Das perfekte Huhn

Mühlethurnen

Fritz Brönnimann aus Mühlethurnen ist Kleintierzüchter aus Leidenschaft und beweist dabei ein gutes Händchen: Sein Lachshuhn Robunia wurde an einer Kleintierausstellung mit der höchstmöglichen Punktzahl bewertet.

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Sheila Matti

Robunia ist perfekt. Die Musterung ihres Gefieders ist komplett symmetrisch, die höchste Spitze ihres Kamms liegt genau auf der Höhe der intensiv rot-orangen Augen, ihr Schnabel ist weder zu lang noch zu krumm. Auch die Experten konnten am einjährigen Deutschen Lachshuhn keinen Fehler finden und zeichneten die Henne im November, während der Kantonalen Kleintierausstellung in Tramelan, mit 97 Punkten aus – dem höchstmöglichen Ergebnis.

«Dass jemand ein perfektes Resultat erzielt, habe ich noch nie erlebt», sagt Fritz Brönnimann. Seit rund acht Jahren züchtet der 72-Jährige nun schon Zwerghühner, darunter auch das Superhuhn Robunia. Auf den Teller kommen Brönnimanns Tiere nie; sie werden entweder an andere Züchter oder Liebhaber verkauft oder aber verbringen ein glückliches Leben auf seinem Hof in Mühlethurnen.

Zu letzteren Glückspilzen gehört auch Robunia. Zwar wurde ihm in Tramelan von einer Gruppe jurassischer Züchter eine ordentliche Summe für die Henne angeboten, für Brönnimann war aber schon zuvor klar: «Ein solches Huhn muss ich behalten!»

«Sogar die Experten waren beeindruckt davon, wie zahm meine Hühner sind.»Fritz Brönnimann

Nicht nur Robunias Äusseres ist «vorzüglich», wie auf ihrem Bewertungsschein steht. Auch ihr Verhalten ist tadellos. Gemächlich lässt sich das Huhn von seinem Besitzer aus der Transportbox holen und posiert mit geschwellter Brust auf dessen Händen für die Bilder des Fotografen. «Sogar die Experten waren beeindruckt davon, wie zahm meine Hühner sind», freut sich Fritz Brönnimann und legt Robunia vorsichtig zurück in die Kartonbox.

Hochheben und streicheln

Zu Hause ist Robunia in Mühlethurnen. Oberhalb des Dorfes beim Mühlebach hat Fritz Brönnimann für seine Tiere ein kleines Paradies geschaffen. Jede Art – allesamt seltene Zwerghühner, die in der Schweiz sonst kaum vertreten sind – hat ihr eigenes, grosszügiges Gehege. Hier gackern Bielefelder Zwerge, dort picken Araukaner vor sich hin. Und in einer Ecke des Hofes, idyllisch unter einem Baum gelegen, befindet sich die Unterkunft der Lachshühner. Eine ganze Schar springt ins Freie, als Brönnimann die Tür öffnet und sie mit «Hüh, hüh» hervorlockt.

Superhuhn Robunia jedoch besitzt ein eigenes Gehege – zu gefährlich wäre es, sie zu den anderen Hühnern zu sperren. Zurzeit teilt sie ihr Zuhause mit Joggeli 2, dem schönsten Hahn der Zucht. Aus ihrer Zusammenkunft hofft Fritz Brönnimann, im Frühling sogar noch bessere Lachshühner zu erhalten. Einmal im Jahr lässt er die Eier seiner Hühner ausbrüten – entweder von den Hennen selbst oder, falls diese aus irgendeinem Grund keine Lust haben, mithilfe von zwei kleinen Brutmaschinen.

Diese Zeit ist für ihn besonders wichtig. Damit die Tiere später so zutraulich wie Robunia werden, müssen sie oft hochgehoben und gestreichelt werden. «Die Prägung beginnt bereits, wenn die Tiere noch im Ei sind», weiss der Züchter, «die Küken kommunizieren bereits durch die Schale mit ihrer Mutter. Deshalb rede auch ich schon vor dem Schlüpfen mit ihnen, damit sie sich möglichst früh an meine Stimme gewöhnen.»

Gasbrenner und Essigwasser

Auf das Huhn gekommen ist Fritz Brönnimann schon als kleiner Junge. Auf dem Weg zur Schule lief er jeweils an einem Gehege mit Zwerghühnern vorbei. «Schon damals war ich von den Tieren fasziniert», erzählt er. Seine Eltern hätten ihm aber nie erlaubt, eigene Hühner zu halten.

Zu wenig wirtschaftlich seien die Tiere, die nur etwa alle drei Tage ein eher kleines Ei legten. Erst nach seiner Pensionierung hat sich Brönnimann diesen Wunsch verwirklicht. Als er noch als Wegmeister für die Gemeinde Mühlethurnen gearbeitet habe, habe er dafür keine Zeit gehabt.

Und tatsächlich, auch wenn gerade kein Nachwuchs ansteht, geben die Tiere viel zu tun. Jeden Tag streut Brönnimann die Gehege ein, sammelt Eier, füttert die Tiere mit selbst zusammengemischtem Futter oder geht mit einem kleinen Gasbrenner gegen lästige Schädlinge vor. Und einmal pro Woche müssen die Ställe ausgemistet werden – das einzig wirklich Unschöne an der Hüherzucht, meint der Tierfreund.

Aufwendig ist auch das Prozedere, mit dem Brönnimann seine Tiere auf eine der Ausstellungen vorbereitet, von denen er etwa drei pro Jahr besucht. Jeweils eine Woche vor der Anreise werden die Tiere gründlich mit Seife gewaschen und mit Essigwasser abgespült – «das bringt die Federn schön zum Glänzen». Weiter gibt er den Hühnern besonders viele Karotten zu essen, damit sie eine intensivere Augenfarbe bekommen. Ein Punkt, auf den die Experten besonders achten würden: «Mein zweitbestes Huhn erhielt in Tramelan nur 96 Punkte, weil seine Augen nicht orange genug waren.»

Prinzessin auf der Schaukel

Auch wenn Fritz Brönnimann auf Robunia besonders stolz ist – sein Lieblingshuhn ist die Henne trotzdem nicht. Diese Sonderstellung gehört der dreijährigen Prinzessin, ein schneeweisses Ükkeler Bartzwerghuhn. Ihr hat der Hühnerzüchter sogar einige Tricks beigebracht.

So kann er die Henne beispielsweise auf einem selbst gebauten Wägeli die Einfahrt zum Hof hinunterfahren lassen. Und wenn er sie auf die Schaukel seiner Enkel stellt und diese zum Schwingen bringt, bleibt das Tier seelenruhig darauf stehen. «Bisch ä Liebi», flüstert Brönnimann danach liebevoll und lässt Prinzessin auf seine Hand springen.

Die Leidenschaft für seine Tiere konnte er übrigens auch an seinen Enkel weitergeben. Der 6-jährige Noel etwa, der direkt nebenan wohnt, sei gerade dabei, ein eigenes Tier zu trainieren. Sein Hahn, genannt Joggeli 1, sitze jeweils auf der Lenkstange von Noels Fahrrad, wenn dieser die Landstrasse hoch- und runterfährt. «Er nennt mich auch nicht Grossvater», fügt Fritz Brönnimann mit einem strahlenden Lächeln hinzu, «sondern einfach Bibi-Ätti.»

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