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Daheim im Büro

Homeoffice liegt im Trend. Auch immer mehr Berner Gemeinden erlauben ihren Angestellten, einen Tag pro Woche zu Hause statt im Büro zu arbeiten. Andere Behörden dagegen verzichten bewusst darauf.

Adrian Pauli arbeitet dienstags nicht in der Gemeindeverwaltung, sondern daheim.
Adrian Pauli arbeitet dienstags nicht in der Gemeindeverwaltung, sondern daheim.
Raphael Moser

«AHV-Zweigstelle Ittigen, Pauli. Guten Tag.» Wenn Adrian Pauli einen Anruf entgegennimmt, tönt es, als sässe er in seinem Büro in der Gemeindeverwaltung. In Tat und Wahrheit aber sitzt der Leiter der Ittiger AHV-Zweigstelle in seinem Zuhause in Fraubrunnen. Einmal pro Woche, jeweils am Dienstag, macht er Homeoffice. Heimarbeit.

Im Büro der AHV-Zweigstelle sei man oft am Schalter, um Auskünfte zu erteilen, erklärt Pauli. Daheim könne er konzentriert arbeiten. Da der Arbeitsweg wegfällt, kann er morgens zudem früher mit der Arbeit anfangen und dafür eine halbe Stunde länger Mittagspause machen. In dieser Zeit kocht er das Essen für die neunjährige Tochter, die mittags von der Schule heimkommt und nach dem Essen wieder geht.

«Im Büro ist man oft am Schalter. Daheim kann ich konzentriert arbeiten.»

Adrian Pauli Leiter AHV-Zweigstelle Ittigen

Per Telefon erreichbar

Laut einer Studie arbeiten rund 30 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer mindestens einen halben Tag pro Woche im Homeoffice. Auch bei den Gemeinden halte diese Arbeitsform immer mehr Einzug, bestätigt Monika Gerber, Geschäftsführerin des Verbandes Bernisches Gemeindekader. Die Entwicklung ist durchaus im Sinn des Verbandes, denn: In einer Zeit, in der die Gemeinden zunehmend Mühe hätten, gutes Kaderpersonal zu finden, seien flexiblere Arbeitsmodelle nötig. Insbesondere bei der jüngeren Generation ist Homeoffice laut Gerber ein Bedürfnis, zum Beispiel bei Frauen und Männern mit Kindern.

«Die Gemeinden haben Mühe, gutes Kaderpersonal zu finden. Da braucht es flexible Arbeitsmodelle.»

Monika Gerber Gemeindekaderverband

Das tönt einleuchtend. Doch eine Gemeindeverwaltung ist ein Dienstleistungsbetrieb mit Kundenkontakt. Damit der Betrieb funktioniert, müssen die Mitarbeitenden grundsätzlich vor Ort sein. So argumentieren verschiedene Gemeinden in der Region Bern, die Homeoffice bisher nicht eingeführt haben (siehe Box).

Vier von hundert

Der Ittiger Gemeindepräsident Marco Rupp (BVI) sagt es so: «Wir begrüssen die Möglichkeit von Homeoffice, die betrieblichen Bedürfnisse gehen aber vor.» In Bereichen wie dem Bürgerdesk oder dem Winterdienst komme Homeoffice naturgemäss nicht infrage. Zudem müsse das Team funktionstüchtig bleiben. Bei AHV-Zweigstellenleiter Adrian Pauli heisst das zum Beispiel, dass er per Skype Business telefonisch genauso erreichbar ist, wie wenn er im Büro auf der Gemeindeverwaltung wäre.

In einem Richtlinienpapier, zwei Seiten, dicht beschrieben, hat der Ittiger Gemeinderat kürzlich die Rahmenbedingungen für Homeoffice festgelegt. Demnach darf ab einer 60-Prozent-Anstellung regelmässig daheim gearbeitet werden – und zwar maximal 20 Prozent. Vier der rund hundert Gemeindeangestellten machen davon Gebrauch.

Ab 6.30 Uhr morgens

Auch Corinne Knecht, Bereichsleiterin der Ittiger Tagesschule, arbeitet teilweise von daheim aus. Sie ist Ansprechperson für die Eltern der 330 angemeldeten Kinder wie auch für die rund 30 Betreuerinnen an den vier Standorten. Morgens zwischen 6.30 und 7.30 Uhr, wenn der Betrieb an den Tagesschulen hochgefahren wird, klingelt ihr Handy manchmal fast im Minutentakt: Eltern melden kranke Kinder ab, Betreuungseinsätze müssen umorganisiert werden und so weiter. Dies erledigt Knecht jeden Morgen im Homeoffice, abends bei Betriebsschluss kommt eine weitere halbe Stunde Heimarbeit dazu. Macht total 20 Prozent. 40 Prozent ist sie im Büro.

Corinne Knecht ist froh um diese Lösung. Ihr Mann arbeitet 100 Prozent, geht morgens bereits um 6 Uhr aus dem Haus. Müsste sie für den morgendlichen Telefondienst im Büro anwesend sein, könnte sie diesen Job nicht machen. So aber kann sie morgens nach 7 Uhr, wenn der Tagesschulbetrieb angelaufen ist, ihre jüngste Tochter – sie ist achtjährig – für die Schule bereit machen.

«So sicher wie im Büro»

Viele Gemeindeangestellte haben Zugriff auf Steuer-, Sozialhilfe- und weitere sensible Daten. Ist es nicht problematisch, diese daheim zu bearbeiten? «Häufig nimmt man nicht Papiere nach Hause, sondern greift digital auf die Daten zu», antwortet Monika Gerber vom Gemeindekaderverband. Das sagt auch AHV-Zweigstellenleiter Adrian Pauli. «Wir arbeiten mit einem internetbasierten Programm des Kantons», erklärt er. Der Zugang erfolge über ein geschütztes Login und eine geschützte Internetverbindung, zudem arbeite er stets auf dem Laptop. Die Wahrscheinlichkeit, gehackt zu werden, sei nicht grösser als auf der Gemeindeverwaltung.

Dann verabschiedet sich Adrian Pauli. Er muss weiterarbeiten. Daheim, im Büro.

Corinne Knecht ist morgens und abends zu Hause.
Corinne Knecht ist morgens und abends zu Hause.

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