sagt Affolter.

Dort wie auch hier beleben sie Orte, die aus verschiedenen Gründen wenig frequentiert sind: Dort eine Gelateria-Filiale über die Wintermonate. Hier das ehemalige Nachtlokal Le Perroquet, das bis Dezember Kater Karlo heisst. Doch nicht die drei hatten die Idee. Sie wurden vom Eventunternehmen Mosaik ins Boot geholt, um tagsüber eine Magnetwirkung zu erzeugen.

Schneller vermietet?

Kater Karlo ist nicht die erste Zwischennutzung, Mosaik hat sich mit Peter Flamingo und Oscar Elch einen Namen gemacht. An der Laupenstrasse sind die Mosaik-Betreiber wetterunabhängig und beleben erstmals Räume. Die Liegenschaftsbesitzerin PSP Swiss Property versucht den Ort seit ungefähr einem Jahr zu vermieten. Mit Fotos in den sozialen Medien und Zeitungsartikeln würden Interessenten das Potenzial nun erkennen. So sieht das Christoph Sättler von PSP Swiss Property. «Dank dem Pop-up wird man auf die Räume aufmerksam», sagt der Eigentümervertreter. Man sei mit potenziellen Mietern im Gespräch, unterzeichnet sei noch nichts. Dass PSP mit Mosaik eine weitere Zwischennutzung eingehe, sei möglich, aber man habe gerade keine leeren Lokale in Bern.

Zeit hätte Mosaik derzeit wohl nicht, denn ein Projekt jagt das nächste. «Wenn wir nur kurz da sind, kommen die Leute. Würden wir bis zum Frühling bleiben, gäbe es diesen Hype nicht», sagt Camil Schmid von Mosaik. Dieser Ansturm an einer sonst wenig frequentierten Ecke könnte auch der Washbar gegenüber helfen. Das sei aber nicht der Fall, ausser beim Einweihungsfest, heisst es dort.

Geschmack im Rohbau

Der Betrieb läuft den ganzen Tag. «Es ist Minimarkthalle und Atelier zugleich», fasst Fabian Zbinden zusammen. Morgens soll auch schon YB-Goalie Marco Wölfli mit dem Nachwuchs da gewesen sein, nach dem Zmittag übernehmen hippe Leute mit Laptops, und abends trifft man sich zur After-Work-Party.

Die Räume sind im Rohbau, aber mit Geschmack und der Handschrift von Claudio Maestretti, der auch zu Mosaik gehört, möbliert. Nach Feierabend dreht die Discokugel im Keller ihre Runden. «Wir haben alles selber umgebaut», erzählt Schmid. Als Lavabo dient ein altes Ölfass, die WCs sind mit Mieze und Kater angeschrieben. Bei der Namensgebung beweisen sie Wortgewandtheit. Und beim Slogan Witz: «Der angenehmste Kater, den du je hattest.» Den gibt es wohl eher nicht, denn kurz nach Mitternacht ist Schluss.

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