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Die Ludothek steht vor dem Aus

Ungewisse Zukunft für die Ludothek: Die meisten Frauen, die sie betreiben, wollen aufhören. Zudem gehen die Ausleihzahlen ständig zurück. Ende Jahr soll die Ludo deshalb zugehen – falls nicht eine andere Lösung gefunden wird.

Fahrt in eine ungewisse Zukunft: Präsidentin Beatrice Lussi (rechts) und Dorothee Ritschard auf einem beliebten Dreirad der Ludothek.
Fahrt in eine ungewisse Zukunft: Präsidentin Beatrice Lussi (rechts) und Dorothee Ritschard auf einem beliebten Dreirad der Ludothek.
Walter Pfäffli

Das Angebot ist gross. In der Ludothek Worb warten über 1000 Objekte auf spielfreudige Kinder und Erwachsene. Die Ecke mit Gesellschaftsspielen stellt jeden Spielzeugladen in den Schatten, und die Vielfalt der Fahrzeuge ist gross. Die Ludothek existiert seit 28 Jahren, jetzt droht das Ende: 2017 soll das letzte Jahr sein, dies hat der Vorstand des Ludothek-Vereins kürzlich bekannt gegeben. Hauptgrund: 5 der 8 Frauen, welche die Ausleihe betreuen, wollen Ende Jahr aus Altersgründen aufhören, darunter auch Präsidentin Beatrice Lussi.

Arbeit ist ehrenamtlich

«Früher bestand das Ausleihteam aus 12 bis 14 Personen», erinnert sich Lussi. Wenn von den 8 jetzigen 5 wegfallen, könne der Betrieb nicht aufrechterhalten ­werden. «Wir haben viel unternommen, um das Team aufzustocken», sagt die Präsidentin. Kunden seien angesprochen worden, man habe Plakate aufgehängt und Stelleninserate im Onlineportal Bern-Ost geschaltet. Doch eine verbindliche Zusage traf nicht ein. «Viele Mütter erklärten, es sei ihnen nicht möglich, mitzumachen, weil sie selbst ar­beiten.» Beatrice Lussi gibt aber auch zu bedenken, dass die Arbeit in der Ludothek ehrenamtlich ist. Das könne ein weiterer Grund für das mangelnde Interesse sein.

Dass 5 Frauen des Teams ­aufhören, ist das eine. Doch in den letzten Jahren sind auch die Ausleihzahlen rückläufig gewesen. In den besten Jahren gingen bis zu 2500 Spielobjekte über die Theke. Seit 2011 nimmt die Zahl stetig ab. Letztes Jahr wurden ­gerade noch 1132 Objekte aus­geliehen.

Der Rückgang ist besonders bei Gesellschaftsspielen, Spielen für draussen und Fahrzeugen spürbar. Nach wie vor gut laufen Spiele für Anlässe wie Mohrenkopfschleuder, Flipperkasten und das grosse «Vier gewinnt». Auch Playmobil ist weiterhin gefragt. Die rückläufige Nachfrage ist auch bei Anlässen der Ludothek spürbar. Beatrice Lussi: «Zum ­Familienspielnachmittag letztes Jahr kamen nur zehn Personen.»

Beatrice Lussi kann die Gründe für den Rückgang nur vermuten. «Die Leute kaufen vieles selbst. Vor den Häusern sehe ich oft ganze Fahrzeugparks.» Zudem habe sich die gesellschaftliche Situation verändert: «Frauen sind vermehrt berufstätig und die Kinder betreut. Die Zeit reicht offenbar kaum, bei uns vorbeizukommen.» Konkurrenz erhält die Ludothek auch von Internetbörsen sowie durch elektronische Spiele für Computer oder Handy.

Sorgen wegen Finanzen

Die Ludothek war in der Ver­gangenheit in verschiedenen Gebäuden eingemietet. Der aktuelle Standort sei nicht optimal, so Lussi, weil der Eingang einige Meter von der Hauptstrasse entfernt liegt und schlecht erkennbar ist. Ein Nachteil ist, dass Kunden nur über eine Treppe zu den Ludo-Räumen gelangen.

Sorgen bereitet der Präsidentin zudem die finanzielle Situation der Ludothek. Der Verein deckt Raummiete und Anschaffungen mit Mitgliederbeiträgen, Einnahmen aus dem Verleih, Beiträgen der Gemeinden Worb und Vechigen sowie Sponsorengeldern. Konnten früher manchmal Gewinne erwirtschaftet werden, muss heute teilweise Angespartes verwendet werden.

Behörden suchen Lösung

Das drohende Aus der Ludothek beschäftigt auch die Behörden. «Ich bin besorgt darüber, dass sie zugehen soll», sagt Gemeinderat Christoph Moser (SP), Vorsteher des Departements Bildung. «Wenn eine Möglichkeit besteht, die Ludothek zu erhalten, wäre es gut.» Er werde sich der Sache annehmen und Lösungen ins Auge fassen. Sinnvoll wäre laut Moser, Bibliothek und Ludothek zusammenzulegen, wie es in Ostermundigen geplant ist. Das sei aber nicht einfach, «wegen des benötigten Raums und der ­Mitarbeitenden». Denn die Bibliothek Worb gehört zu den ­Kornhausbibliotheken Bern, deren Mitarbeiter nicht ehrenamtlich arbeiten, sondern bezahlt werden.

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