BLS will bauen – Gemeinde kanns kaum glauben

Thurnen

Der Bahnhof Thurnen soll saniert werden. Die BLS sagt, sie werde bald mit den Bauarbeiten beginnen. Doch das glaubt bei der Gemeinde niemand.

Bahnhof in Mühlethurnen: Der eine Teil ist schützenswert – der andere sanierungsbedürftig.

Bahnhof in Mühlethurnen: Der eine Teil ist schützenswert – der andere sanierungsbedürftig.

(Bild: Andreas Blatter)

Johannes Reichen

In einem grossen Bogen spannt sich das Wellblechdach über den Bahnhofplatz in Mühlethurnen. Ein Bijou ist es nicht unbedingt, auffällig auf jeden Fall. An dem Dach gibt es nichts zu rütteln, es ist, wie auch das Bahnhofgebäude, im Bundesinventar schützenswerter Ortsbilder verzeichnet. Ein bisschen erzittern dürfte es aber, wenn die BLS mit den Baumaschinen anrückt. Sie will den Bahnhof Thurnen sanieren. Die Frage ist nun, wann das Dach erzittert. Eine eindeutige Antwort gibt es nicht.

Bald ist es anderthalb Jahre her, dass Vertreter der BLS an der Gemeindeversammlung in Mühlethurnen über ihre Umbaupläne informierten. 22,8 Millionen Franken wolle die Bahn in die Sanierung investieren, bis Mitte 2012 solle die Baubewilligung vorliegen, hiess es. «Daran hat sich bis jetzt nichts geändert», sagt auf Anfrage BLS-Sprecher Michael Blum. «Das Projekt befindet sich in der Plangenehmigung beim Bundesamt für Verkehr.»

Gemeinderat erstaunt

Überrascht auf diese Aussage reagiert allerdings der zuständige Mühlethurner Gemeinderat Markus Giger (Grüne). Die Gemeinde möchte im Zuge der BLS-Arbeiten den Bahnhofplatz umgestalten. «Falls der BLS-Zeitplan noch immer Gültigkeit hätte, müssten wir unsere Pläne dringend abschliessen», sagt Giger. «Dazu hat uns die BLS aber noch nicht aufgefordert.»

Darum geht der Gemeinderat von Verzögerungen bei den Bauarbeiten aus – und ist darüber alles andere als erfreut. «Wir haben grosses Interesse an einem baldigen Umbau», sagt Giger. Der Bahnhof ist sanierungsbedürftig und zu klein.

Grosse Umbaupläne

Die BLS aber hält an ihrem Zeitplan fest und damit an der Inbetriebnahme des umgebauten Bahnhofs per Ende 2013. Wenn es dann zum Fahrplanwechsel kommt, sollen im Gürbetal längere Züge verkehren. Für die ist der Bahnhof Thurnen in seinem jetzigen Zustand zu klein.

Die Perronlänge soll darum auf 220 Meter vergrössert werden. Weiter muss die Perronhöhe künftig 55 Zentimeter betragen, damit der Zugeinstieg ebenerdig ist. Das Mittelperron soll durch zwei längere Aussenperrons ersetzt werden.

Die BLS will zudem eine Unterführung und zusätzliche Parkplätze bauen, dazu den Bahnübergang Bahnhofstrasse/Moosstrasse sanieren. Betroffen vom Umbau sind auch die Busschleife und der Holzverladeplatz – sie sollen leicht nach Süden verlegt werden. Schliesslich sollen neue WC-Anlagen gebaut und der Mühlebach verbreitert werden. Die Gemeinde rechnet mit Kosten im sechsstelligen Bereich.

Ungewissheit auch bei BLS

Es herrscht jetzt Ungewissheit in Mühlethurnen. «Uns gegenüber», sagt Markus Giger, «wollte sich die BLS nicht festlegen, wie es weitergeht.» Vielleicht mit gutem Grund – denn eine Unsicherheit gibts auch bei der BLS: Derzeit überprüft SBB Cargo das Zustellnetz.

Damit ist auch die Zukunft des Holzverlads am Bahnhof Mühlethurnen offen. «Je nach Entscheid von SBB Cargo werden wir unser Projekt überprüfen», sagt BLS-Sprecher Blum, «mit möglichen Folgen für die Umsetzung und die Inbetriebnahme.»

Berner Zeitung

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