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Der Schulhausabwart, das bedarfsorientierte Wesen

In den städtischen Schulhäusern soll künftig mehr während des Schulbetriebs geputzt und dafür weniger in die periodische Grundreinigung investiert werden. Die Umstellung hat bisher bloss in Einzelfällen zu Konflikten geführt.

Das Wesen des Schulhaus­abwarts hat sich stark geändert.
Das Wesen des Schulhaus­abwarts hat sich stark geändert.
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Seit 1835 ist im Kanton Bern die Schule für alle Kinder obligatorisch. Wie manche Fensterscheibe in den 182 Jahren beim Ballspiel zu Bruch gegangen sein dürfte, wie manches schöne Lied erklungen, wie manche Rechenformel erlernt, die Hans später nimmermehr gelernt hätte? Und, ja, auch: Wie manches schöne Sprichwort überliefert?

So, wie sich in dieser Zeit die pädagogischen Konzepte wandelten, so veränderte sich auch das Wesen des Schulhaus­abwarts. War dieser einst ein wandelnder Repressionsapparat, so ist eine moderne Abwartin, ein moderner Abwart längst ein Teil eines auf vertrauensvolle Beziehungen angelegten Systems, in dem Betroffene – wie auch sonst in der Hauptstadt der Partizipation – zu Beteiligten werden.

Aktuell stehen die Schulhausabwartschaften in einem ganz konkreten Wandlungsprozess. Immobilien Stadt Bern (ISB) will, dass künftig weniger in die Grundreinigung während der Schulferien investiert wird. Stattdessen soll stärker auf die sogenannte Unterhaltsreinigung gesetzt werden. Laut ISB soll sich dies werterhaltend auf die Liegenschaften auswirken, weil etwa Fussleisten oder Heizkörper öfter geputzt und dabei allfällige Defekte zu einem Zeitpunkt erkannt würden, zu dem etwas geflickt werden kann und nicht ersetzt werden muss.

Im Zentrum allen Putzens steht die «Be­darfsorientierung», künftig mehr noch als bis anhin schon. Salopp gesagt, soll dem Abwart bewusst sein, dass es bei Matsch mehr zu tun gibt als wenns trocken ist. Eine Erkenntnis, die umso fundierter wirkt, als sie während 182 Jahren reifen konnte.

In der ersten Schulanlage, die auf das neue Schuljahr «umgestellt» wurde – alle weiteren sollen sukzessive folgen –, führte das neue Putzregime zu einer Erhöhung der wöchentlichen Unterhaltsreinigung von 90 auf 120 Stunden. Angesichts der hohen Belegungsdichte in Schulhäusern sei es deshalb in vereinzelten Fällen schwierig für die Reinigungskräfte, ein Zeitfenster für die Putzarbeit zu finden. Bereits kursieren denn auch Geschichten von Staubsaugerlärm und anderen Immissionen, die den Schulbetrieb beeinträchtigen. «Unterrichtszeiten haben immer Priorität», beschwichtigt ISB. «Abgesehen von bisher lösbaren Einzelfällen» seien dem Amt keine «erheblichen Konflikte» bekannt. Als nach einigem Hin und Her klar wird, dass der neue Reinigungsplan bisher erst in einem Schulhaus umgesetzt wird, erscheinen die doppelt bemühten «Einzelfälle» doch in einem neuen Licht.

Im neuen Regime werden laut ISB bloss Stunden umgeschichtet. es entstünden keine Mehrkosten. Was uns, Hänschen, zu den Hausaufgaben führt: Wie viele Stunden putzte ein Abwart bisher während der Ferien, wenn er neu 30 Stunden pro Woche mehr putzt?

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