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Der letzte Tannenbaum

Während Jahrzehnten verkaufte Alex Ruf mit seiner Schwester und dem Schwager Weihnachtsbäume. Der Anlass entwickelte sich in Toffen zu einem Fest. Dieses Jahr findet es erstmals nicht mehr statt.

«Das sind alle», sagt Alex Ruf. Früher verkaufte er vor Weihnachten Hunderte Bäume weiter.
«Das sind alle», sagt Alex Ruf. Früher verkaufte er vor Weihnachten Hunderte Bäume weiter.
Christian Pfander

Alex Ruf öffnet das Tor zum Schopf hinter dem Haus. Da stehen sie, wie jedes Jahr in Netze verpackt. Kleine buschige Nordmanntannen. Sie finden alle Platz in einer Ecke des Raums. «Das sind schon alle», sagt Ruf. Sechs Stück. Dabei gab es Zeiten, da verkaufte Alex Ruf zusammen mit seiner Schwester und dem Schwager, Madeleine und Alois Zurbach, hundertmal mehr Bäume. Dieses Jahr hat er nur noch für einige wenige Personen einen Baum besorgt.

Ruf, 73 Jahre, sitzt in der warmen Stube seines Hauses in Toffen. Hier ist alles auf Weihnachten eingestellt. Nicht nur die Orangen in der Fruchtschale, sogar die Lehnen der Stühle rund um den Esstisch tragen Samichlaus-Mützen. «Meine Frau ist Fan», sagt Ruf und lacht. Weihnachten ist aber auch für ihn wichtig.

Es begann im Emmental

Es ist ein Freitag vor Weihnachten. In den letzten Jahren war dieser Tag stets für den Tannenbaumverkauf reserviert. Eine Tradition, die vor fast 65 Jahren mit Rufs Eltern begann, Alex und Getrud Ruf. «Er war Lastwägeler», erzählt Ruf. Auf seinen Touren durchs Emmental kaufte er mal bei diesem Bauern, mal bei jenem Bauern ein paar Bäume, nahm sie heim ins Gürbetal und verkaufte sie weiter. Später bezog er die Bäume dann ausschliesslich bei der Familie Luder in Kirchberg.

Vor etwa 30 Jahren übernahm dann Alex Ruf zusammen mit Zurbachs den Verkauf. Der wurde immer mehr zu einem Fest fürs Dorf und für Auswärtige. Mit Züpfe und Hamme, mit Wein und Bier, mit Freunden und Bekannten. Mit Chervet, dem Boxer, mit Howald und den Künzis, den SCB-Spielern von einst.

Arbeit und Erinnerungen

Alex Ruf hat viele schöne Erinnerungen an den Verkauf der Weihnachtsbäume, der schon im September mit dem Anzeichnen der Bäume begann. Jeden einzelnen Baum hätten sie selbst ausgewählt. «Wir wussten ja, was unsere Kunden wollen», sagt er. Eine Woche vor dem Verkauf wurden die Bäume geschnitten. Gute Qualität war ihnen wichtig, einen Baum aus Dänemark oder Schweden wäre nie über ihren Tisch gegangen. Manche Tannen seien bis weit in den Januar frisch geblieben. «Nie ist ein Baum zurückgekommen.»

Eigentlich planten Rufs und Zurbachs, in diesem Dezember noch einen letzten Verkauf durchzuführen. «Wir sind langsam zu alt dafür», sagt Alex Ruf, und die Arbeit sei doch anstrengend. Doch es kam anders. In einem Inserat im Anzeiger und in der «Toffe-Zytig» erklärten sie den Grund: «Leider haben uns in diesem Jahr Hagel und Trockenheit einen Strich durch die Rechnung gemacht.»

Produzent Hanspeter Luder bestätigt, dass Hagel eines seiner Tannenbaumfelder beschädigt hat – jenes, in dem Kunden wie Alex Ruf ihre Bäume selber auswählen können. «Diese Bäume sehen wirklich nicht so schön aus», sagt Luder.

Seine anderen Felder aber hätten den Sommer gut überstanden. Statt 7000 Bäume wie in normalen Jahren könne er dieses Jahr nur 6000 eigene Bäume verkaufen. 1000 Bäume kaufe er von Kollegen hinzu für den Wiederverkauf.

Alles hat ein Ende

Zwar hätten auch Rufs und Zurbachs noch Bäume aus Kirchberg erhalten. «Doch es wäre nicht mehr das Gleiche gewesen», sagt Ruf. Also entschieden sie sich, sofort mit dem «Tanneböimle» aufzuhören. Und deshalb bleibt die Stube am Samstag leer, keine Gäste, keine Tannenbäume, kein Wein.

«Alles hat ein Ende, so ist das eben», sagt Alex Ruf. Ihn treffe es weniger als seine Schwester. Sie ist in diesen Tagen gleich in die Ferien verreist.

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