Bruchlandung mit Ansage

Oberwangen

Aus den hochfliegenden Plänen für eine neue Siedlung zwischen Bahn und Freiburgstrassewird in Oberwangen nichts. Die Gemeinde verweigert dem Projekt die Bewilligung.

Alles von vorn: Die Überbauung auf der Wiese direkt an der Bahnbei Oberwangen wird von Grund auf neu geplant.

Alles von vorn: Die Überbauung auf der Wiese direkt an der Bahnbei Oberwangen wird von Grund auf neu geplant.

(Bild: Susanne Keller)

Stephan Künzi

Es tönte alles so gut. 150 Wohnungen sollten auf der 10000 Quadratmeter grossen Wiese entstehen, die sich vom S-Bahn-Halt Oberwangen bis fast zur Freiburgstrasse erstreckt. Von einer Siedlung mit Bistro, Wellnessbereich und Bad war die Rede, dazu von Wäsche-, Putz- und anderen Serviceleistungen, die die Bewohner – Senioren genauso wie junge Singles und sogar Familien – nach Bedarf dazukaufen könnten.

Trotzdem sollten die Wohnungen nicht unbezahlbar teuer werden. Weil sich die Siedlung möglichst autark mit Ökostrom und Wasser versorgen werde, so das Versprechen, sei bei den Nebenkosten mit Entlastung zu rechnen.

Das war im Frühling 2015. Passiert ist seither wenig bis gar nichts, und jetzt steht fest: Der Traum ist geplatzt. «Wir haben den Bauabschlag erteilt», be­stätigt der zuständige Könizer Gemeinderat Christian Burren (SVP) auf Anfrage.

Ein Konkurs

Die Bruchlandung kommt nicht unerwartet. Erste Zweifel an der Bauherrschaft liess Burrens Vorgängerin Katrin Sedlmayer bereits vor vier Jahren durchblicken, als die Promotoren noch vor Optimismus strotzten. Den Behörden in Köniz war nicht entgangen, dass die Investoren aus dem Firmengeflecht der Dinett Holding AG aus dem Berner Oberland gleich an mehreren Fronten mit argem Gegenwind zu kämpfen hatten.

Zum einen ging es im Umfeld der Holding gleich mit mehreren Bauprojekten zum Teil während Jahren nicht voran. Zum andern gab es in einem anderen Geschäftsfeld Streit um die Idee, eine Technologie zur Gewinnung von Heizöl aus Plastikabfällenzu entwickeln – kurz: Vor zwei Jahren ging der Holding das Geld aus, es kam zum Konkurs.

Heikle Ausfahrt

Vom finanziellen Aus war das Areal in Oberwangen allerdings nicht mehr betroffen. Die 10000 Quadratmeter Land wechselten rechtzeitig die Hand, laut In­sidern sogar so, dass die Forderungen der Gläubiger vollständig befriedigt werden konnten. Als neue Eigentümerin trat die Varem AG auf, eine in Basel beheimatete Firma, die schweizweit Wohnbau betreibt.

Das hochgelobte Projekt aus Dinett-Zeiten vermochte die Behörden einfach nicht zu überzeugen.

Andere Probleme wurden dafür immer drängender. Denn das hochgelobte Projekt aus Dinett-Zeiten vermochte die Behörden einfach nicht zu überzeugen. Gemeinde und Statthalteramt verlangten in mehreren Punkten Nachbesserungen. Als eigentlicher Stolperstein erweis sich die Zufahrt, die von der Freiburgstrasse her über eine bestehende Stichstrasse führen sollte. An ihrer Mündung schränkt beim Wegfahren ein altes Bauernhaus die Sicht derart ein, dass der Kanton mit Blick auf den er­warteten regen Zubringerverkehr zu den 150 Wohnungen sein Veto einlegte. Der Gemeinde blieb nichts anderes übrig, als die Baubewilligung zu verweigern.

Auf Feld eins

Schon vor Jahresfrist tönte die Varem AG an, dass sie im Fall der Fälle bereit sei, zurück auf Feld eins zu gehen und die Arbeiten von Grund auf neu zu starten. Das ist mittlerweile passiert: Unter Führung der Totalunternehmerin Halter AG überlegt sich ein Verbund aus mehreren spezialisierten Firmen, wie das Areal auf andere Art überbaut werden könnte.

Auf Wunsch der Gemeinde werden in die Arbeiten auch das Bauernhaus sowie die beiden anderen Grundstücke mit einbe­zogen, die auf dem schmalen Streifen bis zur Freiburgstrasse liegen. Die Überbauung würde sich dann über das ganze von Bahn und Strasse begrenzte Rechteck erstrecken (siehe Grafik links), was nicht nur das Problem der Zufahrt entschärft. Das wegen seiner Nähe zum S-Bahn-Halt so attraktive Gelände könnte auch besser genutzt werden. Die Gemeinde ist deshalb sogar bereit, die Bauvorschriften je nachdem anzupassen. Das letzte Wort hätte dann aber das Volk an der Urne.

Die Halter AG rechnet damit, bis Ende Jahr klarer zu sehen. Im besten Fall ist die neue Über­bauung im Verlauf des Jahres 2023 bezugsbereit.

Berner Zeitung

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