Zum Hauptinhalt springen

Das Kunstmuseum auf Brautschau

Es wird wild spekuliert: Arbeitet die Gegenwartsabteilung des Kunstmuseums künftig mit dem Atelierhaus Progr zusammen? Oder etwa doch mit dem Zentrum Paul Klee? Die möglichen Partnerschaften im Überblick.

Die Vidmarhallen als Vorbild? Wie das Stadttheater im Liebefeld könnte das Kunstmuseum ausserhalb des Stadtzentrums erweitern.
Die Vidmarhallen als Vorbild? Wie das Stadttheater im Liebefeld könnte das Kunstmuseum ausserhalb des Stadtzentrums erweitern.
Susanne Keller

Die Gegenwartsabteilung der Kunstmuseums Bern erhält keinen eigenen Bau, das ist so weit klar. Nun werden Alternativen gesucht. Im Fokus stehen dabei schon bestehende Berner Kunstinstitutionen.Partner 1: KunsthalleDie Kunsthalle ist ein altehrwürdiges Gebäude. In den Sechzigerjahren war es dank Kurator Harald Szeemann gar ein Epizentrum der internationalen Kunstwelt. Zwar wird sie auch heute noch international wahrgenommen, doch konnte sie nie mehr an die Bedeutung der Sechziger anknüpfen. Gerade beim Berner Publikum ist das Interesse schwindend.Eine Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum könnte dies ändern: Das Museum erhielte seine Plattform für Gegenwartskunst, die Kunsthalle könnte sich bei Subventionsgebern, welche die Bedeutung der Institution zunehmend in Frage stellen, rehabilitieren. Ein Nachteil gegenüber einem eigenen Anbau wäre aber, dass die Kunsthalle kein eigentliches Museum, sondern vielmehr eine Experimentierplattform ist. Dafür sind die Ausstellungsräume den Bedürfnissen der Kunst angepasst.Werke, die von der Stiftung Kunsthalle hier angekauft werden, landen übrigens schon heute in der Gegenwartssammlung des Kunstmuseums.Partner 2: Zentrum Paul KleeDie Subventionsgeber von Stadt und Kanton würden es schon lange begrüssen, wenn die beiden grossen Berner Kunsthäuser fusionieren würden – dies ist jedoch vorerst auf Grund der abweichenden Interessen der Mäzene unmöglich. Dafür arbeiten die Institutionen in den Bereichen IT und Finanzen zusammen – ein Ausbau wäre da aus finanzieller Sicht sicher sinnvoll. Nächsten Sommer realisieren sie zudem gemeinsam eine grosse Schau zum Thema «Die sieben Todsünden». Diese Zusammenarbeit wäre noch ausbaufähig: Sie könnten vermehrt Ausstellung realisieren, die in beiden Gebäuden stattfinden und für welche die Gegenwartskunstabteilung Werke aus der eigenen Sammlung zur Verfügung stellt. Die beiden Häuser verfolgen jedoch unterschiedliche Ziele, so sind etwa die Ausstellungen im ZPK thematisch stets an das Werk von Paul Klee geknüpft.Partner 3: ProgrBereits einen Tag nachdem klar war, dass der geplante Anbau nicht zu Stande kommt, haben sich sowohl das Kunstmuseum wie auch der Progr für eine Zusammenarbeit ausgesprochen. Die Idee ist nicht neu: Schon 2001 versuchte Mäzen Hansjörg Wyss hier ein Gegenwartsmuseum zu realisieren.Doch das alte Gebäude des ehemaligen Progymnasiums ist renovationsbedürftig. Die unklimatisierten Räume eignen sich nicht für Sammlungsausstellung, wie sie die Abteilung Gegenwart eigentlich vorgesehen hätte. Da müsste investiert werden. Zudem stünden dem Museum nur eine beschränkte Anzahl Räume zur Verfügung. Für den Kunststandort Bern wäre eine Zusammenarbeit mit dem Progr trotzdem zukunftsweisend: Ein traditionelles Kunstmuseum fördert die Kunstproduktion, was vor allem für die Kulturschaffenden selbst ein wichtiges Sprungbrett wäre.Partner 4: IndustriearealeDas Stadttheater hat es mit den Vidmarhallen vorgemacht. Warum sollte nicht auch das Kunstmuseum aus dem Stadtzentrum mit der Gegenwartsabteilung in die Peripherie ziehen? Leer stehende Industrieareale müssten zwar umgebaut und den Bedürfnissen eines Museums angepasst werden – doch noch immer verfügt das Museum mit Wyss’ Schenkung dafür über ein Budget. Londons Tate Modern im Gebäude eines ehemaligen Kraftwerks könnte dafür ein grosses Vorbild sein: Die Neuinterpretation eines bestehenden Orts wurde hier zum Grosserfolg.Weiterhin im Gespräch ist auch eine Lösung innerhalb des Kunstmuseums selber. Doch die bereits jetzt schon prekären Platzverhältnisse stellen ein Problem dar. In diesem Fall müsste wohl oder übel die permanente Sammlungspräsentation hinterfragt werden.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch