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Der Todesfall muss wachrütteln

Das verstorbene drogenabhängige Schlägereiopfer ist der traurige Höhepunkt einer Krise. Derweil die Schuldfrage an den Zuständen bei der Berner Reitschule hin und her geschoben wird, wittern die Reitschule-Gegner Morgenluft.

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Unter der Eisenbahnbrücke bei der Berner Reitschule fügten Schläger, wahrscheinlich Dealer, einem Drogenabhängigen tödliche Verletzungen zu. Dies ruft Kritiker auf den Plan: «Im Umfeld der Berner Reitschule haben sich offenbar gewisse Elemente eine eigene Welt geschaffen, wo Regeln und Gesetze keine Gültigkeit haben, dafür das Faustrecht, das Recht des Stärkeren», schreibt Philippe Müller, Co-Fraktionschef der FDP, in einer gestern versandten Mitteilung. Mit mehr Polizeipräsenz «wäre das 36-jährige Opfer noch am Leben», so Müller. Doch die rot-grüne Regierung handle nicht. Die SVP lanciert morgen eine Initiative, welche die Schliessung der Reitschule erzwingen will.

Zuwarten nützt Initianten

«Je länger der Gemeinderat und die Reitschule zuwarten, desto mehr Chancen hat dieses Volksbegehren», sagt GFL-Stadtrat Ueli Stückelberger. Der Todesfall müsse wachrütteln. Der Vorstoss von Parteikollege Erik Mozsa zeige die Richtung auf: klare Regeln für die Reitschule, deren Befolgung dank der Androhung von Sanktionen eingefordert werden kann.

Für Mozsa hat die Gewalt an diesem Ort ein «intolerables Mass» erreicht. «Jetzt müssen griffige Sicherheitsmassnahmen an die Hand genommen werden.»

Wirkungslose Patrouillen?

Auch die Reitschule sieht ein, dass etwas gehen muss. Die von der Reitschule initiierte Vorplatz-Bar habe zumindest unmittelbar vor der Reitschule für Entlastung gesorgt. Doch die verstärkte Präsenz der Polizei, von Pinto- und bis vor kurzem von Securitas-Patrouillen hätten wenig gebracht. Sie änderten nichts daran, dass unter der Eisenbahnbrücke gefixt und gedealt werde. Die offene Drogenszene sei leider eine Tatsache. Schuld daran trage aber nicht die Reitschule, sondern die städtische Drogenpolitik. Abhilfe schaffe nur eine zweite Anlaufstelle für Drogenabhängige und ein 24-Stunden-Betrieb.

Schwarz-Peter-Spiel

Laut Regula Müller, Leiterin der Koordinationsstelle Sucht, tut die Stadt ihr Bestes, um einen geeigneten Standort zu finden und die Finanzierung zu sichern. Rund um die Uhr würden die Anlaufstellen aber auch dann nicht geführt. Von der Dezentralisierung verspricht sie sich einiges: «Zürich und Basel machen gute Erfahrungen damit.»

Im Widerspruch zu den Reitschülern findet sie, die zusätzlichen Patrouillen von Sicherheitspersonal seien «vorübergehend» wirkungsvoll gewesen. Dass dies nicht mehr so ist, schreibt sie teilweise der Reitschule zu: «Seit auf dem Vorplatz eine Bar betrieben wird, werden die Patrouillen vermehrt angepöbelt», klagt sie. Sie könnten deshalb ihren Auftrag nicht zufriedenstellend erfüllen. Wenn die Betreiber der Reitschule die städtische Drogenpolitik und insbesondere die Lage der bestehenden Anlaufstelle an der benachbarten Hodlerstrasse für die Malaise verantwortlich machten, sei dies zu kurz geschlossen. «Das alternative Kulturzentrum Reitschule hat seit seiner Gründung 1987 Probleme mit Drogen vor dem Haus», stellt sie fest. Einander den schwarzen Peter zuzuschieben bringe niemandem etwas. Zusätzliche Polizeipräsenz könnte gemäss Regula Müller eine gewisse Entlastung bringen. Eine Schliessung der Reitschule, wie sie die SVP anpeilt, löse hingegen das Problem der Drogenszene nicht – oder wenn, dann nur lokal begrenzt an diesem Ort.

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