Bern

Diesen Schrott fischen Taucher aus der Aare

Bern14 Velos, vier Einkaufswägeli, fünf Stühle ein Tresor und vieles mehr fischten Taucher der Sanitätspolizei Bern Anfang Woche aus der Aare. Mit solchen Entrümpelungen wird der Fluss sauber gehalten.

Taucher zogen zahlreiche Velos und Einkaufswägeli aus dem Wasser. Video: Florine Schönmann

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Wassertemperatur: knapp 8 Grad, Lufttemperatur: 2 Grad. Diese tiefen Werte schrecken die zwölf erfahrenen Einsatztaucher der Sanitätspolizei Bern nicht ab. In Zweierteams stürzen sie sich beim Engehaldenwehr in die Aare und fischen allerlei Unrat aus dem Wasser.

Bei der Aareputzete von Anfang Woche kamen unter anderem vierzehn Velos, vier Einkaufswägeli, fünf Stühle, diverse Eisenrohre, Eisenstangen, Metallplatten, Verkehrs­signale, ein altes Berner Autokennzeichen, mehrere Abfallkübel, ein SBB-Mitarbeiterausweis und ein leerer Tresor zum Vorschein.

Bei früheren Entrümpelungen fischten die Taucher auch schon die Türe eines längst abgestürzten Flugzeugs, Kühlschränke und Motorräder aus den Fluten. Einer der speziellsten Funde: «Vor ein paar Jahren entdeckten wir im Thunersee zwanzig riesige Käselaibe», sagt Mathias Jakob, Leiter Fachgruppe Wasserrettung der Sanitätspolizei Bern.

Winter ist besser als Sommer

In unregelmässigen Abständen rücken die Einsatztaucher für solche Putzaktionen aus. Meist geschieht dies auf Anfrage des kantonalen Fischereiamts oder der Seepolizei, etwa beim Wohlen- oder beim Thunersee. Das Ziel ist laut Jakob immer das gleiche: «Das ist ein Dienst an der Umwelt und an der Bevölkerung. Die Gewässer sollen sauber sein.»

Als die Sanitätspolizei vor einiger Zeit beim Engehaldenwehr tauchte, wurde viel Abfall entdeckt, sagt Jakob. Deshalb hätten sie sich entschieden, die Aare hier erstmals zu entrümpeln. «Wenn wir den Unrat hier nicht entfernen würden, würde er aareabwärts getragen und die Aare verschmutzen», sagt Jakob. Jetzt, im Winter, seien die Bedingungen für eine Aareputzete optimal. «Es fliessen nur 52 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Im Sommer können es 300 oder mehr Kubikmeter pro Sekunde sein.»

Wärmer, als man meint

Der Weiterbildungstag mit dem Thema «Suchen und bergen» konnte somit optimal für die Aktion Aareputzete genutzt werden. Für die Taucher sind die ­Aareentrümpelungen eine Mischung aus Training und Einsatz, sagt Mathias Jakob. «Für künftige Ernstfälle ist es von Vorteil, wenn man die Aare kennt, wenn man weiss, wo sich gefährliche Stellen für Schwimmer befinden.»

Es sei spannend, was man unter Wasser entdecken und erforschen könne, sagt Einsatztaucher Christian Läuffer. Und die Aaretemperatur sei tatsächlich kein Problem: «Man hat das Gefühl, das Wasser sei viel wärmer. Die körperliche Arbeit unter Wasser wärmt einen», sagt Läuffer. Manuela Sinniger, die einzige Taucherin, die bei der Putzete im Einsatz stand, ergänzt: «Dank der guten Tauchanzüge spürt man die Kälte erst nach einer gewissen Zeit unter Wasser.» Trotzdem freuen sich die Taucher nach getaner Arbeit auf die Rückkehr in die warmen Stuben der Sanitätspolizei Bern.

Polizisten ermitteln vor Ort

Nicht nur Taucher sind jeweils im Einsatz, sondern auch zwei Kantonspolizisten. Sie erstellen einerseits eine Inventarliste des herausgefischten Unrats, anderseits können sie anhand der Velorahmennummern via Smartphone eruieren, ob es sich dabei um als gestohlen gemeldete Velos handelt.

Und siehe da: Ein Herrenvelo der Marke Tigra wurde 2008 als gestohlen gemeldet. Die schlammigen und verrosteten Velos, deren Besitzer nicht auffindbar sind, werden entsorgt. Auch der Tresor dürfte entsorgt werden. Es ist kaum mehr ermittelbar, wo er entwendet wurde. Zu schlecht ist sein Zustand. (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.12.2017, 06:32 Uhr

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