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Die BLS soll die SBB zu besseren Angeboten anspornen

Wirtschaftsredaktor Julian Witschi zum Streit um den Bahnfernverkehr.

Die SBB wehren sich vehement für ihr Monopol im Fernverkehr und gegen die Rückkehr der BLS in das ­gewinnträchtige Geschäft. Kurz vor der Vergabe der neuen Konzessionen durch das Bundesamt für Verkehr (BAV) wirft SBB-VR-Präsidentin Monika Ribar der Behörde ein übles Foul vor. Der gestrigen NZZ sagte sie, der Wettbewerb sei nicht politisch gewollt, sondern vom BAV durch die Hintertür herbeigeführt.

Allerdings: Die Spielregeln lauten nicht, dass die SBB Monopolistin bleiben. Jedes Unternehmen kann bei der Erneuerung der Konzessionen ein Gesuch für den Betrieb von Linien einreichen. Bis ins Jahr 2004 war die BLS bereits im Fernverkehr unterwegs. Dann tauschten die Berner ihre Fernstrecken gegen die SBB-Linien der S-Bahn Bern ein.

Der Bundesrat sprach sich aber schon damals für das Modell «SBB plus X» aus: Dieses sieht mehrere Bahnen vor. Und die Dauer der Konzessionen im Fernverkehr wurde auf zehn Jahre begrenzt, danach werden sie neu vergeben. Die SBB sind als bisherige Betreiberin der Linien im Vorteil, dürfen daraus aber keinen Exklusivanspruch ableiten.

Mit fünf Linien beantragt die BLS einen kleinen Teil des Fernverkehrs. Das BAV will gemäss seinem Vorschlag gar nur Bern–Biel und Bern–Burgdorf–Olten der BLS zuteilen.

Es ist verständlich, dass sich die Berner mit diesen zwei Linien, die kaum Gewinn abwerfen, nicht abspeisen lassen. Sie wollen den SBB vielmehr auch die lukrativen Linien von Basel nach Brig und Interlaken abjagen und die defizitäre Strecke Bern–Neuenburg behalten.

Das ist kein Trötzeln oder blosses Rosinenpicken. Sondern die BLS pocht auf ein ausgewogenes Paket mit Linien rund um Bern und entlang der Lötschbergachse. Sie kann sich damit weiter entwickeln und die SBB zu noch besseren Angeboten anspornen. Es ist auch verständlich, dass die BLS eine Übergangszeit fordert, um die benötigten Züge kaufen zu können.

Die Passagiere können profitieren. So hat die BLS in ihren Fernverkehrszügen WLAN angekündigt. Plötzlich soll es nun endlich auch bei den SBB so weit sein, nachdem sie hier lange laviert haben. Ein anderes Plus der BLS wären Reisebegleiter in allen Regioexpress-Zügen. Es geht um einen Wettbewerb der Dienstleistungen. Kritiker wenden ein, Wettbewerb bei den Billettpreisen sei unmöglich, weil ein nationaler Tarifverbund bestehe.

Allerdings bekräftigt SBB-VR-Präsidentin Ribar frühere Pläne, wonach eine Fahrt von A nach B künftig nicht mehr immer gleich viel kosten soll: Es laufe auf individualisierte Preise je nach Nachfrage und Komfort hinaus. Einen solchen Wettbewerb sollten sich die SBB auch gleich mit anderen Bahnen liefern müssen. Allfälligem Lohndruck für die Angestellten setzen Gesamtarbeitsverträge Grenzen.

Die SBB warnen vor höheren Kosten, wenn der Fernverkehr nicht mehr aus einer Hand komme. VR-Präsidentin Ribar sieht Doppelspurigkeiten von Werkstätten bis zu Personalreserven. Allerdings ist heute schon nicht alles aus einer Hand.

Ins Berner Oberland und ins Wallis fahren SBB-Züge auf BLS-Gleisen, halten an BLS-Bahnhöfen, werden von der BLS-Leitstelle geführt und notfalls vom BLS-Rettungszug abgeschleppt. Zudem wollen die SBB künftig über die Gotthard-Bergstrecke und von Chur nach Bern auch nicht mehr selber fahren, sondern die Südostbahn damit beauftragen.

Tatsächlich kämpfen die SBB vor allem darum, die Gewinne im Fernverkehr zu sichern. Im letzten Jahr betrug der Überschuss rund 170 Millionen Franken. Zu einem gewinnorientierten Geschäft gehört aber auch ein Wettbewerb, zumindest bei der Konzessionsvergabe alle zehn Jahre. Kürzlich zum besten Bahnunternehmen Europas gekürt, sollten die SBB die Konkurrenz nicht scheuen.

julian.witschi@bernerzeitung.ch

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