Der neue Elektrobus – umweltschonend, aber teuer

Bern/ Köniz

Bernmobil testet fünf neue Elektrobusse auf der Linie 17 nach Köniz. Die Stadt Bern will künftig möglichst viele Busse umweltschonend betreiben. Dies hätte jedoch seinen Preis.

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Michael Bucher@MichuBucher

«Sauberer als Meister Proper» oder «Leiser als Stiller Has»: Die Slogans auf den neuen Elektrobussen von Bernmobil kommen peppig daher. Sie passten zur munteren Aufbruchstimmung unter den Gastgebern der Medienkonferenz am Donnerstag im Gastrolokal der Vidmarhallen. Dort feierten die Städte Bern und Köniz zusammen mit Bernmobil ihr neustes Prestigeobjekt. Ab Ja­nuar werden auf der Linie 17 zwischen Bern und Köniz während vier Jahren testweise batteriebetriebene Gelenkbusse verkehren (siehe Kasten).

Ein «Meilenstein für ein umweltfreundliches ÖV-Angebot» nannte Bernmobil-Direktor René Schmied das Pilotprojekt. Für ihn und sein Unternehmen ist klar, wohin die Reise führen sollte: «Der vierjährige Testbetrieb auf der Linie 17 ist der erste Schritt», sagte er. In naher Zukunft sollen weitere Buslinien auf Batteriebetrieb umstellen. Langfristig strebe Bernmobil einen CO2-neutralen Betrieb an.

Freudestrahlend gab auch die Stadtberner Verkehrsdirektorin Ursula Wyss den geladenen Gästen aus Politik und Medien Auskunft. Sie verwies in ihrer Rede auf den aktuellen Zeitgeist: «Immer mehr europäische Städte stellen in den nächsten Jahren ihre Busnetze auf E-Betrieb um.» Der Test mit den Elektrobussen leiste auch dem gemeinderätlichen Ziel Vorschub, bis 2025 den CO2 um ein Drittel zu reduzieren.

«Immer mehreuropäische Städte stellen in den nächsten Jahren ihre Busnetze auf E-Betrieb um.»Ursula Wyss Verkehrsdirektorin Stadt Bern

Bernmobil unter Zeitdruck

Um 500 Tonnen senken die fünf Elektrobusse den jährlichen CO2, wie Bernmobil festhält. «Sparsamer als Dagobert Duck» lautet denn auch ein weiterer Slogan der Kampagne. Bezüglich Energie mag dies zutreffen, aufs Portemonnaie bezogen entpuppt sich der Spruch jedoch als unglücklich – zumal Dagobert Duck als ausserordentlich knausrig gilt. Denn Elektrobusse sind kostspielig. Während ein Dieselbus bei der Anschaffung rund eine halbe Million Franken kostet, schlägt ein Elektrobus gleich doppelt so hoch zu Buche, wie René Schmied sagt. Die Hybridvariante (Elektro- und Dieselmotor) wiederum ist lediglich 15 Prozent teurer als ein rein dieselbetriebenes Fahrzeug.

Die hohen Kosten bei einer ökologischen Umrüstung der Busflotte könnten zu einer Knacknuss werden. Dessen ist sich auch Schmied bewusst. Nicht einfacher macht es der Zeitdruck, unter dem sein Unternehmen steht. 2021 muss Bernmobil 30 Busse ersetzen. Das Ziel wäre, je zur Hälfte Elektro- und Hybridbusse anzuschaffen.

Die Ausschreibung dazu soll bereits in rund einem Jahr geschehen. «Bis dahin müssen wir die Finanzierung regeln», meint der Bernmobil-Direktor. Dafür sind er und die Stadt Bern auf den Kanton angewiesen. Denn dieser müsste die grüne Wende im städtischen ÖV mittragen. Bei der Anschaffung neuer Busse geht der Kanton von einem Grundpreis aus, der sich an der günstigsten Dieselvariante von einer halben Million Franken orientiert. Auch bis zu rund 20 Prozent darüber hinaus ist der Kanton gewillt zu zahlen. Dadurch waren auch die Kosten für Hybridbusse bislang gedeckt, wie Schmied festhält.

Neuhaus’ Mahnfinger

Anders sähe es bei den umweltschonenden, aber teuren Elek­trobussen aus. Hier ist die Finanzierung von rund 400'000 Franken pro Fahrzeug noch offen. Die Diskussion mit dem Kanton um diese Finanzierungslücke sei im Gange, heisst es bei Bernmobil und der Stadt Bern. Auch in seiner Rede appellierte Schmied an Politik und Behörden, wenn er sagte: «Wir brauchen die Unterstützung der öffentlichen Hand und namentlich eine Übernahme der in der Anfangsphase anfallenden Mehrkosten.»

Der Verantwortliche beim Kanton war beim Anlass auch zugegen. Verkehrsdirektor und Regierungspräsident Christoph Neuhaus (SVP) lobte den Pioniercharakter des Projekts, an das seine Direktion 1,4 Millionen Franken beisteuerte. Wie erwartet war es auch er, der ein wenig auf die Euphoriebremse trat. Insbesondere bei der Frage nach den Stromquellen. Die Frage nach der Abhängigkeit von Importstrom und wie sauber dieser sei, würden immer drängender.

Ob auch beim bürgerlichen Kanton der politische Wille vorhanden sei, einen höheren Beitrag an eine «grünere» Stadtberner Busflotte zu entrichten, dazu wollte der SVP-Regierungsrat noch nicht allzu konkret werden. Man wolle erst mal die Resultate aus dem Pilotbetrieb abwarten, danach entscheide sich, welche Busse künftig am besten geeignet seien.

Richtungsentscheid erwartet

Vier Jahre will und kann René Schmied nicht warten. «Die nächsten Busse, die wir im Jahr 2021 kaufen, werden bis 2035 im Einsatz stehen. Wenn wir also 2021 den Absprung in Richtung Elektromobilität verpassen, dann haben wir ihn für einen Teil unserer Busflotte für 15 Jahre verpasst», so der Bernmobil-Direktor. «Das wäre schade.»

«Wenn wir 2021 den Absprungin Richtung ­Elektromobilität verpassen, dann haben wir ihn für einen Teil unserer Busflotte für 15 Jahre verpasst.»René Schmied Bernmobil-Direktor

Gleich sieht es Ursula Wyss. «Es wäre falsch, weiterhin auf Dieselbusse zu setzen, nur weil es günstiger ist», meint die Stadtberner Verkehrsdirektorin. Auch wenn sie es nicht offen sagt, so merkt man, dass die SP-Gemeinderätin etwas damit hadert, dass im Kanton Bern noch kein politischer Grundsatzeintscheid gefallen ist. Ganz im Gegensatz zur Stadt Zürich etwa, wo bis 2030 der Busverkehr weitestgehend elektrisch betrieben werden soll. Für die Realisierung solcher Pläne müsste Wyss darauf hoffen, dass in der Kantonsregierung kein knausriger Dagobert Duck das Sagen hat.

Berner Zeitung

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