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Die Ruhe nach dem Sturm

Nach den ersten drei Betriebsmonaten des Bundesasylzentrums in Giffers zieht Ammann Othmar Neuhaus eine verhalten-positive Bilanz: Von den Flüchtlingen merke man bislang nichts.

Scharfe Grenze zwischen drinnen und draussen: Das Bundesasylzentrum Guglera in der Gemeinde Giffers.
Scharfe Grenze zwischen drinnen und draussen: Das Bundesasylzentrum Guglera in der Gemeinde Giffers.
Charles Ellena

Es ist ruhig geworden. Sehr ruhig sogar – darin sind sich alle einig, die mit dem Bundesasylzentrum Guglera im Freiburger Sense­bezirk zu tun haben. Die Debatten über die Unterkunft fänden heute auf einer guten und sachlichen Ebene statt, hielt Oberamtmann Manfred Raemy unlängst in einem Interview fest.

Und die Polizei beobachtet, dass sich die Ängste vor steigender Krimina­lität und anderen negativen Begleiterscheinungen gelegt haben: Die Beamten würden kaum je gefragt, ob sie schon mal in Richtung Zentrum hätten ausrücken müssen. Die Antwort auf die Frage laute ohnehin Nein.

Dem kann Othmar Neuhaus als Ammann der Standortgemeinde Giffers nur beipflichten. Im Dorf merke man von den Neuankömmlingen nichts, zieht er drei Monate nach Eröffnung ­Bilanz. Sie seien weder sichtbar, noch machten sie sonst von sich reden. Die Bevölkerung ihrerseits begegne dem Ganzen «eher positiv bis zuwartend, man schaut, wie es sich entwickelt».

«Die Bevölkerung ist eher positiv bis zuwartend, man schaut, wie es sich entwickelt», sagt Ammann Othmar Neuhaus. Bild: Charles Ellena
«Die Bevölkerung ist eher positiv bis zuwartend, man schaut, wie es sich entwickelt», sagt Ammann Othmar Neuhaus. Bild: Charles Ellena

Ob diese Erfahrungen in Kappelen-Lyss, wo Anfang Woche ein weiteres Bundesasylzentrum ­eröffnet worden ist, die ­Gemüter beruhigen können? Dort gehören Menschen aus fernen Ländern zwar seit Jahren zum Alltag, das frisch umgebaute Gebäude in der Industrie Süd beherbergte als kantonales Durchgangszentrum schon seit Jahren Asylsuchende. Dafür hat der Bund nun das nur gut einen Kilometer entfernte Kasernenareal als Standort für noch ein Bundesasylzentrum ins Auge gefasst. Die drohende Doppelbelastung sorgt bei den Lysser Behörden für grossen Ärger.

Der legendäre Abend

Auch in Giffers hatte der Bund mächtig Wirbel ausgelöst. Unvergessen ist der landesweit beachtete Infoabend von Anfang 2015, als sich Vertreter des Staatssekretariats für Migration (SEM) und der Freiburger Regierung der Öffentlichkeit erklärten. Die über 1000 Anwesenden liessen ihren Gefühlen freien Lauf, und wer für das Guglera-Projekt einstand, kassierte unüberhörbare Buhrufe. Dass ein eilends ins Leben gerufenes Gegen­komitee eine Gruppe Treichler organisiert hatte, heizte die Stimmung zusätzlich an.

In diesem hochemotionalen Umfeld liess sich sogar Ammann Neuhaus zu einem Ausdruck hinreissen, für den er sich später in aller Form entschuldigte. Er redete von einem «Asylanten-Tsunami», der auf Giffers zukomme – und relativiert später, als die Kritik nicht mehr abriss: Er habe nur klar machen wollen, dass das Dorf und seine Bevölkerung ohne Vorwarnung von etwas Unbekanntem überrollt würden. Er habe weder jemanden beleidigen noch diskriminieren wollen.

«Ich habe eine harte Haut», sagt er heute auf die Frage, wie es damals für ihn gewesen sei, derart im Kreuzfeuer zu stehen. Und stellt klar, dass die Sensler gar nicht so fremdenfeindlich dächten, wie sie in den Medien dargestellt worden seien. Im Gegenteil. Man stelle sich vor, versucht er die Ereignisse in seinem Dorf mit einem Bild zu umschreiben: Wer einen Kübel kaltes Wasser ins Gesicht bekomme, reagiere spontan ebenfalls sehr ungehalten. Wenn dann nach einer guten Tasse Tee die Wärme zurück sei, könne man wieder in einem ganz normalen Rahmen miteinander reden.

Die ersten Kontakte

Mag sein, dass sich die momentane Ruhe auf diese Art tatsächlich zu einem schönen Teil erklären lässt. Mittlerweile kommt es auch zu ersten direkten Kontakten: Im Begegnungscafé, das seit Mai in der Guglera stattfindet, treffen Mitglieder des Vereins «Flüchtlinge willkommen im Sensebezirk» regelmässig auf Asylsuchende. Bei Kaffee und Kuchen unterhält man sich, so weit es sprachlich überhaupt möglich ist, man spielt Spiele, häufig malen die Flüchtlinge auch.

Längerfristig sind nun Einsätze zugunsten der Allgemeinheit geplant. Erste Gespräche mit den Betreuern hätten stattgefunden, führt Neuhaus aus, «man hat uns signalisiert, dass der Bedarf nach Beschäftigung vorhanden ist». Welche Arbeiten die Asylsuchenden ausführen werden, ist indes noch nicht klar. Nur so viel: «Erste Ideen bestehen.»

Neuhaus hält fest, dass der Start sicher auch deshalb so ruhig verlaufen ist, weil das Zentrum schwach belegt ist. Dank der allgemein sehr tiefen Asylzahlen sind in der Guglera erst etwas mehr als 20 Leute untergebracht. Platz hätte es für 130 Leute in der Anfangsphase und für 250 Leute im Endausbau.

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