Die Ferieninsel ist bei den Familien durchgefallen

Münchenbuchsee

Die Ferienbetreuung für Kinder wird wieder eingestellt. Das Interesse in der Pilotphase war zu klein. Mögliche Gründe: der hohe Preis und die fehlende Durchführungs­garantie. Auch in Zollikofen steht das Angebot auf der Kippe.

2014 wurde die Ferieninsel in Münchenbuchsee erstmals durchgeführt. Nun wird sie eingestellt. Das Programm war gut und die Leiter engagiert - der hohe Preis könnte aber viele abgeschreckt haben.

2014 wurde die Ferieninsel in Münchenbuchsee erstmals durchgeführt. Nun wird sie eingestellt. Das Programm war gut und die Leiter engagiert - der hohe Preis könnte aber viele abgeschreckt haben.

(Bild: Beat Mathys)

Hans Ulrich Schaad

«Abgesagt.» Wer auf der Website der Gemeinde Münchenbuchsee den Suchbegriff Ferieninsel eingibt, erhält zehn Beiträge. Neben allgemeinen Infos geht es bei deren zwei um die Absage der Ferieninsel, weil die Mindestzahl an Anmeldungen nicht erreicht worden war. Jetzt ist die Ferieninsel endgültig versenkt worden. Das Projekt wird nach der dreijährigen Versuchsphase eingestellt. Nur in den Frühlingsferien lagen an zwei Tagen immer genügend Anmeldungen vor. Das Angebot in den beiden Wochen im Sommer und der Woche im Herbst wurde teilweise gar ganz gestrichen, trotz breit gestreuter Werbung.

Am Anfang ein Postulat

Die Ferieninsel, bei der es um die Betreuung von Kindern während der Schulferien geht, wurde vor knapp vier Jahren durch ein Postulat aus den Reihen der SP im Gemeindeparlament initiiert. Eine Vorgabe war, dass das Angebot kostendeckend sein muss. Die Gemeinde war und ist nicht auf Rosen gebettet. So stimmten alle Fraktionen dem Vorstoss zu.

«Ich bedauere, dass die Ferieninsel nach der Pilotphase vorbei ist», sagt Gemeinderat Patrick Imhof (SP), der seit diesem Jahr dem Departement Bildung vorsteht. Das Angebot sei inhaltlich sehr gut, die Leiterin und ihr Team seien engagiert gewesen. Die Kinder durften sich wie in den Ferien fühlen, konnten das Programm mitbestimmen, Tiere spielten eine wichtige Rolle.

Um der geringen Nachfrage auf den Grund zu gehen, hat die Schule eine Umfrage bei den Eltern durchgeführt. Ein Fünftel der 750 verteilten Fragebogen kam zurück. 16,5 Prozent gaben an, dass sie am Angebot interessiert seien. Damit wäre theoretisch ein Potenzial da, erklärt Patrick Imhof. Aber ein Bedürfnis sei «relativ». Von Umfragen könne man nicht immer auf die Realität schliessen.

Keine Subventionen

Die grosse Mehrheit braucht die Ferieninsel hingegen nicht. Gründe sind der fehlende Bedarf, die Betreuung der Kinder durch Verwandte oder Bekannte und der hohe Preis. Weil die Plätze nicht subventioniert waren, kostete die Ferieninsel 80 Franken pro Tag und Kind. Zudem gab es für das zweite oder dritte Kind keine Reduktion, ergänzt Imhof. Eine Subvention der Plätze war aber wegen der Vorgaben des Parlaments kein Thema.

«Das Angebot war inhaltlich gut, das Leiterteam sehr ­engagiert.»Patrick Imhof, Gemeinderat

Gemeinderat Imhof vermutet noch ein anderes Handicap: die fehlende Durchführungsgarantie. Weil die Eltern nicht wussten, ob die Ferieninsel überhaupt zustande kommt und sie ihr Kind schicken können, hätten sie sich womöglich anders organisiert. Die Möglichkeit, auf das Angebot der Gemeinde Zollikofen auszuweichen, wurde kaum genutzt. Auch die Eltern anderer Gemeinden schickten ihre Kinder nicht nach Buchsi.

In Münchenbuchsee ist das Traktandum Ferieninsel nach der Pilotphase vorderhand vom Tisch. Patrick Imhof ist aber überzeugt, dass die Frage früher oder später wieder auftauchen wird. Dann müsse die Konzeption nochmals genauer angeschaut werden.

Zollikofen: Versuch verlängert

In Zollikofen, wo eine Volksmotion am Anfang stand, ist die dreijährige Versuchsphase eigentlich letztes Jahr zu Ende gegangen. Das Interesse am Angebot sei «bescheiden» gewesen, sagt Gemeindepräsident Daniel Bichsel (SVP). Weil die minimale Teilnehmerzahl nicht erreicht war, mussten einzelne Tage abgesagt werden. Die Ferieninsel erhält in diesem Jahr im Frühling (zwei Wochen) und im Sommer (drei Wochen) eine zweite Chance. Neu gibt es eine Durchführungsgarantie, egal wie viele Kinder angemeldet sind. Vielleicht steigt damit die Zahl der Anmeldungen. Danach will die Gemeinde Zollikofen entscheiden, ob die Ferieninsel eine Zukunft hat. In Zollikofen berechnen sich die Kosten für die Eltern nach Einkommen.

Wohlen: gestrichen

Die Gemeinde Wohlen hat nur einen kurzen Abstecher auf die Ferieninsel gemacht. Nach einer Petition aus der Bevölkerung wurde die Ferienbetreuung ab 2014 angeboten, aber bald wieder gestrichen. Die Ferieninsel wurde zu wenig frequentiert. «Wir dachten, dass das Angebot ein Renner werden könnte», sagt Gemeindepräsident Bänz Müller (SP plus). Doch gerade das Gegenteil traf ein.

Köniz: gute Erfahrungen

Keine Probleme mit der Auslastung kennt Köniz, wo die Ferienbetreuung seit Herbst 2014 besteht. Die insgesamt 60 Plätze an drei Standorten sind, nach einer schwierigen Anfangsphase, meist gut besetzt. Die Erfahrungen sind durchwegs positiv.

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