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Der Sprayer zeigt späte Reue

Vor zwei Jahren zogen vier Jugendliche, ausgerüstet mit Spraydosen, quer durch Schüpfen. Einer von ihnen musste sich am Dienstag vor dem Regionalgericht für seine Taten verantworten.

Garagentore, Glastüren, Schaufenster, Kirchenmauern, überall hinterliessen die vier Sprayer in jener Nacht in Schüpfen ihre Spuren.
Garagentore, Glastüren, Schaufenster, Kirchenmauern, überall hinterliessen die vier Sprayer in jener Nacht in Schüpfen ihre Spuren.
iStock/Symbolbild

Der letzte Zug bringt sie nach Schüpfen: vier junge Erwachsene, zwischen 17 und 24 Jahre alt, im Rucksack mehrere Flaschen Bier und ein paar Spraydosen. Bereits am Bahnhof packen sie die Farben aus und beginnen mit dem Streifzug quer durch das Dorf. Garagentore, Glastüren, Schaufenster, Kirchenmauern, überall hinterliessen die vier in jener Nacht ihre Spuren. Zwei Wochen später werden sie von der Polizei geschnappt.

Kein halbes Jahr später, dieses Mal in Bern: Einer der Sprayer aus Schüpfen macht sich, nachdem er in der Reitschule gefeiert hat, auf den Nachhauseweg. Mit dabei sein Mitbewohner – und ein paar Spraydosen. Das Szenario wiederholt sich, Brückenköpfe und Brunnen werden markiert, irgendwann werden die beiden von der Polizei geschnappt.

Die schwere Kindheit

Am Dienstag verantwortete sich der Doppeltäter vor dem Gericht in Biel. Zusätzlich zur Last gelegt wurde dem heute 23-Jährigen eine Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz: Zwei Jahre lang soll er eine unbestimmte Menge an Marihuana und Amphetaminen konsumiert haben – wobei Letztere, so beteuerte er, lediglich zur Selbstmedikation seiner ADHS-Erkrankung gedient hätten.

Während des Verfahrens zeigte sich der Angeklagte kooperativ. Bereitwillig beantwortete er die Fragen von Gerichtspräsident Nicolas Wuillemin, betrachtete mit stiller Geduld ein Beweisfoto nach dem anderen und gab Auskunft darüber, welcher Schriftzug von ihm stamme und welcher von seinen Mittätern. Und immer wieder betonte er, wie leid es ihm tue.

Die Wahl der vier sei nicht zufällig auf Schüpfen gefallen: Mit der Ortschaft verbindet der Angeklagte viele negative Erinnerungen. Als Kind besuchte er die dortige Oberstufe, fühlte sich jedoch stets unwohl und wurde schliesslich von der Schule geworfen. Wäre dies nicht passiert, so seine Überzeugung, wäre sein Leben anders verlaufen.

Leicht habe es ihr Mandant noch nie gehabt, sagte auch Anwältin Michelle Uetz. Der Vater ist früh gestorben, das Verhältnis zur Mutter immer noch schwierig. Doch, und das sei entscheidend: In den letzten Jahren habe sich viel zum Positiven gewendet.

Der Sinneswandel

Der stämmige Mann mit lichtem Haar und dichtem Bart erzählte, etwa davon, dass er vor einem Jahr aus einer WG ausgezogen ist und jetzt begleitetes Wohnen nutzt. Er berichtete von der Lehrstelle, die er sich wünscht. Und er schilderte, wie er unter der Woche einer Arbeit nachgeht, die ihm das Stadtberner Kompetenzzentrum für Arbeit vermittelt hat. Lohn bekommt er dafür zwar nicht, dafür aber einen geregelten Tagesablauf.

Der Sinneswandel des Angeklagten sei glaubhaft, fand auch Gerichtspräsident Wuillemin. Der junge Mann habe sich selber Hilfe eines Psychologen gesucht, mache regelmässig freiwillige Drogentests und bemühe sich aktiv um den Wiedereinstieg ins Berufsleben. Dennoch handle es sich um ein schweres Vergehen, das es zu berücksichtigen gelte. Zulasten gelegt werde ihm ein Sachschaden von rund 48000 Franken.

Verurteilt wurde der ehemalige Sprayer schliesslich zu einer bedingten Geldstrafe von rund 4500 Franken, zudem muss er 164 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Daran, dass der Angeklagte rückfällig werde, glaubt Wuillemin zwar nicht. Dennoch wünsche er ihm für die Zukunft alles Gute.

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