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Der spinnt!

Jetzt spinnt er, werden Sie nach dem Verzehr dieser Kolumne sagen. Gut so.

Tourismusdirektoren dürfen, sollen, ja müssen spinnen. Nicht immer. Aber ab und zu schon. Wenn sies nicht tun, sollte man sie abwählen. Deshalb: Lasst die Tourismusdirektoren spinnen, dann kommts gut.

Ich stehe auf der Terrasse des Parlamentsgebäudes und überlege, wie man dem Bundesplatz während der kalten Winterzeit zwischen Mitte November und Mitte Februar mehr Wärme einhauchen und diesen vor allem besser bespielen könnte.

Ich spinne genüsslich vor mich hin:

Plötzlich entgleitet mir ein kräftiges «Heureka!». Ich fliege die ehrwürdigen Treppen des Parlamentsgebäudes hinunter, vorbei an den drei Eidgenossen und am bronzenen Berner Bären, verlasse das «Auer»-Gebäude und eile, «Heureka!» rufend, durch die Stadt zu meinem Büro an der Amthausgasse. Hier sitze ich nun vor einem weissen Blatt Papier und beginne, meine Gedanken in Worte zu fassen.

Die Lösung: Bern braucht ein Winterwunderland auf der Achse Bundesplatz–Bärenplatz–Waisenhausplatz. Die Eisbahn wird zur Mitte des Bundesplatzes verschoben und ist doppelt so gross wie bisher. Im Zentrum der Eisbahn steht der Weihnachtsbaum, der grösste und schönste, den die Welt je gesehen hat. Rundherum Marktstände, so weit das Auge reicht.

Das Lichtspiel «Rendezvous Bundesplatz» bespielt nicht nur die Fassade des Parlamentsgebäudes, sondern neu auch die Schauseiten der drei Bundesplatzbanken. Das Zeitalter der quadrofonen Inszenierung unseres Vorzeigeplatzes hat begonnen. Sagenhaft!

Das Winterwunderland bringt zusammen, was zusammengehört. Drei Plätze verschmelzen zu einem. Sie werden flächendeckend inszeniert und mutieren zu einem Märchendorf, zu einer veritablen Begegnungszone. Sowohl die Restaurants entlang des Platz-Triptychons wie auch die Berner Gassen bieten Winterwunderland-Specials an, ebenso die Stadtberner Hotellerie. Die Gäste kommen in Scharen aus nah und fern und tragen dieses Berner Winterwunder in alle Welt. Sie füllen die Geschäfte, die Restaurants, die Marktstände und die Beherbergungsbetriebe.

Sämtliche Wochenenden sind dank des Winterwunderlandes ausgebucht.Für unsere Hotels wird der Winter zur Hochsaison. Das Berner Oberland beklagt sich, und der Weihnachtsmann überlegt, seinen Sitz nach Bern zu verlegen.

Das Ambiente und das emsige Treiben zwischen Meret Oppenheim und Hans Wilhelm Auer sind stimmungsvoll, schon fast pathetisch. Die drei Eidgenossen im Parlamentsgebäude – Werni, Walti und Noldi – haben ihre helle Freude daran und geniessen die Aussicht auf das Winterwunderland. Helvetia, voller Glücksgefühle, möchte am liebsten runtersteigen von der Bundeshausfassade und Pirouetten drehen auf dem Eis rund um den Tannenbaum.

Ich blicke von meinem nun nicht mehr weissen Blatt auf. Wie hat Jeremias Gotthelf einmal geschrieben: «Wie oft verglimmen die gewaltigsten Kräfte, weil kein Wind sie anbläst.» Sinngemäss auf unser Thema übertragen, müsste es dann heissen: «Spinnen wir so oft als möglich – immer wieder. Und lassen wir unsere Spinnereien wahr werden.»

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