Zum Hauptinhalt springen

Die TGV-Frau und der rote Teppich

Gestern konnte Sonja Schmid doch noch über einen roten Teppich schreiten. «La femme et le TGV» gewann in Genf in seiner Kategorie den Schweizer Filmpreis.

Vereint auf dem roten Teppich: TGV-Winkerin Sonja Schmid und Filmregisseur Timo von Gunten.
Vereint auf dem roten Teppich: TGV-Winkerin Sonja Schmid und Filmregisseur Timo von Gunten.

Was ihr vor Monatsfrist verwehrt blieb, konnte sie doch noch nachholen. Wenn auch nicht in einem ganz so glamourösen Umfeld, wie sie es im Februar an der Verleihung der Oscars in Los Angeles angetroffen hätte: Gestern Abend schritt Sonja Schmid in Genf über den roten Teppich, erlebte dann live mit, wie der Schweizer Filmpreis vergeben wurde.

Immerhin war jener Streifen, der sie so schlagartig in die Welt des Films katapultiert hatte, nicht nur im fernen Amerika in die ­Reihen der Nominierten vorgestossen. «La femme et le TGV» hatte es genauso auch im nationalen Rahmen auf die Liste der möglichen Preisträger geschafft. Das Werk des Zürchers Timo von Gunten handelt von Elise Lafontaine, die jahrelang von ihrem Haus aus dem TGV zuwinkt. Bis dieser nach einem Fahrplanwechsel von einem Tag auf den anderen ausbleibt.

Die Schauspielikone

Es ist die Geschichte von Sonja Schmid, 53-jährig und aus Ferenbalm-Gurbrü direkt an der BLS-Linie von Bern nach Neuenburg. Auch sie stand jahrelang Tag für Tag am Fenster und winkte, und auch sie musste akzeptieren, dass der französische Superzug plötzlich auf eine andere Strecke geschickt wurde. Sie war gewissermassen das Vorbild für Jungregisseur von Gunten. Jetzt also der rote Teppich, einmal mehr eine neue Erfahrung im Leben von Sonja Schmid.

Dabei schnupperte sie nicht zum ersten Mal Luft aus dem Showgeschäft. Schon im letzten Sommer, als «La femme et le TGV» am Filmfestival Locarno Premiere feierte, war sie als Gast geladen. Damals kam es auch zu einem Treffen mit der legendären Jane Birkin, die im Film die winkende Elise Lafontaine spielt. Es folgten Auftritte bei diversen Filmvorführungen, unter anderem in Seyssel im französischen Rhonetal knapp eine Autostunde unterhalb von Genf.

Hier hatte von Gunten gedreht. Nochmals mächtig Schub bekam die Geschichte mit der Nomination für die Oscars. Da war es für Sonja Schmid auch letztlich unwichtig, dass sie für die Gala in Los Angeles keines der raren Zutrittstickets ergattern konnte: «Ich habe den Event auch zu Hause am Fern­sehen in vollen Zügen genossen,», gab sie gestern zu Protokoll.

Dann nahte schon der grosse Moment. Locker betrat Sonja Schmid den roten Teppich, warf sich in Pose und stellte sich den Fotografen. Sie tat dies mal inmitten der Filmcrew, zu der sie an diesem Abend hochoffiziell gehörte, mal aber auch allein mit Regisseur von Gunten. Es schien, als hätte sie ein solches Schau­laufen schon zigmal absolviert.

«La vraie femme»

Doch es sollte noch viel besser kommen – denn nicht einmal zwei Stunden später fand sie sich unvermittelt vor laufender Fernsehkamera wieder. Vorerst wurde es zwar noch einmal richtig spannend, weil die Moderatorin einfach nicht preisgeben wollte, wer den diesjährigen Preis für den besten Kurzfilm gewonnen hatte.

Als dann aber endlich klar war, dass es «La femme et le TGV» unter die Preisgekrönten geschafft hatte, mochte Timo von Gunten nicht allein auf die Bühne gehen. Kurzerhand schnappte er sich alle, die in irgendeiner Art etwas zu seinem Werk beigetragen hatten – und so trat unvermittelt auch Sonja Schmid nach vorn ins Scheinwerferlicht.

Das wird die TGV-Frau aus Ferenbalm-Gurbrü noch bekannter machen. Schon gestern wurde sie im Kreis der Filmschaffenden mit dem Satz begrüsst: «Ah, la femme.» Auch wenn es ja eigentlich hätte heissen müssen: «Ah, la vraie femme.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch