Zum Hauptinhalt springen

Der Bach soll wieder ein richtiger Bach sein

Heute fliesst der Lötschenbach mehrheitlich unterirdisch durch Gümligen. Politiker fordern nun, dass er offengelegt wird – so, wie es Ostermundigen plant.

Postkartenbild um 1912: Wegen des Torfabbaus hat sich ein See gebildet, aus dem der Lötschenbach gespiesen wurde.
Postkartenbild um 1912: Wegen des Torfabbaus hat sich ein See gebildet, aus dem der Lötschenbach gespiesen wurde.
Repro Krämer GmbH

Die Postkarte ist gut 100 Jahre alt. Darauf zu sehen ist Gümligen: ein paar Häuser, eine Eisenbahnlinie, Wald – und ein grosser See. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde südlich des Bahnhofs nämlich Torf abgebaut. Die Grube füllte sich mit Wasser, wodurch der Torfsee entstand. Von ihm floss das Wasser in den Lötschenbach, der via Melchenbühl und Ostermundigen friedlich bis in die Worble plätscherte.

Tempi passati. Dort, wo einst der See war, steht heute ein Haus neben dem andern. An die Zeiten des Torfabbaus erinnert nur noch ein Strassenname: der Turbenweg. Auch der Lötschenbach plätschert nicht mehr frei über die Felder, sondern fliesst mehrheitlich unterirdisch durch Gümligen und Ostermundigen.

Weil die Leitungen dem Hochwasserschutz nicht mehr genügen, sollen sie auf Ostermundiger Seite erneuert werden. Dabei muss der Bach von Gesetzes wegen komplett freigelegt werden. Kostenpunkt: 4,7 Millionen Franken. Der Kredit kommt im Frühling vor das Mundiger Stimmvolk.

Subventionen in Aussicht

Auf dem Gemeindegebiet von Muri ist nichts dergleichen geplant. Das soll sich nun aber ändern. Das Forum Muri-Gümligen hat im Gemeindeparlament soeben einen Vorstoss eingereicht, der die Offenlegung des Lötschenbachs auch auf Muriger ­Gebiet fordert.

Denn eine Offenlegung brächte viele Vorteile, ­erklärt Forum-Fraktionschefin Gabriele Siegenthaler. Ein natürlicher Bachlauf trage zum Wohlbefinden der Bevölkerung bei. Zudem würde wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen geschaffen. Es könnten Synergien mit Ostermundigen genutzt werden. Und: Bei der Offenlegung würden kantonale Subventionen von über 75 Prozent winken.

Ein Mitmachen von Muri-Gümligen würde begrüsst. «Es wäre im Sinne der Längsvernetzung, wenn das Projekt nicht an der Gemeindegrenze haltmachen würde», sagt Yves Gaudens, Leiter der Ostermundiger Tiefbauabteilung. Stellenweise habe man den Bach bereits offengelegt; das habe die Artenvielfalt nachweislich erhöht.

Das bestätigt Ueli Scheuermeier, Präsident des Vereins, der sich für die Renaturierung und den Unterhalt des Lötschenbachs einsetzt. Er ist überzeugt: «Viele Leute hätten Freude an einer Offenlegung.»

Offiziell kein Gewässer

Ueli Scheuermeier gibt aber zu bedenken, dass die Wassermenge des Bachs markant abgenommen habe. Dies liege nicht nur an den trockenen Sommern, sondern auch an der Bautätigkeit, derentwegen in Gümligen der Grundwasserspiegel abgesenkt worden sei.

Wegen der geringen Wassermenge sei der Lötschenbach nach Definition des Kantons gar kein Gewässer mehr, erklärt Sebastian Mävers, Leiter der Muriger Hochbauabteilung. Aus seiner Sicht ist es wichtig, «zuerst die Voraussetzungen zu schaffen, dass der Lötschenbach wieder ein richtiger Bach ist». Das könne erreicht werden, indem man mehr Oberflächenwasser versichern lasse statt in die Kanalisation zu leiten. «Doch dieser Prozess braucht Zeit», sagt Mävers.

Wenn der Bach wieder mehr Wasser führe – «dann kann eine Renaturierung sicher Sinn machen». Vorher aber wäre es schade ums Geld, das möglicherweise in die falsche Richtung fliessen würde.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch