Zum Hauptinhalt springen

Das lange Warten

Die Gemeindeversammlung entscheidet Anfang Dezember über einen Anbau für die Tagesschule, ein erstes Puzzleteil in der Schulraumplanung.

Vor der Tagesschule mussten schon Container aufgestellt werden, um dem Platzmangel entgegen zu kommen.
Vor der Tagesschule mussten schon Container aufgestellt werden, um dem Platzmangel entgegen zu kommen.
Nicole Philipp

Aus sechs mach zwei. Die Gemeinde Fraubrunnen arbeitet derzeit an der Schulraumplanung. Die Stossrichtung ist klar: Die heutigen sechs Standorte sind auf längere Sicht nicht mehr zeitgemäss und sollen auf zwei (Fraubrunnen, Grafenried) reduziert, Schulen in den kleinen Dörfern geschlossen werden.

Seit einem Informationsabend im September 2016 sind jedoch noch keine konkreten Entscheide gefällt worden. Der Gemeinderat bestätigte im September 2017 diese Strategie, liess aber mit der Bezeichnung «2 plus» ein kleines Hintertürchen offen.

Gemeinderatspräsident Urs Schär (BDP) begründet die stockende Planung mit verschie­denen Punkten. Eine Gemeindeinitiative für regionale Stand­orte – sie wurde inzwischen für ungültig erklärt – habe das Dossier blockiert. Weiter wechselte nach den Wahlen vor einem Jahr innerhalb des Gemeinderats die Zuständigkeit für das Dossier.

Zudem habe Fraubrunnen die Revision der Ortsplanung in Angriff genommen, welche sich direkt auf die Schulraumplanung auswirkt (Bevölkerungsentwicklung, Zonenplan). Schliesslich waren die Schülerzahlen und die Prognosen überholt.

Zahlen sind überholt

«Wir mussten die Zahlen von 2016 überarbeiten», sagt Urs Schär. Gegenüber den damaligen Prognosen musste die Zahl der Klassen weiter nach oben korrigiert werden. Die Situation werde sich dadurch verschärfen. Schär ergänzt, dass in einem Schulhaus nicht einfach Klassen eröffnet werden können, wenn es mehr Kinder hat.

Die Schulen gelten beim Kanton als Einheit, führt Schär aus. Deshalb würden zuerst Klassen an anderen Standorten aufgefüllt. Für kleine Schulen bedeute dies, dass Klassen häufiger neu zusammengestellt werden müssten.

Mit höheren Schülerzahlen pro Standort könne das verhindert werden. Deshalb geht Schär nach wie vor davon aus, dass die Schulen in Fraubrunnen und Grafenried konzentriert werden. So könnten alle Kinder von der ungefähr gleichen Infrastruktur profitieren.

Die Arbeitsgruppe Schulraumplanung ist momentan dabei, aufgrund der neuen Zahlen einen Bericht auszuarbeiten. Die Gruppe soll ihre Resultate an einem Informationsabend im ersten Quartal 2019 präsentieren. Wann die Bevölkerung an der Urne über die Investitionen abstimmen werde und wie hoch dieser Kredit sein werde, kann Urs Schär noch nicht sagen. Der Zeitplan sehe aber vor, dass die baulichen Massnahmen in Fraubrunnen bis 2023 abgeschlossen seien, in Grafenried bis 2026.

Über ein erstes Puzzleteil der Schulraumplanung entscheidet die Gemeindeversammlung am 4. Dezember, einen Neubau für die Tagesschule in Fraubrunnen für gut 780'000 Franken. «Hier können wir nicht warten», begründet Schär.

Die Anmeldungen seien in den letzten beiden Jahren stark gestiegen, von dreissig bis vierzig Kindern auf über hundert. Für den Mittagstisch musste teilweise ein Unterrichtsraum benutzt werden, die Kinder hatten keine Rückzugs­möglichkeiten. Aktuell steht der Tagesschule ein Containerprovisorium zur Verfügung.

Nichts wird verbaut

Die Gemeinde habe für die Erweiterung mehrere Varianten geprüft, blickt Schär zurück. Als beste Option habe sich ein Anbau der heutigen Tagesschule herausgestellt. Damit werde im Hinblick auf die Schulraumplanung nichts vorweggenommen oder verbaut, betont der Ge­meinderatspräsident. Denn die Tagesschule werde in jedem Fall auf einen einzigen Standort konzentriert.

«Es fehlen Vergleichszahlen zu anderen Szenarien mit weiteren Standorten.»

Manfred VollenwyderIG Schule im Dorf

Manfred Vollenwyder von der IG Schule im Dorf, welche die Initiative für regionale Schulstandorte eingereicht hatte, ist Mitglied der Arbeitsgruppe und beobachtet das Ganze aufmerksam. Er findet es unbefriedigend, dass die Planung und Beratung eines beigezogenen Büros nur in Richtung der zwei Schulstandorte ziele. Er spricht von einem Tunnelblick.

«Es fehlen Vergleichszahlen zu anderen Szenarien mit weiteren Standorten», sagt der Architekt aus Etzelkofen. Er sei nicht überzeugt, dass das der transparente Weg sei. Der Gemeinderat müsse bedenken, dass über 750 Personen die Initiative für dezentrale Schulstandorte unterschrieben hätten.

SVP ist skeptisch

Auch die SVP ist skeptisch, dass der Fokus auf die Standorte Grafenried und Fraubrunnen gerichtet ist. In einem Beitrag im Informationsblatt der Gemeinde verlangt die Partei, dass auch die Kosten für dezentrale Strukturen aufgezeigt würden. Das sei für einen demokratischen Entscheid wichtig.

Solange keine «soliden Vergleichsparameter» vorgelegt würden, halte die SVP an der Variante «2 plus» fest, mit zusätzlichen Standorten neben Fraubrunnnen und Grafenried.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch