Die Kehrseite des Wachstums

Die Gemeinde muss in nächster Zeit dreizehn neue Schulklassen schaffen. Die Folgen: hohe Kosten und eine enttäuschte Christophorus-Schule. «Doch wir haben keine andere Wahl», so der Gemeinderat.

Markus Zahno

Heute leben in der Gemeinde Ostermundigen 17'000 Menschen. In acht Jahren sollen es bereits 18'000 sein. Der Gemeinderat setzt grosse Hoffnungen in die Wachstumsstrategie, will mit den zusätzlichen Steuereinnahmen die Gemeindefinanzen wieder ins Lot bringen. Doch die Strategie hat auch eine Kehrseite: Die Zahl der Schulkinder steigt von 1500 auf rund 1800. Es braucht also gleich 13 neue Klassen.

Eine Planungsgruppe hat nun analysiert, dass die zusätzlichen Primarklassen in den vier bestehenden Schulhäusern untergebracht werden können. Für die Oberstufenklassen gebe es aber zu wenig Platz. Deshalb will die Gemeinde das Schulhaus Rothus ab 2018 schrittweise wieder in Betrieb nehmen.

Dieses war seit 2008 vermietet – an die Christophorus-Schule, die hier siebzig Jugendliche mit geistiger Behinderung unterrichtet, und an die Berufs-, Fach- und Fortbildungsschule (BFF), die drei Klassen des zehnten Schuljahres führt.

«Von Anfang an gewusst»

Die Christophorus-Schule muss auf Sommer 2021 ausziehen. Man sei immer davon ausgegangen, noch länger bleiben zu können, erklärt Co-Schulleiter André Engel. Er hofft, dass die Gemeinde die Kündigung überdenkt und das Rothusschulhaus der Christophorus-Schule verkauft.

Der Ostermundiger Gemeinderat Henrik Schoop (FDP) macht ihm aber wenig Hoffnung. «Die 10 oder 12 Millionen, die wir für das Schulhaus bekämen, würden unmöglich reichen, um an einem anderen Ort ein neues Schulhaus zu bauen», sagt er. Denn für sechs neue Oberstufenklassen benötige man nicht nur sechs Klassenzimmer, sondern auch Zusatzräume, eine Turnhalle sowie ­Reserve für Schule und Musikschule.

«Das alles ist im Rothus vorhanden.» Zudem habe die Gemeinde nirgendwo ein genügend grosses Landstück, um ein neues Schulhaus zu bauen. Und: Man habe deshalb das Rothusschulhaus 2008 nicht verkauft, um es später allenfalls wieder für den Eigengebrauch nutzen zu können.

«Das hat der Gemeinderat von Anfang an so kommuniziert», sagt Schoop – und legt als Beweis ein Pressecommuniqué aus dem Jahr 2007 vor.

Auch andere sind betroffen

Die BFF muss das Rothusschulhaus bereits 2018 verlassen. «Das ist bedauerlich», sagt Direktor Heinz Salzmann. Man habe aber kommen sehen, dass die Gemeinde das Schulhaus dereinst wieder selber benötige. «Wir sind froh, dass wir immerhin zwei Jahre Zeit haben, um einen neuen Standort zu finden.»

Im Rothus und in den vier ­anderen Ostermundiger Schulhäusern werden bauliche Anpassungen nötig. Diese dürften laut ersten Schätzungen total 5 Millionen Franken kosten. Von den Änderungen betroffen sind nicht nur die Christophorus-Schule und die BFF.

Die Jugendmusik zum Beispiel muss ihre Übungs- und Lagerräume im Schulhaus Rüti schon per August 2017 räumen. «Wir bedauern das alles sehr», sagt Gemeinderat Schoop. «Letztlich mussten wir uns aber für die machbarsten und günstigsten Lösungen entscheiden.»

Neun neue Kindergärten

Bereits länger ist bekannt, dass Ostermundigen in den nächsten Jahren gleich neun Kindergärten ersetzen muss. Hier rechnet Henrik Schoop mit Kosten in der Grössenordnung von 10 Millionen Franken. Derzeit läuft die Detailplanung. Die Volksabstimmung findet wohl Anfang 2017 statt.

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