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Der Hosechnopf ist bald geschlossen

Die Kinderkleiderbörse in Schwarzenburg Hosechnopf schliesst auf Ende September. Vreni Raclé, die das Geschäft seit 1986 allein führte, hat keine Nachfolgerin gefunden.

Vreni Raclé vor dem Eingang zur Kinderkleiderbörse, die sie jahrzehntelang geführt hat. Foto:
Vreni Raclé vor dem Eingang zur Kinderkleiderbörse, die sie jahrzehntelang geführt hat. Foto:
Nicole Philipp

Die bunten Kinderkleider, die nachmittags an der Fassade des alten Hauses an der Bahnhofstrasse 12 hängen, sind nicht zu übersehen. Sie zeigen: Der «Ho­se­chnopf» ist offen. Geschäftsinhaberin Vreni Raclé steht auf dem Treppenaufgang, grüsst Vorübergehende. Man kennt sie, führt sie doch seit mehr als drei Jahrzehnten den Hosechnopf, Schwar­zenburgs einzige Kinderkleiderbörse.

Drinnen hängen Hunderte farbiger T-Shirts, Jacken, Röckchen, Pullis und Hosen an Stangen oder stapeln sich in Gestellen: Es ist Neues, aber vor allem Gebrauchtes für Kinder von null bis zwölf Jahren. Mit den neuen Sachen macht Vreni Raclé Ausverkauf, aber in den Gestellen stapelt sich noch viel. «Was ich bis Ende September nicht verkaufe, geht zurück», sagt sie, die genau notiert, wer ihr was gebracht hat und zu welchem Preis es verkauft werden soll.

«Geht ein Kleidungsstück weg, kriegen die Kunden die Hälfte des Verkaufspreises, von Büchern und Spielsachen 60 Prozent.» Reich sei sie mit dieser Preispolitik nicht geworden, sagt die Geschäftsinhaberin. Aber ihr Ziel, wenigstens die Unkosten bezahlen zu können, habe sie immer erreicht: Miete, Gas für das Öfeli, Versicherungen, Strom.

Wertvolle Begegnungen

Sie habe das Geschäft aus Freude geführt, betont Heidi Raclé, die verheiratet, Mutter und Grossmutter ist. «Für mich ist nie viel Geld übrig geblieben. Aber ich hatte in den 32 Jahren, in denen ich den Hosechnopf führte, viele wertvolle Begegnungen», sagt die frischgebackene AHV-Rentnerin.

Die Kundinnen – Männer kamen selten – hätten ihr manches anvertraut, von Schönem und Traurigem erzählt, von Sorgen und Erfreulichem. Dauerhafte Freundschaften haben sich in der langen Zeit ergeben, aber jetzt will Vreni Raclé neue Prioritäten setzen. Reisen? Nein. Sie und ihr Mann sind noch nie in einem Flugzeug gesessen und haben das Meer noch nie gesehen. «Aber z Berg gehen wir oft und gern», sagt sie.

Keine Nachfolge

Zum Wandern, für den grossen Garten und für Sport wird Vreni Raclé ab Herbst Zeit haben. Darauf freut sie sich, obschon sie bedauert, für den Hosechnopf keine Nachfolge gefunden zu haben. «Es gab ernsthafte Interessentinnen, aber weil der Zeitaufwand für das Geschäft gross und der Verdienst klein ist, haben sich alle zurückgezogen.»

«Ich nahm nur schöne Sachen, die ich oft an den Wochenenden ­sortiert habe.»

Vor allem die Annahme der gebrauchten Kleider sei arbeitsintensiv, sagt Raclé. «Ich nahm nur schöne Sachen, die ich oft an den Wochenenden sortiert und mit Preisschildchen versehen habe, weil dafür während der Geschäftszeiten keine Zeit blieb.» Die Hoffnung, dass noch irgendjemand kurzfristig ins Geschäft einsteigt, hat sie noch nicht ganz aufgegeben. «Vielleicht meldet sich ja noch jemand.»

Sonst werden ab Ende September keine farbigen Kinderkleider mehr die Fassade des Hauses an der Bahnhofstrasse 12 verzieren. «Schade», findet Vreni Racle.

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