Blaise Kropf formte die Grünen

Nach acht Jahren tritt Blaise Kropf als Präsident der kantonalen Grünen ab. Weggefährtinnen attestieren ihm «eine integrative Rolle» beim Zusammenwachsen der Partei und viel Sachverstand im Grossen Rat.

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Christoph Aebischer@cab1ane

Blaise Kropf denkt schnell, redet konzis und verliert selten die Contenance. Unter seiner Führung haben sich die Grünen im Kanton Bern zur fünftgrössten Kraft gemausert. Vor ihm gab es die Partei nicht – man verzettelte sich in verschiedenen Strömungen. Nun gibt der 42-Jährige das Präsidium ab. Länger als acht Jahre darf niemand an der Spitze stehen, verlangen die Statuten. Als er 2006 bei der Zusammenführung des städtischen, linken Grünen Bündnisses mit der liberalen, auch auf dem Land verankerten Grünen Freien Liste fürs Co-Präsidium vorgeschlagen wurde, hatte Dorothea Loosli Bedenken: «Ein extremer Linker und Städter soll die Partei führen, das kommt nicht gut», dachte die damalige Präsidentin der Grünen Freien Liste Seeland.

Immerhin musste er sich mit der späteren Bieler Gemeinderätin Barbara Schwickert im zweiköpfigen Führungsgremium arrangieren. Erst seit 2009 «regiert» er allein. Er tat es gut, wie ihm Loosli attestiert. Ihre Befürchtungen bewahrheiteten sich nicht. Kropf, der als Gewerkschafter arbeitet, habe eine «unglaublich integrierende Rolle» gespielt.

Rückschläge gehören dazu

Die persönliche Karriereplanung gelang ihm weniger gut. Mehrere Male musste er einen Rückschlag hinnehmen. Bei den Nationalratswahlen 2011 landete er listenintern nur auf dem 10. Platz. 2012 stand ihm die damalige Nationalrätin Franziska Teuscher vor der Sonne, als er sehr gerne für den Stadtberner Gemeinderat kandidiert hätte. Solche Ausmarchungen seien normal, meint er nun lapidar. Allerdings, so viel Selbstbewusstsein und Führungsbereitschaft zeichnet Kropf dann schon aus: «Ich wäre auch ein guter Gemeinderat geworden.»

Die Causa Jo Lang

Kropf scheut die Verantwortung nicht. Bei der Ausgestaltung der Nationalratsliste für die Wahlen im Herbst durchkreuzte er – flankiert vom Vorstand – die Ambitionen des früheren Zuger Nationalrats Jo Lang. «Da waren einige Leute enttäuscht. Aber es wurde geschätzt, dass wir von Anfang an klar kommuniziert haben», sagt Kropf. Er ist überzeugt, dass die Partei damit richtig liegt. Sie könne nur Erfolg haben, wenn auch Kandidaten vom Land eine valable Chance erhielten.

Zur Topkandidatin gekürt wurde nun die Berner Oberländer Grossrätin Christine Häsler, die im Juni in den Nationalrat nachrutscht und auch für den Ständerat antritt. Sie war acht Jahre lang Fraktionspräsidentin und lenkte zusammen mit Kropf, der ebenfalls im Grossen Rat sitzt, die Geschicke der Partei: «Er ist ein ‹Chrampfer›», stellt sie fest.

«Ich will meinen politischen Überzeugungen zum Durchbruch verhelfen», sagt Kropf. Das treibe ihn an. Auf seine Schwächen angesprochen meint er, die Abgrenzung von der politischen Arbeit falle ihm zuweilen schwer. Das sei nicht immer leicht für sein Umfeld. Lieber spricht er jedoch über die Sache als über sich. Als intensives Erlebnis werde ihm der Abstimmungskampf für die erste von den Grünen lancierte Volksinitiative in Erinnerung bleiben. Mit «Bern erneuerbar» hätten sich die Grünen auch als bündnisfähige Kraft etabliert, die über ihr angestammtes Lager Allianzen schmieden könne. Das ist ihm wichtig, gerade auch in der Arbeit im Grossen Rat mit seiner klaren bürgerlichen Mehrheit.

Wichtige Rolle im Grossen Rat

Obwohl Kropf gemäss Smartvote pointiert links politisiert, hievte ihn das Parlament vor bald einem Jahr ins Präsidium der wichtigen Bau-, Energie-, Verkehrs- und Raumplanungskommission. Er stach dabei einen SVP-Vertreter aus. Dies ist ein Zeichen des Respekts der Ratsmitglieder vor seiner fundierten Arbeit. Diese Stärke ist zugleich die Schwäche im persönlichen Marketing in Wahlkämpfen: Kropf macht einen etwas distanzierten, intellektuellen Eindruck. Simple Botschaften und Emotionen sind nicht sein Ding.

Heute wählen die Grünen wohl die Stadtbernerin Natalie Imboden und den Könizer Jan Remund zu seinen Nachfolgern. Er selber bleibt bis Ende März im Amt. Was danach kommt, weiss der Vater zweier Töchter noch nicht. Der kantonalen Politik bleibt er aber mit Sicherheit im Grossen Rat erhalten.

Berner Zeitung

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