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Der Hofladen kommt in die Stadt

Ein Hauslieferdienst bringt das Gemüse bis vor die Haustür. Das Bioabi ist in Bern so beliebt, dass dem Verein die Bauern ausgingen. In Noflen wurde man nun fündig.

Nur Bio kommt in die Tüte: Christina Grünewald erfand das Bioabi, das Gemüse liefert Bernhard Hänni.
Nur Bio kommt in die Tüte: Christina Grünewald erfand das Bioabi, das Gemüse liefert Bernhard Hänni.
Iris Andermatt

Das Abpacken dauerte eineinhalb Stunden. 40 Taschen, bis oben mit Gemüse gefüllt, stehen für den Abtransport bereit. Um zehn Uhr wird der Transporter von Bioabi auf Bernhard Hännis Bauernhof in Noflen eintreffen. Christina Grünewald betrachtet vorher nochmals die Tüten. Die Mitgründerin des Vereins Bioabi ist zufrieden. Oben schauen die Petersilie und der Krautstiel heraus, unten sind die schweren Sachen verstaut. Frisch, lokal, saisonal und bio – das Gemüse in der Tasche entspricht ihren Anforderungen. Es ist das erste Mal, dass sie mit Biobauer Bernhard Hänni zusammenarbeitet.

Kunden auf der Warteliste

Jeden zweiten Donnerstag liefert das Bioabi-Team eine Tasche mit frischem Gemüse, Obst, Eiern und Käse ihren Kunden nach Hause. Alles bio und von Bauern aus der Region wie Bernhard Hänni. 40 Franken kostet die Tasche für zwei Personen, 60 Franken jene für die ganze Familie. Die Idee zum Biolieferdienst entstand vor drei Jahren. Grünewald hatte wiedermal den Gemüsemärit verpasst, und der Bioladen war auch schon geschlossen. In anderen Schweizer Städten und im Ausland sah sie, dass Landwirte aus der Region ihre Ware den Leuten nach Hause liefern.

«Ich dachte mir, dass sicher auch in Bern ein solches Interesse besteht», sagt sie. Mit zwei Freundinnen gründete sie daraufhin das Bioabi. Sie wolle nicht dem Märit oder den Bioläden die Kunden abwerben, sondern ein Nischenprodukt anbieten, erklärt sie das Geschäftskonzept.

Die Idee ist erfolgreich. Das neue Angebot sprach sich schnell rum. Laut Grünewald sind ihre Kunden zwischen 25 und 45 Jahre alt, viel beschäftigt und wissen einen Computer zu bedienen. Das Abo kann nämlich nur im Internet bestellt werden. Auch ohne Werbung wurde die Nachfrage irgendwann so gross, dass Kunden abgewiesen werden mussten und auf eine Warteliste kamen.

Bauer muss in die Stadt

Der Erfolg war es, den Grünewald zu Bernhard Hänni nach Noflen geführt hat. Nebst einem Biohof in Kirchlindach musste ein zweiter Gemüselieferant her. Hännis biologischer Gemüsebaubetrieb wurde dem Verein empfohlen. Der Landwirt weiss, welches Gemüse die Städter gerne essen. Er betreibt selber einen Bioladen.

«Der Bauer muss heutzutage zu den Kunden in die Stadt und nicht umgekehrt», sagt der 35-Jährige. Darum sei er mit seinem Hofladen nach Thun gezogen. Er habe vor Jahren auch darüber nachgedacht, einen Hauslieferdienst anzubieten, sagt der Landwirt. Der Aufwand wäre aber zu gross gewesen. Das Bioabi sei die ideale Ergänzung zu seinem Bioladen in Thun. Bioabi liefert nur in die Stadt Bern. Nun, wo mit Hänni ein weiterer Gemüselieferant gefunden ist, können wieder Kunden aufgenommen werden. Trotzdem stelle sich stets die Frage, wie weit man fahre, um eine Tasche auszuliefern. Zwar sei der Transportweg kurz und direkt, Umwege über einen Grossverteiler gebe es nicht. «Wir wollen aber möglichst wenig Autokilometer machen», sagt Grünewald. Das CO2, das bei der Heimlieferung anfalle, werde darum mit einer freiwilligen Abgabe kompensiert, sagt die 34-Jährige.

Über 200 Sorten Gemüse produziert Hänni pro Jahr. Manche Gemüse in der Tüte wurden nur Stunden zuvor geerntet. Um zehn Uhr erreicht der Transporter den Hof. Die 40 Taschen werden eingeladen. Spätestens vier Stunden nachdem das Gemüse Noflen verlassen hat, steht es beim Kunden vor der Türe. Bio ist bequem – zumindest in Bern.

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