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Die Seftigenstrasse muss schon wieder umgepflügt werden

Weil der Untergrund der Tramschienen instabil ist, muss die Seftigenstrasse in absehbarer Zeit von Grund auf saniert werden. Von Pfusch wollen die Verantwortlichen bei Bernmobil trotzdem nicht reden.

Die Seftigenstrasse ist stark belastet. Auch wegen der Trams – deshalb kündigt sich bereits die nächste Sanierung an.
Die Seftigenstrasse ist stark belastet. Auch wegen der Trams – deshalb kündigt sich bereits die nächste Sanierung an.
Christian Pfander

Wie sich die Dinge doch immer wiederholen.

Zu gut ist vielen Leuten in ­Wabern noch in Erinnerung, was in den ersten Julitagen 1997 passiert ist. Nach langem Planen und Diskutieren setzten Gemeinde- und Kantonsvertreter in einem denkwürdigen Akt zum Spatenstich für den Totalumbau der Seftigenstrasse an. Sie taten dies zu nachtschlafender Stunde frühmorgens um 2 Uhr, derweil im Hintergrund die Bauarbeiter die allgemeine Verkehrsruhe nutzten und unter höllischem Lärm die ersten Tramschienen aus dem Boden rissen.

Fünf Wochen lang war dann die grosse Zufahrts­achse in die Stadt Bern gesperrt. Der ganze Verkehr wälzte sich nun durch die engen Quartierstrassen, die BZ zählte auf einem Abschnitt im morgendlichen Stossverkehr knapp 100 Fahrzeuge in nur 10 Minuten, Autos und ­Motorräder genauso wie Last­wagen und Linienbusse. Wer konnte, flüchtete weg in die Sommerferien.

Auf der Baustelle selber geschah zum Ende der Arbeiten hin genau das ­Ge­genteil. Die Anwohner entdeckten die neue, verschönerte Strasse als Ort zum Flanieren und Plaudern – bevor mit dem Schulbeginn die autofreie Zeit vorüber war und der Verkehr wieder rollte.

Wars das? Nein, denn bereits ist absehbar, dass die Seftigenstrasse in absehbarer Zeit erneut von Grund auf saniert werden muss. «Vermutlich im Hochsommer 2023 wird es eine Intensivbauphase mit Umleitungskonzept durch die Quartierstrassen wie vor gut 20 Jahren geben», kündigt die Quartierzeitschrift für Wabern und den Spiegel in ihrer aktuellen Ausgabe an.

Die falschen Dämmmatten

Auslöser der neuerlichen Arbeiten sind die Tramschienen, die ihr Alter bald erreicht haben werden. 25 Jahre seien bei der intensiven Beanspruchung mit einem 6-Minuten-Takt tagsüber üblich, zitiert die Zeitung aus zwei Anlässen, an denen die Behörden den Puls des Quartiers massen. So weit, so gut, wenn da nicht noch ein anderer, weit schwerwiegenderer Grund wäre: Nicht nur die Schienen, sondern gleich deren ganzer Untergrund sind schon ein Sanierungsfall.

Die 3 Meter breiten und 60 Zentimeter tiefen sogenannten Tramtröge müssen ersetzt werden, weil gewisse Materialien Ermüdungserscheinungen zeigen. Als Mittel gegen Lärm und Erschütterungen wurden damals Dämmmatten aus Steinwolle eingebaut, wie Rolf Meyer als Sprecher des Verkehrsunternehmens Bernmobil schreibt. Mittlerweile habe sich gezeigt, dass diese «die gewünschte Lebensdauer teilweise nicht erreichen».

Juli 1997: Auto an Auto fuhr durch die engen Quartierstrassen. Foto: Walter Pfäffli.
Juli 1997: Auto an Auto fuhr durch die engen Quartierstrassen. Foto: Walter Pfäffli.

Deshalb sei es zu Setzungen im Gleiskörper gekommen, so ­Meyer weiter, unter anderem ­unmittelbar vor und im Bereich der Tramwendeschleife. Die ­unebenen Stellen würden nun be­obachtet. Damit man den Unterhalt sicherstellen und auch festlegen könne, wann der richtige Zeitpunkt für die umfassende Sanierung gekommen sei.

Den Vorwurf, dass beim Einbau der Tramschienen im ­Sommer 1997 gepfuscht worden sei, will Meyer gar nicht erst ­aufkommen lassen. Die Stein­wollematten hätten «dem da­maligen Stand der Technik» ­entsprochen, betont er und weist auf die ­«wesentlichen technischen Fortschritte» hin, die seither in diesem Bereich möglich geworden seien: «So haben sich mittlerweile bei festen Fahrbahnen wie bei der Seftigenstrasse Kunststoffdämmmatten als optimales und langlebiges Baumaterial etabliert.»

Auch höhere Trottoirkanten

Bernmobil muss noch aus einem weiteren Grund handeln. Verantwortlich ist diesmal der Bund, der bis 2023 schweizweit behindertengerechte Zugänge zum öffentlichen Verkehr verlangt. Deshalb müssen auch an der Seftigenstrasse die Trottoirkanten erhöht werden, an der Haltestelle Gur­tenbahn genauso wie am Endhalt in Wabern selber. Wobei dort nur ein provisorischer Ausbau geplant ist – immerhin soll die Tramlinie künftig weiter bis nach Kleinwabern führen, womit die Anlage bei der Wendeschleife überflüssig wird.

An den Infoanlässen brachten die Anwesenden erste Wünsche ein. Unter anderem regten sie an, die Höchstgeschwindigkeit von 50 auf 30 Kilometer pro Stunde zu senken. Zu reden gaben auch die Staus an der Abzweigung zur Gurtenbahn und die Radstreifen. Die Situation für die Velofahrer ist besonders bei den Tramhalte­stellen heikel, wo das Gleis wegen des besseren Komforts beim Einsteigen eng ans Trottoir herangeführt wird.

Die Planer versprachen, all ­diese Punkte in den nächsten Monaten vertieft zu untersuchen.

Noch viele Unklarheiten

Ob die Sanierung tatsächlich bereits im Sommer 2023 und damit bereits in 5 Jahren über die Bühne geht, ist nicht in Stein gemeisselt. Der genaue Zeitpunkt lasse sich im Moment genauso wenig vorhersagen wie die genaue ­Umleitungsroute, relativiert Bernmobil-Sprecher Meyer. Auch zu den Kosten macht er keine Aussagen.

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