Die Länggasse erhält ihr Tram zurück

Bern

Ab 2035 soll ein Tram die überlastete Buslinie in die Länggasse ersetzen. Für die Strecke ins Wylerquartier ­sollen Doppelgelenkbusse ­genügen.

Neue Tramlinie in die Länggasse und Shuttlebus in die Lorraine (klicken zum Vergrössern)

Michael Bucher@MichuBucher

«Bern ist und bleibt eine Tram­stadt», hielt eine gut gelaunte Ursula Wyss am Dienstag fest. Es war der passende Einstiegssatz der städtischen Verkehrsdirektorin zum neusten grossen Wurf der Stadt Bern: Für rund 100 Millionen Franken soll ab 2035 die Buslinie 12 vom Bahnhof ins Länggassquartier mit einem Tram ersetzt werden.

Eine Zweckmässigkeitsbeurteilung (ZMB) des Kantons sieht im Tram die bestmögliche Lösung zur Entlastung der chronisch überlasteten Bus­linie ins Universitätsquartier. Die städtische Tramoffensive kann nach dem Ja der Kantonsbevölkerung im März zum Tram nach Ostermundigen also weiter vorangetrieben werden.

50 Prozent mehr Fahrgäste

Ein Tram in die Länggasse – die Idee ist alles andere als neu. Von 1894 bis 1959 fuhren schon einmal Trams durchs Quartier. Auch in neuerer Zeit geisterte das Vorhaben durch die Planungsbüros. Bereits vor sechs Jahren sprach die damalige Verkehrsdirektorin Regula Rytz (GB) vom grossen Potenzial einer Tramlinie in der Länggasse. Am Dienstag bewarben Ursula Wyss und ihr kantonales Pendant Barbara Egger nun die Tramvariante mit Zahlen.

Im Korridor Länggasse erwarten die Verantwortlichen bei Stadt und Kanton, dass wegen der prognostizierten Studierendenzahlen künftig rund 50 Prozent mehr Fahrgäste transportiert werden müssen. Gerade die Baupläne der Uni im Muesmattquartier wirken hier als Treiber.

Vorgesehen ist, dass das Tram – wie heute auch der 12er-Bus – beim Tierspital wendet. Im 6-Minuten-Takt (zu Spitzenzeiten im 4-Minuten-Takt) soll das Tram in die Länggasse fahren. Mit dem Tramprojekt lässt sich nun auch endlich die Umgestaltung der Länggasstrasse angehen, die seit einem Negativentscheid des Verwaltungsgerichts im Jahr 2012 auf Eis liegt.

11 Millionen für Shuttlebus

Nicht nur die Busline 12 war ein Thema. In der ZMB des Kantons nahmen die Verkehrsplaner auch die stark frequentierte Linie 20 vom Bahnhof ins ­Wylerquartier unter die Lupe. Man entschied hier jedoch, statt auf Trams auf kostengünstigere Doppelgelenkbusse zu setzen.

Dies aus folgendem Grund: Während in der Länggasse, wo täglich rund 9000 Personen mit dem Bus hinfahren, allen Stationen eine gleich grosse Bedeutung zukommt, sieht die Situation beim Wylerbus anders aus. Zwar legen pro Tag über 10'000 Personen die Strecke Bahnhof–Gewerbeschule zurück, auf dem restlichen Teilstück bis ins Wankdorf sind es aber lediglich 1000 bis 4000 Passagiere. Viele bevorzugen ­offenbar die S-Bahn, um ins Wankdorf zu gelangen. Vor diesem Hintergrund würden sich die hohen Kosten eines neuen Trams nicht rechnen.

Um die überstrapazierte Strecke zwischen Bahnhof und ­Gewerbeschule trotzdem zu entlasten, soll während der Spitzenzeiten (7 bis 9 Uhr und 16 bis 18 Uhr) im 3-Minuten-Takt ein Shuttlebus auf dieser Achse verkehren. 11 Millionen Franken sind dafür budgetiert.

Neue Busse bereits Ende Jahr

Bereits Ende dieses Jahres sollen sieben neue und grössere Doppelgelenkbusse ab Bahnhof Richtung Wankdorf fahren. Beim Projekt Tram Länggasse rechnen die Verantwortlichen frühestens ab 2030 mit einem Baubeginn. Bei einer fünfjährigen Bauzeit fände die Jungfernfahrt also nicht vor 2035 statt. Als Übergangslösung soll die Länggasslinie ebenfalls mit Doppelgelenkbussen betrieben werden, wie Barbara Egger ausführte. Diese werde sinnvollerweise mit der Linie 20 verknüpft.

Noch nicht geklärt ist, wo im Bereich Bahnhof-Bubenbergplatz das Tram dereinst Anschluss finden wird. Neben einer Verknüpfung mit der Ostring­linie steht auch eine Anbindung ans neue Ostermundigen-Tram zur Debatte.

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