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Das schwebende Boot vom Moossee

Das älteste Boot der Schweiz kehrt an seinen Fundort am Moossee zurück. Der Einbaum wird am Freitag mit einer Eröffnungsfeier eingeweiht. Er wurde bereits 2011 bei Ausgrabungen entdeckt.

Marco Spycher
Das «kleine Museum» fällt vor allem durch sein Aussehen auf.
Das «kleine Museum» fällt vor allem durch sein Aussehen auf.
Beat Mathys

Am Ufer des Moossees befindet sich neuerdings ein schwebendes weisses Boot. Auf den ersten Blick wird nicht klar, was das soll. Erst bei näherem Betrachten kann man unter dem Boot ein begehbares Podest erkennen. Im Inneren befindet sich eine Vitrine, in der ein altes Holzboot ausgestellt ist. Es ist weitaus mehr als nur ein Holzboot. Es handelt sich um den Einbaum vom Moossee.

Der rund 6500-jährige Einbaum wurde 2011 im Boden des heutigen Strandbads vom Ar­chäologischen Dienst des Kantons Bern entdeckt. Seither wurde er im Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz konserviert. Nun kehrt er an seinen Fundort zurück und kann jederzeit im «kleinen Museum» betrachtet werden.

Der «Pionierbau»

Das «kleine Museum» wurde nach dem Motto «Das Boot zurück an den See tragen» entwickelt. Denn von aussen gesehen wirkt es, als ob das Boot auf den Schultern der Besucher zurück ans Wasser getragen würde.

Im Innern des schwebenden Boots erklingen durch Boxen Alltagsgeräusche, wie sie in einer Pfahlbausiedlung hätten zu vernehmen sein können. Zudem kann man einen Film anschauen, in dem ein Volk aus Papua Guinea einen Einbaum fertigt. Diese Animationen wurden vor allem für die Kinder entwickelt.

Extrem wichtig für die Kon­servierung des Einbaums ist die ständige Klimatisierung. Trotz des Vertrauens in die Vitrine hat die Gemeinde Respekt vor der Klimaveränderung, denn: «Wir wissen nicht, wie sie sich bei kalten Temperaturen verhalten wird», sagt Peter Scholl, Leiter der Gemeindeverwaltung Moosseedorf.

Sobald sich Innentemperatur und Luftfeuchtigkeit verändern, werden die Gemeinde und der Archäologische Dienst automatisch alarmiert und können eingreifen. Scholl bezeichnet die Vitrine als «Pionierbau», da sie in ihrem Konzept mit keiner anderen in Europa zu vergleichen ist.

Wichtige Funde

Die Kosten für die Vitrine belaufen sich auf rund 300'000 Franken. Dabei beteiligt sich die Gemeinde Moosseedorf zur Hälfte. Ein Viertel wird durch Lotteriefonds zur Verfügung gestellt. Den Rest finanzieren Privatpersonen und Stiftungen.

Die Archäologie spielt in Moosseedorf von jeher eine wichtige Rolle. Der Moossee ist bekannt für Funde. Rund um den See fand schon lange Zeit vor Christus Leben statt. Im Strandbad wurde bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein Pfahlbauerdorf entdeckt. Der Gemeinde liegt es am Herzen, den Leuten die Archäologie näherzubringen und das Verständnis zu fördern. Aus diesem Grund gehört der Einbaum zurück nach Moosseedorf.

Das älteste Boot der Schweiz

Ein Einbaum wird aus nur einem Baumstamm hergestellt. Hierbei wird der Stamm ausgehöhlt. Nach jetzigem Stand ist der Tausende Jahre alte Einbaum von Moosseedorf das älteste Boot der Schweiz. Das Schiff misst 5,77 Meter Länge und 50 Zentimeter Breite.

Mit seinen 6500 Jahren ist es beispielsweise älter als die Cheops-Pyramiden in Ägypten. Für Marianne Ramstein vom Archäologischen Dienst gehört dieser Fund aufgrund des Alters definitiv zu einer der wichtigsten Entdeckungen der letzten Jahre im Kanton Bern.

Die Gemeinde hat einen be­fristeten Leihvertrag für den Einbaum auf die Dauer von zehn Jahren. Aber Peter Scholl zeigt sich optimistisch und behauptet mit einem Lachen: «Diesen Einbaum geben wir nicht noch einmal aus unseren Händen.»

Samstag, 25. August, ab 16.30 Uhr: Im Anschluss an den Anlass «Rund ume Moossee» findet die offizielle Einweihung der Einbauvitrineund ein öffentlicher Apéro statt.

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