Die Captain

Boll

Tina Brand ist zwar erst 16, hat im Eishockey aber schon viel erlebt: Beim SC Bern wurde sie als erstes Mädchen Captain einer Knabenmannschaft. Nun ist sie von ihrer Wohngemeinde geehrt worden.

Eishockey prägt ihr Leben: Tina Brand in ihrem Zimmer.

Eishockey prägt ihr Leben: Tina Brand in ihrem Zimmer.

(Bild: Beat Mathys)

Markus Zahno

In Tina Brands Zimmer hängt ein gelbes Trikot des SC Bern. Auf dem Rücken die Nummer 25, vorne auf der Brust ein grosses C. Auf diesen Buchstaben ist die 16-Jährige «mega stolz». Denn das C steht für Captain.

Tina Brand, wohnhaft in Boll, geht als erster weiblicher Captain in die Geschichte des SC Bern ein. Bis diesen Frühling spielte sie zusammen mit etwa zwanzig Jungs bei den Mini-A-Novizen. Zudem schaffte sie es in das Schweizer U-16-Nationalteam. Mit diesem reiste sie im Februar an die Jugendolympiade nach Lillehammer – und gewann dort die Bronzemedaille. «Ein Supererlebnis» sei das gewesen, sagt sie. Als Anerkennung dafür ist sie kürzlich mit dem Sportpreis 2016 der Gemeinde Vechigen ausgezeichnet worden.

Klein, leicht – und schnell

An einer anderen Wand in Tina Brands Zimmer, direkt über dem Bett, hängt ein schwarzes Trikot des HC Fribourg-Gottéron, des einstigen Klubs ihres Vaters Peter Brand. Er gehörte zu den legendären «Copains», die mit Gotté­ron von der 1. Liga bis in die NLA aufstiegen. Später war er Nachwuchstrainer beim HC Wisle in Worb. «Schon als kleines Mädchen habe ich ihn jeweils begleitet. Ich stand an der Bande, war so etwas wie ein Maskottchen», erzählt Tina Brand.

Bald wollte sie selbst mitspielen. Und fand sofort Gefallen daran. Was ihr am Eishockey am meisten gefällt? Die Verteidigerin braucht nicht lange zu überlegen. «Der Körperkontakt.» Auch wenn sie in ihrem Team jeweils die Kleinste und Leichteste ist, fürchtet sie sich nicht vor den Gegenspielern. Vor den jungen Männern, die «zum Teil bereits ziemliche Kästen sind», wie ihr Vater sagt. «Dafür bin ich schnell», fügt Tina Brand mit einem verschmitzten Lächeln an. Es störe sie, wenn Gegenspieler sie schonen würden, nur weil sie ein Mädchen sei. «Das ist nicht nötig.»

Die Brüder spielen ebenfalls

«Tina ist immer da, hat noch in keinem Training gefehlt», erklärte Trainer Daniel Rutschi vor ein paar Monaten im SCB-Magazin «Spirit». Mit ihrem Engagement hat sich Tina Brand viel Respekt erarbeitet, sowohl bei Gegnern wie auch im eigenen Team. Ihre Mitspieler und Trainer waren es denn auch, die sie zum Team­captain gewählt haben.

Zu den Mitspielern zählten letzte Saison auch ihre Brüder Marco und Sandro. Die Zwillinge sind zwei Jahre jünger und spielen auch diese Saison wieder bei den Mini-A-Novizen des SC Bern. Tina Brand hingegen hat in die nächsthöhere Altersklasse gewechselt, spielt nun bei den Novizen des HC Dragon Thun. Zudem ist sie Mitglied des NLB-Frauenteams Zunzgen-Sissach.

Wobei: Gespielt hat Tina Brand diese Saison noch kaum. In einem Vorbereitungsspiel brach sie sich das linke Schlüsselbein, pausierte vier Wochen, ging wieder aufs Eis – und das Schlüsselbein brach erneut. Weil es nicht wie gewünscht zusammenwächst, muss es nun eventuell noch operiert werden.

Der Traum von Olympia

Im Moment besucht Tina Brand die 9. Klasse in Boll. Sie profitiert vom Talentförderunterricht, ohne den ihr Trainingsaufwand kaum bewältigbar wäre. Praktisch jeden Tag packt sie ihre Hockeytasche und fährt mit dem Zug ins Training, dazu kommen jedes Wochenende ein bis zwei Spiele.

Den Sport zum Beruf machen wird Tina Brand aber kaum können. Jedenfalls nicht in der Schweiz; Profis gibt es im hiesigen Frauenhockey keine. Stattdessen möchte sie ab Sommer das Sport-KV absolvieren. Diese Lehre würde zwar ein Jahr länger dauern, dafür hätte die junge Frau einige Stunden pro Woche frei fürs Training.

Ziele hat Tina Brand im Eishockey noch viele. «Ich möchte möglichst lange bei den Giele mitspielen», sagt sie. Wenn das wegen der körperlichen Nachteile nicht mehr möglich ist, strebt sie einen Wechsel zu einem NLA-Frauenteam an. Und später einmal mit dem Frauennationalteam an Olympischen Spielen zu spielen, «das wäre für mich das Grösste».

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